Laufende Dissertationen

Institut für Geschichte, Ethik und Philosophie der Medizin

 

Promovendin

Katharina Urfa

 

Arbeitstitel der Dissertation

Gynäkologie im Spiegel medizinischer Wochenschriften. Eine Untersuchung der Forschung von Stieve, Mayer und Seitz im Nationalsozialismus

 

Abstract

Ein zentraler Punkt der nationalsozialistischen Ideologie bestand in dem Plan, das deutsche Volk und die arische Rasse zu stärken und auszubreiten. Die Verschleppung und systematische Ermordung der der Juden war nur ein Teil des perfiden Planes. Auf der anderen Seite wurde die medizinische Forschung in diesem Bereich vorangetrieben und nicht selten auch tödliche Experimente an KZ-Häftlingen oder Untersuchungen an Ermordeten oder Hingerichteten durchgeführt.

Medizinische Zeitschriften sind seit ihrer Entstehung wichtige Medien zur ärztlichen Kommunikation. Als Medizinische Fachzeitschriften helfen sie dem Wissensaustausch innerhalb einer Fachabteilung, als Medizinische Wochenschriften auch interdisziplinär. Sie dienen aber nicht nur zur Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern bilden auch eine wichtige Kontrollinstanz zur Erhaltung sauberer und ethisch einwandfreier Forschung. Nicht nur das Hinterfragen der Inhalte, sondern auch des Versuchsaufbaus und insbesondere die Auswahl der Probanden oder Forschungsobjekte gehört zu den Aufgaben der Verleger, aber auch der Leserschaft.

Auch während der Herrschaft des Nationalsozialismus wurde der Wissensaustausch über medizinische Zeitschriften aufrechterhalten. Fraglich ist jedoch, ob sie in dieser Zeit ihrer Kontrollfunktion auch nachkamen, oder ebenfalls in die Mühlen der menschenverachtenden Forschungsbestrebungen des NS-Regimes gerieten und ethische Bedenken im Umgang mit Arbeiten an KZ-Häftlingen oder Strafgefangenen unausgesprochen blieben.

Diese Arbeit beschäftigt sich besonders mit der Frage, ob die drei Gynäkologen Hermann Stieve, August Mayer und Ludwig Seitz in ihren Veröffentlichungen in den großen Medizinischen Wochenschriften, der Deutschen Medizinischen Wochenschrift und Münchner Medizinischen Wochenschrift, offen über ihre Forschungen an Frauen schrieben, die dem faschistischen Regime zum Opfer fielen, um mit ihren Erkenntnissen nicht nur die medizinische Forschung voran zu bringen, sondern auch die Stärkung des deutschen „Volkskörpers“ voranzutreiben.

Die Verantwortlichen der Gräueltaten des NS-Regimes mussten sich im Rahmen der Nürnberger Prozesse verantworten. Im Rahmen dieser Verhandlungen entstanden der Nürnberger Codex, der als die Grundlage der später erarbeiteten Deklaration von Helsinki gilt, in der international anerkannte Regeln und Verantwortlichkeiten festgelegt sind, die heute eine ethisch saubere Arbeit mit Menschen als Probanden sicherstellen sollen.