Neues Behandlungsverfahren für COVID-19 mit Rekonvaleszenten-Plasma

Blutplasmaspende von Personen, die von einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus genesen sind

Sie gehören einer Personengruppe an, die sich glücklicherweise von einer Infektion bzw. Erkrankung mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 erholt hat?

Dann können Sie uns bei der Behandlung von Menschen, deren Leben durch eine SARS-CoV-2 Infektion bedroht ist, durch eine spezielle Form der Blutspende aktiv unterstützen. Im Folgenden möchten wir Ihnen dazu einige Informationen geben.

 

Was sind Coronaviren und welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Die Familie der Coronaviren ist weltweit verbreitet und kann Erkältungen bis hin zu schweren Atemwegserkrankungen mit Todesfolge verursachen. Coronaviren werden durch Tröpfchen- und Schmierinfektionen übertragen. Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 ruft die Infektionskrankheit COVID-19 hervor, die überwiegend durch eine Einschränkung der Lungenfunktion gekennzeichnet ist und erstmals auf einem Markt in Wuhan, Provinz Hubei, in China auftrat.
Derzeit ist keine Therapie oder Impfung zur Behandlung bzw. Vorbeugung von COVID-19 verfügbar. Wenn eine Behandlung für COVID-19 gefunden werden könnte, würde dies viele Leben retten.

Eine Therapieoption bei schwer verlaufenden Virusinfektionen ist der Einsatz von sogenanntem Rekonvaleszenten-Plasma (RKP). Unter Rekonvaleszenz versteht man in der Medizin die Wiedererlangung der Gesundheit nach einer Erkrankung. Menschen wie Sie konnten sich von der Infektion mit dem Virus SARS-CoV-2 erholen, da Ihr Körper schützende Antikörper gegen den Infektionserreger gebildet hat, die das Virus erfolgreich bekämpft haben. Es gibt Hinweise darauf, dass Patienten mit schweren, lebensbedrohlichen Krankheitsverläufen sich schneller erholen können, wenn sie Blutplasma von genesenen SARS-CoV-2 Infizierten erhalten. Diese unter Umständen lebensrettende Therapie möchten wir Patientinnen und Patienten mit Ihrer Hilfe ermöglichen.


Wer kann Rekonvaleszenten-Plasma spenden?

Um für die Spende von Rekonvaleszenten-Plasma zugelassen zu werden, gelten folgende Grundvoraussetzungen:

  • Gesundheitszustand     Sie müssen von einer SARS-CoV-2 Infektion seit mindestens 4 Wochen genesen sein.
    WICHTIG: Falls Sie nach dem Nachweis der Infektion wieder negativ auf SARS-CoV-2 getestet worden sind, bringen Sie diesen Nachweis bei Ihrem ersten Besuch im Blutspendedienst bitte mit!

Die weiteren Spendevoraussetzungen entsprechen denen einer üblichen Blut-oder Plasmaspende. Dazu gehören im Wesentlichen:

  • Alter: Mindestalter 18 Jahre
    Höchstalter nach ärztlicher Entscheidung: 60 Jahre (Erstspender) bzw. 72 Jahre (Dauerspender)
  • Körpergewicht: Mindestens 50 kg, maximal 150 kg
  • Wohnsitz: Sie müssen einen festen Wohnsitz haben und telefonisch erreichbar sein
  • Ausweispflicht: Zur Blutspende ist ein gültiger Personalausweis oder Reisepass erforderlich. Führerschein, Krankenversicherungskarte, Schüler- oder Studentenausweise, Bankkarten oder ähnliche Dokumente reichen leider nicht aus.
  • Körperliche Verfassung: Bitte kommen Sie nur bei Wohlbefinden und gesund zur Blutspende. Bei Einnahme von Medikamenten, nach Auslandsaufenthalt, nach Operationen oder Piercing/Tätowierung halten Sie bitte Rücksprache mit uns.
    Sie sollten ausreichend gegessen und alkoholfreie Getränke getrunken haben. Zwei Stunden vor und nach der Spende sollten Sie nicht rauchen.
    Während einer Krankschreibung dürfen wir Sie aus versicherungstechnischen Gründen nicht zur Blutspende zulassen!
  • Deutschkenntnisse: Vor jeder Blutspende müssen Sie einen Fragebogen ausfüllen. Diese Fragen dürfen Sie nur allein und ohne die Hilfe eines Dolmetschers beantworten. Es sind mindestens Deutschkenntnisse des Niveaus Sprachkurs B2 erforderlich, ggf. bitten wir Sie, ein entsprechendes Zertifikat vorzulegen.


Was passiert, wenn Sie einer Plasmaspende zustimmen?

a)    Untersuchung der Spendereignung
Wenn Sie sich bereit erklären, Rekonvaleszenten-Plasma für die Behandlung von COVID-19 Patientinnen und Patienten zu spenden, vereinbaren Sie einfach einen Termin mit unserem Blutspendedienst. Neben den ärztlichen Voruntersuchungen und Blutanalysen, die für die Feststellung einer medizinischen Eignung zur Blutspende und deren Freigabe für die Anwendung am Menschen erforderlich sind, wird auch die Menge an schützenden Antikörpern gegen das Coronavirus in Ihrem Blut ermittelt. So erhalten wir Aufschluss über die Eignung Ihrer Spende zur Behandlung von COVID-19.

b)    Plasmaspende und Lagerung der Plasmaeinheiten
Bei der Spende von Rekonvaleszenten-Plasma wird eine maschinelle Plasmapherese durchgeführt. Dabei handelt es sich um ein Standard-Verfahren, bei dem Blutplasma isoliert entnommen wird, während alle anderen Blutbestandteile wieder in den Körper des Spenders zurückfließen. Das Verfahren entspricht der normalen Plasmaspende, die weltweit jährlich millionenfach durchgeführt wird. Es handelt sich also um ein bewährtes und sicheres Routineverfahren. Die Dauer des Verfahrens beträgt etwa 30-45 min. Sie erhalten selbstverständlich eine Aufwandsentschädigung.

Wir würden uns sehr über Ihre Bereitschaft freuen, die Behandlung von SARS-CoV-2 infizierten Patientinnen und Patienten mit Ihrer Plasmaspende zu unterstützen.
Falls Sie dazu Fragen haben sollten, können Sie sich gerne an uns wenden.
Dazu können Sie uns unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 532 5325 oder per E-Mail: RKP-Spende@mh-hannover.de erreichen. Weitere Informationen zur Blutspende finden Sie auch der Webseite der MHH www.mhh.de. Selbstverständlich beantworten wir alle Ihre Fragen gerne auch bei einem Spendetermin.

 
Was passiert mit dem gespendeten Rekonvaleszenten-Plasma?    

COMET-Studie: Adoptive Immuntherapie

Das Institut für Transfusionsmedizin und Transplantat Engineering hat die passive  Immunisierung als eine schnell verfügbare therapeutische Option als Therapieansatz unter der Leitung von Prof. Rainer Blasczyk an der Medizinischen Hochschule Hannover aufgenommen und erforscht im Rahmen der klinischen Studie COMET, ob die therapeutische Übertragung von Anti-SARS-CoV-2 Antikörpern das Immunsystem bei COVID-19  unterstützt und in Folge dessen ein schweren Verlauf der Erkrankung verhindert werden kann. Die COMET-Studie wird gefördert durch das Bundeministerium für Gesundheit (BMG).