Stellungnahme zur Therapie mit ACE-Hemmern und Sartanen

Auf Basis der aktuellen Empfehlungen der verschiedenen Fachgesellschaften

Die Erreger von COVID-19, das Coronavirus SARS-CoV2, binden an ihre Zielzellen durch das Angiotensin-Converting-Enzym 2 (ACE2). Experimentelle Daten zeigen, dass die Expression von ACE2 durch Therapie mit ACE-Hemmern und AT1-Rezeptorblockern (Sartane) gesteigert wird. Für Patientinnen und Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen, insbesondere mit Herzinsuffizienz, Diabetes oder der Kombination von beidem, ist eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen und eine erhöhte Sterblichkeit bei Infektion mit SARS-CoV2 beschrieben. Es gibt die Hypothese, dass Patienten mit kardialen Erkrankungen oder arterieller Hypertonie, die unter Therapie mit ACE-Hemmern oder Sartanen stehen, ein erhöhtes Risiko haben, einen schweren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung zu erleiden.

Mehrere Fachgesellschaften (z.B. Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC), Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK), Deutsche Hochdruckliga (DHL), European Society of Hypertension (EHL),…) haben sich in den vergangenen Tagen mehrfach zu diesem Thema geäußert: alle Spekulationen beruhen auf experimentellen Daten; eindeutige wissenschaftliche Hinweise auf eine erhöhte Sterblichkeit oder Anfälligkeit für komplizierte Verläufe bei SARS-CoV2 Infektion existieren bis dato nicht. Auch für ebenfalls im Umlauf befindliche Spekulationen, dass die Gabe eines Sartans die Anfälligkeit für eine Lungenschädigung senken könnte, existieren keine belastbaren Daten. Es gibt ebenfalls keine Hinweise, dass eine Umstellung von ACE-Hemmern auf Sartane bei Patienten mit SARS-CoV2-Infektionen günstig ist.

Eindeutig wissenschaftlich belegt und völlig unbestritten ist jedoch, dass ACE-Hemmer und Sartane bei arterieller Hypertonie und Herzinsuffizienz zur Senkung der Sterblichkeit und der Hospitalisierungsrate beitragen. Eine Unterbrechung oder ein Absetzen dieser Therapien könnten daher zu einer Steigerung der Sterblichkeit und vermehrten Krankenhausaufnahmen führen. Darüber hinaus existieren Daten, die einen schützenden Effekt durch Blockade des Renin-Angiotensin-Systems bei schwerem Lungenversagen, dem so genannten ARDS („acute respiratory distress syndrome“) belegen.

Die Fachgesellschaften empfehlen daher einhellig auf Basis der aktuellen Datenlage, die Therapien mit ACE-Hemmern oder Sartanen fortzuführen bis weitere Daten aus klinischen Studien verfügbar sind. Aktualisierte Informationen zu diesem Thema finden sich in den jeweiligen Internetauftritten der Fachgesellschaften.
 

Stand: 20.03.2020
 

Zum Artikel „Are patients with hypertension and diabetes mellitus at increased risk for COVID-19 infection?“

 

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