Arbeitsgruppe PD Dr. med. Richard Taubert

Individualisierte Immunsuppression nach Lebertransplantation

Das Langzeitüberleben jenseits des ersten Jahres nach Lebertransplantation hat sich in den letzten 30-40 Jahren kaum verbessert. Dabei versterben mehr Patienten an Erkrankungen, die durch die langfristige Einnahme von Immunsuppressiva begünstigt werden, als am Transplantatversagen selbst.

Um dem Patienten nur so viel Immunsuppression wie nötig, aber so wenig wie möglich zu geben, führt die Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie seit 2018 ein individualisiertes Immunsuppressionsmanagement durch, das sich an sogenannten Protokollleberbiopsien, d.h. Leberbiopsien auch bei normalen Leberwerten, und am Vorliegen von Antikörpern, die gegen das Transplantat gerichtet sind, orientiert. Diese Biopsien geben Aufschluss über Entzündung und Vernarbung im Transplantat, was bisher mit keiner anderen nicht-invasiven Methode genau genug detektiert werden kann. Auf Basis dieser vielschichtigen Informationen wird die Immunsuppression - basierend auf dem individuellen Abstoßungsrisiko (niedrig/mittel/hoch) - im Rahmen einer interdisziplinären Konferenz des gesamten Lebertransplantations-Teams angepasst.

In der ersten klinischen Auswertung dieses individualisierten Immunsuppressionsprogramms konnte unsere Assistenzärztin Emily Saunders im Rahmen ihrer medizinischen Doktorarbeit zeigen, dass die Protokollbiopsien sicher sind und keine relevanten Komplikationen nach sich ziehen. Nach Reduktion der Immunsuppression, die bei ca. 30-50% der Patienten möglich war, zeigte sich keine erhöhte Abstoßungsrate, aber die Nierenfunktion konnte bei diesen Patienten signifikant geschont werden. Diese Ergebnisse wurde jetzt im hochrangigen „American Journal of Transplantation“ zur Veröffentlichung angenommen (Saunders et al. Am J Transplant. 2021 Aug 28. doi: 10.1111/ajt.16817).

Diese erste Sicherheitsbeurteilung deutet auf einen Nutzen der individualisierten Immunsuppression für unsere Patienten hin, so dass dieses Programm weiter unter engmaschiger wissenschaftlicher Begleitung durch Dr. Elmar Jäckel und PD Dr. Richard Taubert fortgesetzt wird.

   

Über die wissenschaftliche Arbeit der AG von PD Dr. med. Richard Taubert

Das Team Taubert beschäftigt sich wissenschaftlich mit immunvermittelten Erkrankungen der Leber vor und nach Lebertransplantation, d.h. vor allem mit autoimmunen Lebererkrankungen (insbesondere der Autoimmunhepatitis) und mit verschiedenen Abstoßungsformen nach Lebertransplantation.

Dabei untersuchen die Projekt der Arbeitsgruppe zum einen den Beitrag der zellulären (bspw. regulatorischen T-Zellen) und der humoralen (Autoantikörper oder donor-spezifische Antikörper) Immunantwort in der Pathophysiologie der immunvermittelten Lebererkrankungen. Anderseits werden neue Methoden untersucht, diese immunvermittelten Lebererkrankungen besser zu diagnostizieren oder deren Verlauf unter einer Therapie besser zu überwachen.

Zuletzt lag der Fokus vor allem auf molekularen Analysen der Genexpression in Leberbiosiegewebe zur Erforschung der Immunregulation in der Leber und zur Identifikation neuer molekularer Marker in Ergänzung zur klassischen pathologischen Lichtmikroskopie.  Für diese Projekte greifen wir auf zwei prospektive Biomaterialsammlungen (Leberbiopsien und Blutproben) bei Patienten mit autoimmunen Lebererkrankungen (seit 2010) und auf das Protokollbiopsieprogramm nach Lebertransplantation (seit 2008) zurück.

Insbesondere dieser molekulare Ansatz wurde von der Deutschen Transplantationsgesellschaft mit dem Immunsuppressionspreis 2017 ausgezeichnet.

Weitere Informationen

   

   

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

In den folgenden Aufklappksästen finden Sie eine Übersicht unserer Mitarbeiterinnen und Mirarbeiter. Bei weiteren Fragen zu unserem Team können Sie sich jederzeit an uns wenden.

   

Unsere Publikationen

In den folgenden Aufklappksästen finden Sie eine Übersicht unserer Publikationen. Bei weiteren Fragen zu unserer klinischen und wissenschaftlichen Arbeit können Sie sich jederzeit an uns wenden.