Loraine Keller

Foto von Loraine Keller, Promotionsstipendiatin im Programm Chronische Erkrankungen und Gesundheitskompetenz (ChEG)

Portrait

Loraine Keller hat Romanistik (Französisch, Spanisch) und Publizistik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Université François Rabelais in Tours (Frankreich) studiert. Nach dem Magisterabschluss ist sie zwei Jahre als Mitarbeiterin im Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Mainz tätig, bevor sie ein Studium der Medienübersetzung in Hildesheim anschließt, in dem sie sich auf die Barrierefreie Kommunikation spezialisiert. Bereits während des Masterstudiums arbeitet sie an der Forschungsstelle Leichte Sprache am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim.

Seit April 2020 ist Loraine Keller assoziierte Teilnehmerin des Promotionsprogramms „Chronische Erkrankungen und Gesundheitskompetenz“ (ChEG) der Medizinischen Hochschule Hannover und Teil der Forschergruppe BK-Med (Barrierefreie Medizinkommunikation) der Forschungsstelle Leichte Sprache in Hildesheim. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich Akzeptabilität von Leichte-Sprache-Kommunikation für unterschiedliche Zielgruppen.

Ihr Promotionsprojekt wird als Schnittstellenthema zwischen der Übersetzungs- und Gesundheitswissenschaft an der Universität Hildesheim sowie an der Medizinischen Hochschule Hannover betreut und fokussiert verständlichkeitsoptimierte Medizinkommunikation für die Zielgruppe Senior(inn)en.

Thema der Promotion

Verständlichkeitsoptimierte Medizinkommunikation: Akzeptabilität und Akzeptanz von Texten in Einfacher und Leichter Sprache

Hintergrund

Texte der fachexternen Medizinkommunikation sind häufig und in unterschiedlicher Weise unangemessen. Gesundheitsinformation muss daher, gerade in Hinblick auf besondere Bedarfe einzelner Adressatengruppen, aufbereitet werden. Nur dann kann die Ausbildung von Gesundheitskompetenz als Fähigkeit, „gesundheitsrelevante Informationen finden, verstehen, kritisch beurteilen, auf die eigene Lebenssituation beziehen und für die Erhaltung und Förderung der Gesundheit nutzen zu können“ (NAP Gesundheitskompetenz 2018:12), erfolgen. Um aber gesundheitsrelevante Informationen verstehen, einschätzen und nutzen zu können, sind eine „nutzerfreundliche Aufbereitung von Informationen sowie eine laienverständliche Sprache und Textstruktur“ (ebd. 42) nötig.

In der Studie steht die Gruppe der Senior(inn)en (65+) im Fokus. Diese Gruppe gilt als vulnerabel in Bezug auf Gesundheitskompetenz und stellt hinsichtlich der Anteile der unterschiedlichen Altersgruppen in der Bevölkerung eine stark wachsende Gruppe dar. Die Pionierstudie von Gutermuth (2019) belegt, dass Senior(inn)en für Leichte-Sprache-Texte der juristischen Fachkommunikation die besten Verstehens- und Behaltenswerte haben. Textangebote in Leichter Sprache werden jedoch gerade von dieser Gruppe als potenziell provozierend und stigmatisierend wahrgenommen, wenngleich diese Gruppe mehr Gesundheitsinformationen in ihrem Alltag benötigt als andere Rezipientengruppen und zudem in Deutschland im Vergleich zu Europa auch einen höheren Anteil an inadäquater und problematischer Gesundheitskompetenz aufweist (Schaeffer et al. 2016:48). Mit Blick auf die erhöhten Bedarfe dieser Gruppe ist dies hochproblematisch und stellt daher ein Forschungsdesiderat von besonderer Dringlichkeit dar.

Ziel

Ziel der Studie ist es, die Befindlichkeiten der Zielgruppe in Bezug auf verschiedene Textstufen der Gesundheitsinformation zu erforschen, um empirische Ergebnisse darüber zu erlangen, welche Elemente in einem (verständlichkeitsoptimierten oder Standard-) Text diesen besonders (in)akzeptabel machen. Die Evaluation der Texte hinsichtlich des Kriteriums der Akzeptanz durch die Nutzer(innen) soll mit Hilfe von qualitativen Methoden untersucht werden.

Methode

Den Testpersonen sollen drei Texte zu einem Thema der Gesundheitsinformation (Darstellung von Verlauf, Symptomen und Therapiemöglichkeiten verschiedenster Erkrankungen) in drei verschiedenen Textversionen (Standardsprache, Einfache und Leichte Sprache) vorgelegt werden. Die drei Texte sollen jeweils von jeder Testperson gelesen werden, worauf ein Frageblock in Form eines Interviews folgt. Pro Testperson wird ca. eine halbe Stunde für das Interview eingeplant.

Wenn möglich sollte das Interview mit einer vertrauten Person (z.B. Angehörige, Pflegepersonal) durchgeführt werden, um den Störfaktor „Interviewer“ zu minimieren: Eine Interviewsituation wird von Teilnehmenden oftmals als angenehmer empfunden und die Antworten fallen ggf. ausführlicher aus, wenn der/die Interviewer(in) eine bekannte bzw. vertraute Person ist. Zudem kann bei diesem Vorgehen auch im Rahmen der aktuellen pandemiebedingten Einschränkungen (Eindämmung der Verbreitung des neuartigen Coronavirus) verantwortungsvoll agiert und trotz erschwerter Akquise erhoben werden.

Das Interview soll über ein Aufnahmegerät aufgezeichnet und im Anschluss transkribiert werden. Die Auswertung soll mit Hilfe der Software MAXQDA erfolgen.