Überall Sensoren? Gerechtigkeit in einem digitalen Gesundheitssystem

Vorträge im Wintersemester 2022/23

Plakat der Vorlesungsreihe

In der gemeinsam vom AStA und dem Institut für Ethik, Geschichte und Philosophie der Medizin der MHH veranstalteten Vortragsreihe "Philosophie und Medizin" geht es diesmal um Gerechtigkeit in einem digitalisierten Gesundheitssystem. Mit dem Schlagwort „digitaler Transformation“ sind nicht nur in der Medizin große Hoffnungen verknüpft. Mit Sensoren, Vernetzung und Künstlicher Intelligenz soll alles besser, schneller und billiger werden. Allerdings wissen wir schon jetzt, dass Ungleichheit und Diskriminierung durch vermeintlich nüchterne Algorithmen nicht verschwinden, sondern verstärkt werden können. Was müssen wir wissen und tun, um die Idee eines gerechten Gesundheitssystems nicht aufgeben zu müssen? In der Vortragsreihe widmen wir uns dieser Frage aus drei Perspektiven.

Im ersten Teil erkunden wir die Möglichkeiten und Grenzen eines digitalen Gesundheitssystems in trans- und posthumanistischer Perspektive. Welche Vorteile hat es, wenn wir größer denken und nicht mehr nur der Mensch im Mittelpunkt ethischer Betrachtung steht?

Im zweiten Teil loten wir das Verhältnis zwischen sozialer Gerechtigkeit und einer digitalen Medizin aus. Am Beispiel möglicher Altersdiskriminierung machen wir Ungerechtigkeiten greifbar, die sich durch Unterschiede im Zugang zu digitalen Angeboten insbesondere für ältere Menschen ergeben können.

Im dritten Teil widmen wir uns den möglicherweise diskriminierenden Verzerrungseffekten der Trainingsdaten für maschinelles Lernen. Anhand des Beispiels von Digital Mental Health steigen wir dann tiefer in die Herausforderungen einer gerechten Gesundheitsversorgung ein. Ist es sinnvoll, Psychotherapeut*innen durch Chatbots zu ersetzen um Versorgungslücken zu schließen? Oder erhalten wir dadurch eine Zwei-Klassen-Medizin?

Die Studierenden der MHH sind zu allen Veranstaltungen herzlich eingeladen. Die zweite Sitzung am 30.11. ist zudem offen für alle Interessierten. Alle drei Veranstaltungen beginnen 18:30 Uhr und wir freuen uns auf eine rege Teilnahme und Diskussion.

 

25.10.2022 (18:30 Uhr in Hörsaal S J06 @MHH)

"Digitale Transformation des Gesundheitswesens: Eine ethische Reflexion zwischen Trans- und Posthumanistischen Visionen"

Dr. Janina Loh, Stabsstelle Ethik bei der Stiftung Liebenau in Meckenbeuren am Bodensee

 

8.11.2022 (18:30 Uhr online via MS Teams: Besprechungs-ID: 312 444 950 452 Passcode:TWQF9m)

"Soziale Gerechtigkeit und digitale Medizin: Warum wir mehr als Verteilungsgerechtigkeit brauchen"

Dr. Cristian Timmermann, Medizinethik, Universität Augsburg

und

"Liquid Surveillance. Gerontechnologie im post-panoptischen Zeitalter"

Univ.-Prof. Dr. Giovanni Rubeis, Biomedizinische Ethik und Ethik des Gesundheitswesens, Karl Landsteiner Universität Krems

 

30.11. (18:30 Uhr in Hörsaal S J06 @MHH)

"Algorithmic Bias: Trainingsdaten und Diskriminierung in einer digitalen Medizin"

Dr. med. Zoe Oftring, M.A., Digitale Medizin, OWL Bielefeld

und

"Digitale Gesundheitsanwendungen, Therapie-Apps, Web-basierte Interventionen – Risiken und Nutzen der Digitalisierung in Psychiatrie und Psychotherapie"

PD Dr. med. Moritz Wigand, Chefarzt der Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der imland-Klinik Rendsburg und Eckernförde