Kielbrust

 

Erkrankung:

Bei einer Kielbrust (Fachbegriff: Pectus carinatum) steht das Brustbein auffällig nach außen, was durch ein überschießendes Wachstum der Knorpelverbindungen zwischen dem Brustbein und den Rippen verursacht wird. Dadurch nimmt die vordere Brustwand die Form eines Kiels an. Die genaue Ursache dafür ist noch unklar. Diese Brustkorbdeformität tritt bei 1:3000-4000 Neugeborenen auf und ist damit ca. 10-mal seltener als eine Trichterbrust. Jungen sind prozentual deutlich häufiger betroffen und es wurde eine familiäre Häufung beobachtet. Während der Pubertät kommt es häufig zu einer Zunahme des Befundes. Es gibt verschiedene Ausprägungsformen einer Kielbrust, die Höhe und Länge des „Kiels“ variiert von Patient zu Patient und sie kann symmetrisch oder asymmetrisch sein.

 

Einschränkungen durch eine Kielbrust

In der Regel bestehen bei Kielbrust-Patienten keine Einschränkungen der körperlichen Leistungsfähigkeit. Ein relevanter Faktor bei Kielbrustpatienten ist meist eine ausgeprägte seelische Belastung durch eine Unzufriedenheit mit dem Erscheinungsbild des vorderen Brustkorbes. Dadurch sind viele Betroffene in ihrem sozialen Leben eingeschränkt, sie vermeiden es, ins Schwimmbad zu gehen oder werden von Mitschülern gehänselt. Daraus kann, wie bei einer Trichterbrust, eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität resultieren. Zu diesem Aspekt gibt es mittlerweile zahlreiche Studien, in denen dies wissenschaftlich belegt wird [1]. Zusätzlich können durch eine ebenfalls bestehende Skoliose Rückenschmerzen auftreten.

 

Literatur:

[1]: Fortmann C, Petersen C. Surgery for Deformities of the Thoracic Wall: No More than Strengthening the Patient's Self-Esteem? Eur J Pediatr Surg. 2018 Aug;28(4):355-360

 

 

Unser Behandlungskonzept:

 

Therapiemethoden

Eine Kielbrust ist in den meisten Fällen ein harmloser klinischer Befund, der nicht behandelt werden muss. In seltenen Fällen kann es bei extremen Formen zu Hautirritationen durch Kontakt mit der Kleidung kommen. Leidet der Betroffene jedoch unter dem Aussehen seines Brustkorbes, insbesondere seelisch, kann die Kielbrust korrigiert werden. Dazu gibt es verschiedene Methoden, die im Folgenden kurz erläutert werden sollen.

 

1) Kompressionstherapie mittels Brace: Die am wenigsten invasive Therapiemethode ist eine Kompressionsbehandlung mit einer speziellen Orthese [2 - 5]. Im Jugendalter sind die Knochen des Brustkorbes noch flexibel und können durch Druck in die gewünschte Position gebracht werden. Die Kompressionsorthese (auch Brace genannt) wird individuell für jeden Patienten angepasst und übt regelmäßig leichten Druck auf den höchsten Punkt der Kielbrust aus. Damit wird die Kielbrust Schritt für Schritt „heruntergedrückt“. Außerdem wird der zumeist „runde“ Brustkorb der Kielbrustpatienten dabei flacher gedrückt, was ein physiologisches Verbreitern an den Seiten bewirkt. Der deutliche Vorteil an dieser Therapiemethode ist, dass die einzigen Risiken eine Hautirritation sowie leichte Schmerzen beim Tragen der Kompressionsorthese sind.

Ideales Alter für eine Korrektur: Der ideale Zeitpunkt für eine Korrektur der Kielbrust ist während der Pubertät. Denn in dieser Phase sind die Knochen des Brustkorbes noch flexibel und können durch Druck in die gewünschte Position gebracht werden. Je älter die Patienten sind, desto steifer ist in der Regel der Brustkorb. Da bei einer Kielbrust in der Regel keine körperlichen Beschwerden auftreten, und die Kompressionstherapie eine zuverlässige Mitarbeit der Patienten fordert, ist eine frühzeitigere Therapie unserer Meinung nach nicht sinnvoll. Häufig entwickelt sich eine Kielbrust auch erst während der Pubertät. Und in dieser Lebensphase kommt es dann auch häufig zu einer Einschränkung des sozialen Lebens durch Unzufriedenheit mit dem Erscheinungsbild des Brustkorbes. Viele Patienten vermeiden es, ins Schwimmbad zu gehen oder werden von Mitschülern gehänselt. Durch eine Korrektur kann dieser Entwicklung zumeist entgegen gewirkt werden und die Patienten fühlen sich in ihrem Körper wieder wohl [1; 6].

Erforderliche Untersuchungen vor der Therapie: Vor Beginn der Therapie sind in der Regel keine speziellen Untersuchungen erforderlich. Im Rahmen einer Vorstellung in unserer Sprechstunde wird manuell die Flexibilität des Brustkorbes getestet, durch vorsichtigen Druck mit dem Handballen auf die Kielbrust. Röntgen- oder sogar CT-Untersuchungen sind in der Regel nicht erforderlich. In unserer Klinik haben wir jedoch die Möglichkeit, mittels einem 3D-Scanner strahlenfrei die Oberfläche des Brustkorbes zu scannen und darzustellen. Außerdem ist es wichtig, sicherzustellen, dass der Patient/ die Patientin die Therapie nachdrücklich wünscht. Denn nur mit einer ausreichenden Bereitschaft zur aktiven Mitwirkung an der Therapie kann ein gutes Ergebnis erzielt werden, da die Kompressionsorthese vom Patienten selbst angelegt wird.

Therapieverlauf: Wir arbeiten sehr eng mit den Orthopädietechnikern von John & Bamberg GmbH & Co. KG zusammen (es besteht keine geschäftliche Verbindung zwischen dem Sanitätshaus und der MHH). Mit einem Rezept werden dort vor Ort die Maße für die individuellen Rumpforthesen genommen und dann die Orthese angefertigt. Dies kann einige Wochen in Anspruch nehmen. Zur Anpassung erfolgt erneut eine Vorstellung bei John und Bamberg GmbH & Co. KG. Die Kompressionsorthese wird dann täglich so lange wie möglich getragen (optimal 23 Stunden), nur zum Sport und zum Duschen sollte sie abgenommen werden. Der Brace  kann direkt auf der Haut oder über einem T-Shirt getragen werden, insgesamt kann die Orthese unter Kleidungsstücken häufig gut versteckt werden. Der Druck wird bei jedem Anlagen des Braces selbst eingestellt. Möglichst sollte ein solcher Druck eingestellt werden, dass man nach Abnahme eine leichte Hautrötung/ Abdruck sieht. Je länger die Orthese mit ausreichend Druck getragen wird, desto schneller wird man ein Abflachen der Kielbrust sehen. Erste Ergebnisse sind üblicherweise bereits nach einigen Wochen sichtbar. Bei konsequentem Tragen der Orthese kann ein schönes Ergebnis bereits nach ca. 6 - 9 Monaten erreicht werden. Das Ergebnis ist zum einen von der Steifigkeit des Brustkorbes bei Therapiebeginn abhängig, sowie zum anderen von der Mitarbeit der Patienten. Nach Erreichen des gewünschten Ergebnisses wird die Dauer der täglichen Kompressionsbehandlung schrittweise reduziert.

Vorteile der Kompressions-Methode: Die eindeutigen Vorteile dieser Methode sind, dass es sich um eine konservative Methode handelt und die Deformität ohne eine Operation korrigiert werden kann. Somit besteht kein Risiko operationsbedingter Komplikationen.

Mögliche Komplikationen und Risiken: Die einzigen Komplikationen, die bei dieser Korrektur-Methode auftreten können, sind eine Hautrötung oder –irritation sowie leichte Schmerzen beim Tragen der Orthese.

Rezidivrisiko nach Beendigung der Brace-Therapie: Sobald sich der Brustkorb in seiner Form gefestigt hat, ist ein Rezidiv (Wiederauftreten) eher unwahrscheinlich. Sollte es im weiteren Wachstum jedoch zu einem Rezidiv kommen, kann die Orthese erneut angelegt werden, und somit die (häufig geringer ausgeprägte) Kielbrust erneut korrigiert werden.

 

2) Minimalinvasive Kielbrustkorrektur nach Abramson: Die minimal-invasive Kielbrustkorrektur in Abramson-Technik (minimally-invasive repair of pectus carinatum, MIRPC) ist eine modifizierte Methode der minimalinvasiven Trichterbrustkorrektur (auch „reverse-Nuss“ genannt, also „umgekehrte Nuss-OP“) und wurde 2009 erstmals von Horacio Abramson publiziert [7 - 9]. Das Prinzip besteht aus einem speziell angepassten Metallbügel, der oberhalb des Brustbeins platziert wird, seitlich an Stabilisatoren fixiert wird und das Brustbein herunterdrückt, wodurch die Kielbrust sofort korrigiert wird. Dieser Bügel verbleibt bei normalem Verlauf für ca. 2 Jahre und muss dann in einem weiteren Eingriff in Narkose wieder operativ entfernt werden.

Da in der Kinderchirurgie die Kompressionstherapie mittels Brace mit gutem Erfolg angewendet werden kann und dabei die operationsbedingten Komplikationen vermieden werden können, ist die Brace-Therapie für uns die primäre Therapieoption. Nur bei ausbleibendem Erfolg würden wir eine operative Kielbrustkorrektur durchführen. Da wir die minimalinvasive Methode bei rigidem und schlecht reponierbarem Brustbein für keine gute Alternative halten, bieten wir diese Art der Korrektur auch aufgrund der möglichen Komplikationen nicht an.

 

3) Offene Korrekturmethode nach Ravitch: Wenn das Brustbein zu rigide, also zu steif ist, oder wenn die Korrekturform des Brustkorbes unter Kompression des Sternums nicht ausreichend gut erscheint, kann eine offene Operation der Kielbrust durchgeführt werden. Dies gilt auch für stark asymmetrische Formen oder Mischformen mit einer Trichterbrust. Diese Korrekturmethode erfolgt gemäß der Operation zur Korrektur einer Trichterbrust, die 1949 von Dr. Mark Ravitch entwickelt wurde [10]. Dabei werden über einen Hautschnitt im vorderen Brustkorbbereich die deformierten Rippenknorpel entfernt, das Brustbein ggf. durchtrennt und in die gewünschte Form gebracht. Auch bei dieser Korrekturmethode werden anschließend Metallimplantate zur Stabilisierung eingebracht, die nach ca. 6 Monaten über einen kleinen Eingriff wieder entfernt werden müssen [11].

Da in der Kinderchirurgie die Kompressionstherapie mit gutem Erfolg angewendet werden kann und dabei die operationsbedingten Komplikationen vermieden werden können, ist dies für uns die primäre Therapieoption. Nur bei ausbleibendem Erfolg oder in speziellen Fällen bieten wir auch eine operative Kielbrustkorrektur an.

 

Link: www.chestwall.org

Sie möchten ein Kind mit einer Kielbrust bei uns vorstellen:

 

Alle Patienten, bei denen ein operativer Eingriff vorgesehen ist, stellen sich in unserer Ambulanz vor.

Ein Termin für eine beratende Vorbesprechung kann unten genannten Telefonnummern vereinbart werden:

Anmeldung bzw. Anfragen

Telefon: +49 511 / 532 9043    

Fax: +49 511 / 532 8031

Email:  kinderchirurgie@mh-hannover.de

 

Ärztlicher Ansprechpartner sind hierfür:

Dr. Caroline Fortmann (Fachärztin für Kinderchirurgie)

D…

Service-Point

Zusätzlich erreichen Sie den „Service-Point Kinderchirurgie“

von Montag bis Donnerstag von 8:00 bis 16:00 Uhr
Freitag von 8:00 bis 14:00 Uhr
telefonisch: +49 176 / 1 532 6784

Zurück zum Leistungsspektrum