Transplantationsforscher in Klinik und Labor

Zum Gedenken an den Immunologen Professor Dr. Kurt Wonigeit

Der Transplantationsimmunologe Professor Dr. Kurt Wonigeit. Copyright: privat/ACH/MHH

Sein Schaffen prägte die Transplantationsmedizin an der MHH und darüber hinaus: In mehr als 30 Jahren (1973 bis 2007) hat Professor Dr. Kurt Wonigeit die Transplantationsimmunologie als Fach mit nationaler und internationaler Reputation an der MHH etabliert und die Einführung von Immunsuppressiva in die Klinik begleitet. Im August 2019 ist er im Alter von 77 Jahren in Hannover gestorben. Im Zentrum seines Schaffens stand die Transplantationsforschung – zum Erkenntnisgewinn und zum Wohle der Patienten.

Kurt Wonigeit wurde am 21. März 1942 in Königsberg geboren. Nach dem Medizinstudium an der LMU München war er bereits von 1969 bis 1970 als Medizinalassistent an der MHH. In seiner Dissertation an der LMU unter Betreuung von Professor Dr. Rudolf Pichlmayr beschäftigte er sich  mit den Auswirkungen von Antilymphozyten-Seren auf das Immunsystem. Zur Vertiefung ging er mit einem DFG-Stipendium an das Max-Planck-Institut für Immunbiologie nach Freiburg und anschließend an das Department of Pathology der University of Utah, Salt Lake City.

1973 begann seine Tätigkeit bei Professor Pichlmayr an der MHH. Wonigeits Arbeitsgruppe für Transplantationsimmunologie wurde als „Transplantationslabor“ die  zentrale Forschungseinheit und wissenschaftlichen Ausbildungsstätte der Klinik. 2001 nahm Kurt Wonigeit den Ruf auf die „Rudolf Pichlmayr-Stiftungsprofessur für Transplantationsmedizin“ an der MHH an.

Kurt Wonigeit war fest davon überzeugt, dass nur die Verzahnung von klinischer und grundlagenorientierter Forschung die Transplantationsmedizin voranbringen könne. Sein Transplantationslabor war stets ein Ort der engen Zusammenarbeit von Medizinern und Naturwissenschaftlern. Durch leidenschaftliches Engagement gelang es ihm, sowohl den chirurgischen Nachwuchs als auch junge Naturwissenschaftler zu begeistern. Er war ein engagierter Lehrer, unter dessen Betreuung etliche medizinische und naturwissenschaftliche Dissertationen entstanden sind. Im Transplantationslabor herrschte eine offene, angenehme und von wissenschaftlichem Austausch geprägte Atmosphäre, in der man gerne mitarbeitete.

Kurt Wonigeit hatte ein breites Spektrum an Forschungsinteressen. In enger Zusammenarbeit mit der Klinik war er an der Einführung von Immunsuppressiva  beteiligt wie etwa Ciclosporin A, FK506 und Rapamycin. Es war ihm ein Anliegen, mit genauen Messverfahren ein sicheres Medikamenten-Monitoring beim Patienten zu gewährleisten.

Wesentlicher Schwerpunkt seiner Grundlagen-Transplantationsforschung war neben Arbeiten zur Immunregulation und zur Xenotransplantation die experimentelle Immungenetik. Er etablierte genetisch definierte Rattenmodelle und konnte die Rolle bestimmter MHC-Gene und NK-Zellrezeptoren bei der Transplantatabstoßung oder der Entwicklung von Toleranz aufklären.

Kurt Wonigeit gehörte zu den treibenden Kräften bei der Etablierung eines Sonderforschungsbereichs mit Transplantationsschwerpunkt an der MHH. Aufgrund seiner vielfältigen Verdienste war er Ehrenmitglied der Deutschen Transplantationsgesellschaft.

Seine Kollegen und Mitarbeiter werden Kurt Wonigeit als allseits geschätzten Menschen, kompetenten Lehrer und stetigen Förderer in Erinnerung behalten. Wir werden ihm ein würdiges Andenken bewahren.

Professor Dr. Jürgen Klempnauer und Professor Dr. Reinhard Schwinzer

Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie und Transplantationslabor