RESPONSE

Dr. Tobias Schilling, MBA

 

Partnerschaft für Innovation in der Implantattechnologie
Dr. med. Tobias Schilling, MBA

 

Im Forschungsprogramm RESPONSE (https://www.innovation-strukturwandel.de/de/7667.php), das seit 2014 vom BMBF gefördert wird, arbeiten Forschungseinrichtungen und Unternehmen an der Entwicklung von innovativen Implantaten für das Herz-Kreislauf-System, Auge und Ohr. Die Führung des Konsortiums obliegt der Universität Rostock und wird von Prof. Niels Grabow als Nachfolger von Prof. Klaus-Peter Schmitz ausgeübt. Ziel ist die Betrachtung der Umsetzungspotentiale entlang der gesamten Innovationskette und die Translation der Erkenntnisse in die industrielle und klinische Anwendung. Das Förderprogramm Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation (https://www.innovation-strukturwandel.de/de/zwanzig20---das-programm-1780.html) des BMBF (https://www.bmbf.de/) soll den Aufbau zukunftsfähiger, überregionaler wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Kooperationen unterstützen. Dabei sollen insbesondere die in Ostdeutschland aufgebauten wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Kompetenzen gestärkt werden.

 

Die HTTG-Chirurgie der MHH ist aktuell an 4 laufenden Projekten in RESPONSE beteiligt, die im Folgenden kurz vorgestellt werden sollen:

 

Forschungsvorhaben „Life-Long Implants“

Der Zusammenhang zwischen Gesundheitskompetenz und Wissen über die Erkrankung und eine bevorstehende Operation mit Angstempfinden ist auch für die Implantation von kardiovaskulären Prothesen hinreichend nachgewiesen. Es ist überdies unklar, welche Akzeptanz innovative Implantate bei den zukünftigen Patienten haben werden und in welchem Ausmaß die neuen und für viele Patienten unbekannten Technologien auch Angst erzeugen. Es sollen daher Patienten, die konventionelle oder regenerative Implantate erhalten, hinsichtlich ihrer psychologischen Prädisposition für Angstempfindungen gescreent und auf ihre Wahrnehmung der Langzeitperspektive und den damit verbundenen Sicherheitsfragen untersucht werden. Die Kenntnis der Wahrnehmung von innovativen Langzeitimplantaten für kardiovaskuläre Patienten könnte auf die Notwendigkeit und den Nutzen präventiver, angstvermeidender Maßnahmen im Rahmen von Implantationen hinweisen.

 

Forschungsvorhaben „Transkatheter Aorten- und Venenklappenprothesen“

In diesem Forschungsvorhaben werden regenerative Transkatheter-Aortenklappenprothesen (TAVI) entwickelt. Zu diesem Zweck werden biostabile und biodegradierbare Polymere hinsichtlich ihres Zellbesiedlungspotentials, ihrer mechanischen Eigenschaften, ihrer Hämokompatibilität und ihrer hydrodynamischem Leistung getestet. Zusätzlich wird die Degradationskinetik der resorbierbaren Polymere unter Einsatz innovativer Degradationsmodelle ermittelt. Es wurden bereits mehrere Transkatheter-Klappenprothesen entwickelt. Abbildung 1 zeigt einen Klappenprototyp aus Schweineperikard und einem selbstexpandierenden Stent der Partnerfirma Cortronik (https://www.cortronik.com/de). Es ist für die Entwicklung von Substratmaterialien für innovative Aortenklappenprothesen von wesentlicher Bedeutung, das in vivo Verhalten der Implantate hinsichtlich Biokompatibilität, Einheilung und Degradation sowie Funktion zu kennen. Es sollen daher im Tiermodell schließlich die ersten Implantate auf ihre klinische Einsetzbarkeit untersucht werden.

 

Transfervorhaben „Entwicklung eines Großtiermodells zur kombinierten offen-chirurgischen und interventionellen Implantation von Transkatheter Herzklappenprothesen (TAVI)“

Ziel des Arbeitspakets ist der Nachweis der Machbarkeit der Erzeugung eines ausreichenden Wider-lagers im gesunden Aortenannulus eines Versuchstiers (Schaf, Schwein) zur interventionellen Implantation einer Aortenklappenprothese. Es werden dazu verschiedene Optionen zur externen Versteifung des Aortenannulus getestet. Es sind dies der kommerziell verfügbare Physioring, der zur Rekonstruktion von Mitralklappenläsionen bereits heute klinisch eingesetzt wird, ein manuell hergestellter Patch aus Dacron sowie ein Streifen autologen oder allogenen Perikards. Diese Materialien sollen von außen am Aortenannulus fixiert werden und damit deren Aufweitung bei der Expansion der Transkatheter-Klappenprothese verhindern oder zumindest ausreichend einschränken. Es finden sowohl in vitro Versuche in einem eigens entwickelten Teststand, als auch Versuche im Tiermodell statt.

 

Transfervorhaben „Professionalisierung von Management und Führung in der Implantatforschung und -entwicklung“

Bisher wird die Bewertung von Wissenschaftsqualität auf die Kalkulation von Impaktfaktoren verengt, was aber sicher nicht allen Disziplinen oder Forschungsprojekten gerecht wird. In diesem Projekt sollen daher zunächst weitere Parameter zur Bewertung von Forschungsqualität, der Management- und Führungsqualität von Forschungsgruppen und -projekten, der Arbeitgeber- und Kooperationsqualität im Wissenschaftsbetrieb gefunden werden. Eine Korrelation zwischen gutem Management und guter Führung von Arbeitsgruppen mit der wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit wird angenommen. Die dringlichsten und relevantesten Herausforderungen im Forschungsmanagement definieren schließlich die Auswahl von möglichen Management-Fortbildungsinhalten für Wissenschaftler in sechs gängigen Managementfeldern (Strategie und Strategieumsetzung, Prozess- und Qualitätsoptimierung, Steuerung und Controlling, Kreativität und Innovativität, Personal, Kommunikation und Kooperation).