Pädiatrische interventionelle Neuroradiologie

Leitung: Oberarzt Priv.-Doz. Dr. med. Dan Meila

 

Innerhalb des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie der MHH wurde im Mai 2018 ein auf universitärem Niveau einzigartiger Schwerpunkt für Pädiatrische Interventionelle Neuroradiologie eingerichtet.

 

Im Fokus steht dabei die Beratung, Behandlung und Betreuung von Kindern mit Gefäßfehlbildungen. Angefangen von der Diagnose bis hin zur minimal-invasiven endovaskulären Therapie sämtlicher Gefäßmissbildungen im Kindesalter, von Neugeborenen mit Vena-Galeni-Malformation bis hin zu Jugendlichen mit Hämangiomen und vaskulären Malformationen, wird das gesamte Spektrum abgedeckt.


Arteriovenöse Malformationen (AVM) stellen die größte Gruppe der neurovaskulären Fehlbildungen im Kindesalter dar. Eine Sonderform nimmt dabei die Vena-Galeni-Malformation als häufigste und zugleich schwerwiegendste neurovaskuläre Erkrankung im frühen Kindesalter ein.


Den arteriovenösen Malformationen liegen Kurzschlussverbindungen zwischen arteriellen und venösen Gefäßen zugrunde, welche sowohl neurologische als auch kardiale Risiken und Erkrankungen nach sich ziehen können.

 

Krankheitsbilder:

Piale arteriovenöse Malformation und piale arteriovenöse Fistel (AVM):
Dies sind Gefäßfehlbildungen, bei der eine Kurzschlussverbindung zwischen einer oder mehrerer Arterien und einer oder mehrerer Venen vorliegt. Bei der pialen AVM bestehen im Gegensatz zur pialen arteriovenösen Fistel mehrere kommunizierende Kurzschlussgefäße. Als Folge dessen können epileptische Anfälle, Kopfschmerzen und weitere neurologische, als auch kardiale Symptome auftreten. Um Folgen dieser Erkrankung zu vermeiden, wird in der pädiatrischen interventionellen Neuroradiologie eine Embolisation (Gefäßverschluss) der Kurzschlussgefäße durchgeführt.

 

Durafistel (DAVF):
Die Dura ist die harte Hirnhaut, bei einer duralen Fistel existiert eine Verbindung zwischen Arterien und Venen der harten Hirnhaut. Typischerweise resultieren daraus Zeichen der Herzinsuffizienz bei Säuglingen und Zeichen erhöhten Hirndrucks bei Kleinkindern, sowie Gedeihstörungen. Bei einer angiographischen Bildgebung kann die Fistel mittels endovaskulärer Embolisation ausgeschaltet werden.

 

Vertebralisfistel (VVF):
Hierbei handelt es sich um eine pathologische Verbindung der Arteria vertebralis mit den vertebralen und/oder subokzipitalen Venen. Die betroffenen Kinder können primär lange asymptomatisch bleiben. Die VVF stellt aber eine mögliche kardiale Belastung dar, in dessen Rahmen sich eine Herzinsuffizienz entwickeln kann, weshalb eine klare Therapieindikation besteht.

 

Vena-Galeni-Malformation (VGM):
Diese Malformation ist die häufigste und schwerwiegendste neurovaskuläre Erkrankung im frühen Kindesalter. Hierbei besteht eine Kurzschlussverbindung zwischen den hirnversorgenden Arterien und Venen ohne dazwischen geschaltete Kapillaren. Die Aufgabe von Kapillaren ist es die Blutflussgeschwindigkeit zu reduzieren, sodass das Blut ausreichend Zeit hat den Sauerstoff an das umliegende Gewebe abzugeben. Da bei der Vena-Galeni-Malformation keine Kapillaren im Bereich der Fehlbildung vorliegen, fließt das Blut deutlich schneller und das Herz muss dementsprechend härter arbeiten. Als Folge dessen kann eine Herzinsuffizienz entstehen oder sich ein Hydrozephalus („Wasserkopf“) entwickeln. Unbehandelt kann es zur Fehlentwicklung des Gehirns kommen, dies variiert von mentaler Retardierung bis hin zum Tod. Die VGM kann in der Schwangerschaft diagnostiziert werden. Bereits Schwangere mit einem Kind mit VGM sollten daher an die pädiatrisch interventionelle Neuroradiologie angebunden werden, um eine frühzeitige Therapie zu ermöglichen.

Die Therapie all dieser Erkrankung beruht auf verschiedensten modernen Verfahren, um diese vaskulären Fehlverbindungen zu verschließen (Embolisation).

 

Therapieangebote:

© Dan Meila/Neuroradiologie/MHH
Kind mit einer gebluteten zerebralen AVM (Angiom) rechts frontal (vor und nach Embolisation mit ONYX und vollständiger Ausschaltung der AVM in einer Sitzung)

Die Therapieangebote zielen auf die Reduzierung der mit der neurovaskulären Erkrankung verbundenen Risiken und Symptome ab.

 

Die Behandlung neurovaskulärer Veränderungen bei Kindern stellt eine besondere Herausforderung dar, bei Unsicherheiten und Fragen sprechen Sie uns daher gerne an.

 

Als Leiter der Pädiatrischen Interventionellen Neuroradiologie verfügt Herr Priv.-Doz. Dr. Dan Meila über langjährige Erfahrungen in diesem sehr speziellen Fachgebiet. Zusätzlich bestehen ausgezeichnete internationale Kooperationen unter anderem mit Prof. Alejandro Berenstein, Pediatric Cerebrovascular Surgery Program Director, Hyman Newman Institute for Neurology & Neurosurgery, Mount Sinai Health System, New York, USA.