Laufende Dissertationen

Institut für Geschichte, Ethik und Philosophie der Medizin

 

Promovend

Deniz Andre Sahal

 

Arbeitstitel der Dissertation

Untersuchung traumatisierter Patienten in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg anhand von Patientenakten der Landesheil- und Pflegeanstalt Wunstorf

 

Abstract

Über die Medizin im Nationalsozialismus, die Auswirkungen der Haft in Konzentrationslagern für die überlebenden Insassen, medizinische Versuche und deren Folgen sind in den letzten Jahren viel erforscht worden.

Die Arbeit der Psychiater, die nach dem Krieg in Wunstorf tätig waren, bestand vor 1945 auch darin, rassenhygienische Maßnahmen umzusetzen. Einige von ihnen waren nachweislich an der Ermordung von Patienten beteiligt. Deshalb werden die Biographien der zu dieser Zeit in der Klinik tätigen Ärzte genauer betrachtet und überlegt werden, ob ihre Vergangenheit einen Einfluss auf die Diagnosestellung hatte.

Nach Kriegsende wurden sie mit nun Menschen konfrontiert, die ausgebombt waren, nahe Angehörige und ihr Hab und Gut verloren hatten. Frauen, die aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten geflüchtet waren, litten häufig an den Folgen sexueller Gewalt. Es soll in dieser Arbeit untersucht werden, wie die Ärzte in der Psychiatrie nach Kriegsende in ihren Akten über solche traumatisierten Patienten schrieben. Der Begriff des Psychotraumas wurde erst wesentlich später als ärztliche Diagnose anerkannt. Welche Diagnosen wurden also den vermutlich traumatisierten Menschen gegeben, welche Mittel standen zur Behandlung zur Verfügung und wurden angewandt?

In gewissem Maße lassen die in den Akten protokollierten Erzählungen der Patienten einen Aufschluß darüber zu, wie die Gewalterfahrungen von der Bevölkerung verarbeitet wurden. Durch die systematische Sichtung aller überlieferten Akten der Jahre 1945-1952 von Patienten der Geburtsjahrgänge 1903-1928 kann eine Aussage darüber getroffen, Patienten welchen Geschlechts und mit welchen Symptomen stationär in die Psychiatrie eingewiesen wurden.