Laufende Dissertationen

Institut für Geschichte, Ethik und Philosophie der Medizin

 

Promovendin

Jelena Isirinovic

 

Arbeitstitel der Dissertation

Die Entstehungsgeschichte der zahnärztlichen Forensik

 

Abstract

Gegenstand der Promotion ist eine medizinhistorische Beschreibung von der Entstehung der zahnärztlichen Forensik  bis hin zu ihrer Institutionalisierung und Etablierung in Deutschland. Die Forensik ist ein umfangreiches wissenschaftliches und technisches Gebiet, die der Untersuchung von kriminellen Handlungen und Aufklärung von Todesursachen dient. Der Begriff Forensik hat seinen Ursprung aus dem antiken Rom. Er leitet sich aus dem lateinischen Wort forum (Marktplatz) ab, da damals alle Gerichtsverhandlungen, Verhöre und Untersuchungen und auf dem Marktplatz vollzogen.

Die Forensische Zahnheilkunde ist ein Teilgebiet der Forensik und dient der Identifizierung von Leichen anhand der Untersuchung ihrer Zähne, Kiefer und Gebisszustände ante und post mortem. Schon im Mittelalter wurden Identifikationen anhand von Gebissen durchgeführt. Ihren Anfang nahm die zahnärztliche Forensik durch einen tragischen Brand auf dem Bazar de la Charité in Paris am 04. Mai 1897, bei dem 129 Menschen ihren Tod fanden. Der Gründervater der forensischen Zahnheilkunde, Oscar Amoёdo y Valdes aus Kuba stammend, war zwar nicht selbst an der Identifikation der Leichen beteiligt, befragte jedoch die beteiligten Personen und veröffentlichte seine Ergebnisse in seinem Handbuch „L’Art Dentaire de Medicine Legale“ und avancierte damit zum Pionier auf diesem Gebiet. Die Forensische Odonto-Stomatologie kommt bei Opfern von Natur-, Brand-, Flugzeug-, Schiffs-, Zug- und Verkehrskatastrophen sowie bei Verbrechen zur Anwendung. Darüber hinaus beschäftigt sie sich mit der Untersuchung und Zuordnung von Bissspuren, Geschlechtsbestimmung, Altersdiagnostik, Bewertung von Misshandlungen im Mund-, Kiefer- Gesichtsbereich und im geringen Ansatz mit der Aufklärung von Behandlungsfehlern. Die forensische Kriminaltechnik ist in Deutschland in den Bundeskriminalämtern bzw. den Landeskriminalämter intern integriert. Seit 1976 beschäftigt sich der Arbeitskreis für Forensische Odonto-Stomatologie (AKFOS) der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde und die Deutsche Gesellschaft für Rechtsmedizin mit der forensischen Odontologie. Besonders hervorzuheben ist hier Werner Hahn (1912–2011), ehemaliger Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universität Kiel und damaliges Vorstandsmitglied der DGZMK. Er gründete im Jahre 1976 den Interdisziplinären Arbeitskreis AKFOS und setzte sich von Beginn an auch für die Weiterbildung zum „Fachzahnarzt für Forensische Odonto-Stomatologie“ ein, jedoch ohne Erfolg.

Der Blick in die medizinische Fortschrittsgeschichte der zahnärztlichen Forensik erweist sich als charakteristischer Aspekt für die Neuzeit. Die speziellen Methoden und Techniken der forensischen Zahnheilkunde ermöglichen sogar in den schwersten Fällen, eine Untersuchung und Aufklärung von Kriminalfällen. Somit etabliert sich die zahnärztliche Forensik zu einem unabdingbaren Teilgebiet in der Forensik.