MHH und Landesgesundheitsamt sind an internationalem Projekt PREPAIR-VAC zur Entwicklung und Anpassung von Impfstoffen beteiligt.
In der MHH (von links): Prof. Dr. Dr. Sabine Salloch, Direktorin des MHH-Instituts für Ethik, Geschichte und Philosophie der Medizin, NLGA-Präsident Dr. Fabian Feil, MHH-Präsidentin Prof. Dr. Denise Hilfiker-Kleiner, Dr. Richard Egelkamp, Leiter des Bereichs Next Generation Sequencing am NLGA, Prof. Dr. Dr. Ricarda Schmithausen, Leiterin der Abteilung 3 Hygiene und Umweltmedizin des NLGA. Copyright: Niedersächsisches Landesgesundheitsamt
Neu auftretende Krankheitserreger können sich oft schneller verbreiten, als wirksame Impfstoffe entwickelt werden können. Das europäische Forschungsprojekt PREPAIR-VAC verfolgt deshalb das Ziel, den Zeitraum zwischen dem Auftreten neuer Virusvarianten und der Entwicklung eines geeigneten Impfstoffs deutlich zu verkürzen. Dafür soll eine schnelle, KI-gestützte Entwicklungsplattform dienen, die zentrale Schritte der Impfstoffentwicklung unterstützt – von der Vorhersage der Virusevolution bis zur Herstellung des Impfstoffs. So können auch bei bekannten Erregern wie Influenza Impfstoffe schneller an neue Virusvarianten angepasst werden. Denn derzeit beansprucht dieser Prozess mehrere Monate – Zeit, in der die Viren weiter mutieren und die Wirksamkeit von Impfungen reduzieren können.
Mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und dem Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLGA) sind zwei niedersächsische Institutionen Teil des internationalen Konsortiums. Das Projekt wird im Forschungs- und Innovationsprogramm „Horizon Europe“ der Europäischen Union gefördert – einem der renommiertesten Forschungsprogramme zur Förderung exzellenter Forschung und internationaler Zusammenarbeit. Von dem Gesamtfördervolumen von 6,57 Millionen Euro fließen rund zehn Prozent (650.000 Euro) nach Hannover. Das Projekt endet im August 2030.
Das Ziel: Konkrete Handlungsempfehlungen
Prof. Dr. Dr. Sabine Salloch, Direktorin des Instituts für Ethik, Geschichte und Philosophie der Medizin der MHH, untersucht ethische, rechtliche und gesellschaftliche Fragestellungen rund um den Einsatz KI-gestützter Impfstofftechnologien gemeinsam mit dem NLGA. Das NLGA bringt seine Expertise an der Schnittstelle von Public Health und Genomik in das Projekt ein: Zu den Aufgaben des NLGA gehört die Erstellung einer Influenza-Sequenzdatenbank mit Informationen zum Erbgut Hunderttausender Viren als Grundlage für das KI-Training. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Handlungsempfehlungen für den öffentlichen Gesundheitsdienst und die Gesundheitspolitik zu überführen.
„Die MHH und das NLGA haben mit der gemeinsamen Antragsstellung im EU-Projekt PREPAIR-VAC ein Vorbild für zukünftige Kooperationen gesetzt, die die Grenzen zwischen Forschung, Lehre und Gesundheitsversorgung überwinden und so die Gesundheit der Gesellschaft nachhaltig verbessern und medizinische Spitzenforschung fördern“, sagt MHH-Präsidentin Prof. Dr. Denise Hilfiker-Kleiner.
„Pandemien machen nicht an Landesgrenzen halt. Deshalb brauchen wir internationale Forschung und starke Partnerschaften. In der Corona-Pandemie haben wirksame Impfstoffe einen Wendepunkt eingeleitet, der weltweit etliche Leben gerettet hat. In dieser Entwicklung schneller zu werden, ist in künftigen infektiologischen Notlagen essenziell. Wir freuen uns deshalb, bei PREPAIR-VAC unsere Public-Health-Expertise in ein europäisches Spitzenprojekt einzubringen und wissenschaftliche Innovationen so mitzugestalten, dass sie möglichst schnell und verantwortungsvoll den Menschen zugutekommt. Am Ende zahlt das auf unser übergeordnetes Ziel ein – den gesundheitlichen Schutz der Bevölkerung nachhaltig zu stärken“, sagt NLGA-Präsident Dr. Fabian Feil.
PREPAIR-VAC
PREPAIR-VAC steht für “PREParedness using Artificial Intelligence for Rapid VACcine design”. Es vereint führende Partner aus den Bereichen KI, Impfstoffentwicklung, öffentliche Gesundheit und Biotechnologie. Es wird von der European Vaccine Initiative (Deutschland) koordiniert, wodurch Deutschlands Beitrag zum Projekt weiter gestärkt wird. PREPAIR-VAC vereint führende Partner aus den Bereichen KI, Impfstoffentwicklung, öffentliche Gesundheit und Biotechnologie. Neben der MHH und dem NLGA arbeiten folgende Institutionen an dem Projekt mit: Croda Denmark A/S (Dänemark), European Vaccine Initiative (Deutschland), NEC Bio Therapeutics GmbH (Deutschland), NEC OncoImmunity AS (Norwegen), NEVEZYNE SAS (Frankreich), Université Jean Monnet – Saint‑Étienne (Frankreich) und Uppsala universitet (Schweden).
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Text: Stabsstelle Kommunikation