Laufende Dissertationen

Institut für Geschichte, Ethik und Philosophie der Medizin

 

Promovendin

Sabrina Ertmer

 

Arbeitstitel der Dissertation

Gerhard Kloos – Biographie eines Psychiaters zwischen Krankenmord und Kriegsbeschädigtenversorgung

 

Abstract

Gerhard Kloos (1906-1988) war ein Neurologe und Psychiater. Nach seiner Promotion arbeitete er als Assistenzarzt bei Oswald Bumke in München und habilitierte sich bei Kurt Beringer in Freiburg, dessen Oberarzt er an der Universitätsnervenklinik war. In den späten 1930er Jahren wurde er Leiter der Thüringischen Landesheilanstalt Stadtroda bei Jena. Zu dieser Zeit bestanden gute Kontakte u.a. zur Kinderklinik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Prof. Jussuf Ibrahim. Kloos ließ geistig behinderte Kinder und Erwachsene ermorden. Trotz seiner Beteiligung an der Euthanasie galt er als angesehener Wissenschaftler und Arzt. In der Zeit nach 1945 war er in Kiel, Freiburg, Bad Pyrmont und schließlich in Göttingen als Neurologe und Psychiater tätig, u.a. als Direktor des Landeskrankenhauses in Göttingen. Es fällt auf, dass sich Kloos in den 1950er Jahren sehr um die Versorgung von hirnverletzten Kriegversehrten und das Versorgungskrankenhaus in Bad Pyrmont bemühte und einschlägig zu Hirnverletzungen forschte. Gleichzeitig unterstützte er den Euthanasie-Gutachter Hans Hefelmann, als dieser nach der Rückkehr aus dem südamerikanischen Exil in München angeklagt wurde. Kloos bescheinigte Hefelmann in einem psychiatrischen Gutachten gesundheitliche Prozessunfähigkeit.

Die Arbeit soll einen Überblick über das gesamte Leben von Gerhard Kloos geben und sich ausdrücklich nicht auf die Zeit des Nationalsozialismus beschränken. Besonderes Augenmerk soll auf die Frage der einzelnen Stationen seiner akademischen Karriere und die universitären Netzwerke gelegt werden, denen er angehörte. Wer hat Gerhard Kloos ausgebildet und somit seine Persönlichkeit als Arzt geprägt? Gab es Unterstützer und Förderer seiner Person? Wie wurde er Leiter in Stadtroda? Was geschah nach Kriegsende um 1945 als Kloos von Jena nach Kiel ging? Gab es Netzwerke, an die nach 1945 angeknüpft werden konnte?

Um diese Fragen zu beantworten,werden u.a. Dissertations- und Habilitationsakten in den Universitätsarchiven Hamburg, Freiburg und Jena sowie Kloos‘ umfangreiche Publikationen recherchiert. Ebenso werden Personalakten, ausgewählte Patientenakten aus Stadtroda in den Hauptstaatsarchiven Weimar, Rudolstadt und Hannover sowie Akten der Kriegsbeschädigtenversorgung untersucht.