Forschung

Ein übergreifendes Thema in den verschiedenen Forschungsbereichen ist die Bedeutung der Blutgefäße bei der Entstehung akuter und chronischer Nierenerkrankungen. Sowohl bei der Pathogenese entzündlicher Nierenerkrankungen als auch beim akuten Nierenversagen werden inflammatorische Mechanismen am Endothel analysiert. Fragen der Endothelzelldifferenzierung, der akuten entzündlichen Reaktion und der chronischen endothelialen Dysfunktion spielen die Forschungen der Klinik eine wichtige Rolle. Da die Endothelzellfunktion durch benachbarte Zellen reguliert und durch die Struktur der Basalmembran beeinflusst wird, spielen auch Podozyten und glatte Gefäßmuskelzellen bzw. Perizyten eine wichtige Rolle in den Forschungen der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen. Mechanismen der endothelialen Funktionsstörung stehen in der Arbeitsgruppe Güler und der Arbeitsgruppe Haller im Vordergrund. Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Krankheitsbilder wie akutes Nierenversagen (Arbeitsgruppe Güler) und Diabetische Nephropathie bzw. Hypertonus (Arbeitsgruppe Haller) werden die Mechanismen der gestörten Gefäßfunktion analysiert, neue diagnostische Methoden und klinisch-experimentell, aber auch in klinischen Protokollen neue Therapiestrategien erprobt.

Die Funktion der Podozyten bei der Entstehung akuter und chronischer Gefäßerkrankungen steht in der Arbeitsgruppe Schiffer im Vordergrund. Ausgehend von den molekularen Befunden werden hier neue diagnostische Methoden zum Nachweis glomerulärer Schädigung sowie die Mechanismen der Proteinurie bei Nierenerkrankungen und nach Transplantation erforscht

Das tubuläre-System und seine Veränderungen insbesondere bei chronischen Nierenerkrankungen steht im Mittelpunkt der Untersuchungen der Arbeitsgruppe Schmitt. Zusammen mit Forschern der Kinderklinik der MHH werden die Mechanismen des Alterns der Niere insbesondere in transplantierten Organen untersucht.

Tubuläre Veränderungen sind auch Gegenstand der Arbeit der Arbeitsgruppe Blume.

Die Arbeitsgruppe Dumler untersucht die Rolle von Proteasen bei der Entstehung chronischer Gefäßerkrankungen. Insbesondere die zentrale Rolle des uPA-Systems wird hier analysiert und hat zu zahlreichen neuen Entdeckungen in den letzten Jahren geführt.

Unterstützt durch den integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum Transplantationsmedizin (IFB-Tx) hat die Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen in den letzten Jahren verschiedene Schwerpunkte in der Transplantationsforschung entwickelt. Akutes Nierenversagen und damit eng verknüpft Ischämiereperfusionsschaden wird in der Arbeitsgruppe Güler untersucht. Hier wird zurzeit eine der ersten klinischen Interventionsstudien mit neuen Substanzen durchgeführt. Die Arbeitsgruppe Einecke beschäftigt sich im Rahmen der Nierentransplantation mit der Etablierung neuer diagnostischer Methoden, insbesondere von Microarrays. Der Schwerpunkt der Arbeitsgruppe ist die chronisch-humoralen Mechanismen und insbesondere die Rolle der Gefäße. Neben der Erarbeitung diagnostischer Kriterien   für chronisch-humorale Abstoßungsreaktionen sollen hier neue Interventionsstudien vorgenommen werden. Dr. Lena Schiffer leitet eine Interventionsstudie  zur Therapie der akuten Abstoßungsreaktion mit Antikörpern gegen CD20 Zellen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Toleranzentstehung nach Transplantation. Das Gebiet der chronischen Transplantatabstoßung wird durch die Arbeitsgruppe Tx analysiert. Es werden hier Untersuchungen im Rahmen des großen Protokollbiopsieprogrammes der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen im Rahmen des IFB-Tx vorgenommen. Auch die Arbeitsgruppe Wagner untersucht Mechanismen der chronischen Transplantatabstoßung. Hier kommen jedoch insbesondere infektiologische Mechanismen in den Fokus. Der Zusammenhang zwischen viralen bzw. bakteriellen Infekten und der Fibrosierung von Organen stellt den Schwerpunkt der Untersuchungen der Arbeitsgruppe dar. Klinische Untersuchungen auf dem infektiologischen Gebiet nach Nierentransplantation werden von Frau Prof. Schwarz und ihren Mitarbeitern durchgeführt.

Ein wichtiges klinisches Forschungsprogramm wird von der Arbeitsgruppe Schiffer unternommen. Basierend auf ihren Untersuchungen  zu den molekularen Mechanismen der Proteinurie wird die Rolle der Proteinurie nach Transplantation anderer Organe untersucht. Basierend auf dem großen Transplantationsprogramm der MHH sollen hier mehr als 400 Transplantierte pro Jahr untersucht werden. Ebenfalls auf dem Gebiet der Prävention nach Transplantation sind die Untersuchungen von PD Dr. Menne und den Mitarbeitern der Arbeitsgruppe Haller angesiedelt. In Langzeituntersuchungen sollen hier die Faktoren der kardiovaskulären Mortalität analysiert werden.

Herr Dr. Hiss arbeitet mit seinen Mitarbeitern auf dem Gebiet der Peritonealdialyse. Neben den klinischen Untersuchungen zu chronischen Problemen der Peritonealdialyse ist ein neuartiges Tiermodell etabliert worden, mit dessen Hilfe die molekularen Mechanismen der chronischen Veränderungen des Peritoneums analysiert werden. Basierend auf diesen Untersuchungen werden neue interventionelle Studien zuerst im Tiermodell und dann am Patienten erprobt werden.

Im Rahmen des Studienzentrums Hypertonie der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen zusammen mit der Abteilung für klinische Pharmakologie (Prof. Jordan) werden Untersuchungen zur Gefäßfunktion bei Patienten mit Diabetes Mellitus und Hypertonie durchgeführt. Die zentrale Frage bei diesen Patienten ist die frühzeitige Erkennung und Therapie organbezogener Veränderungen bei Diabetes Mellitus und Hypertonie. Es werden vor allen Dingen für die endotheliale Funktionsstörung sowie frühzeitige Veränderung in der Gefäßwand neue Methoden eingesetzt, um Patienten zu klassifizieren. Unter der Leitung von PD Jan Menne werden inflammatorische und Marker von oxidativen Stress analysiert. Diese Arbeiten werden durch das Euopäische Exzellenznetzwerk InGenious HyperCare unterstützt.