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Lipidologie DGFL
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Ihr Kind hat einen erhöhten Lipoprotein(a)-Wert?
Ein erhöhter Lipoprotein(a)-Wert, kurz Lp(a), ist fast immer erblich bedingt. Er verursacht im Kindesalter keinerlei Beschwerden, kann im weitern Verlauf des Lebens aber zu gesundheitlichen Problemen führen. Zu den Langzeitfolgen gehören Entzündungen in den Gefäßwänden, was wiederum die Entstehung von Arteriosklerose begünstigt. Mehrere klinische Studien deuten zudem daraufhin, dass Kinder mit einem erhöhten Lipoprotein(a)-Wert als Erwachsene ein doppelt so hohes Risiko für koronare Herzkrankheiten haben.
Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, bereits im Kindesalter abzuklären, inwieweit ein erhöhter Lipoprotein(a)-Wer bei ihren Kind beobachtet oder behandelt werden muss.
Auf dieser Seite erklären wir Ihnen daher, ab wann der Lp(a)-Wert als erhöht gilt, welche Therapiemöglichkeiten es im Kindesalter gibt und wann eine Untersuchung von Geschwistern und Eltern sinnvoll ist.
Wenn das eigene Kind erhöhte Lipoprotein(a)-Werte diagnostiziert bekommt, sind Eltern oft verunsichert. Die häufigsten Sprechstunden-Fragen möchten wir Ihnen daher gleich hier beantworten.
Lipoprotein(a), abgekürzt Lp(a), ist ein Transportpartikel für Fette im Blut. Es ähnelt dem LDL-Cholesterin, trägt aber ein zusätzliches Eiweiß, das Apolipoprotein(a). Dieses Eiweiß kann sich in der Gefäßwand ablagern, Entzündungsprozesse fördern und die Blutgerinnung beeinflussen. Deshalb gilt ein hoher Lp(a)-Wert als eigenständiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, unabhängig vom LDL-Cholesterin.
Wie hoch der Wert ausfällt, ist zu achtzig bis neunzig Prozent genetisch festgelegt. Ernährung, Bewegung und Körpergewicht verändern ihn kaum. Nach den ersten Lebensjahren erreicht Lp(a) sein individuelles Niveau und bleibt bei den meisten Kindern über die Zeit weitgehend stabil, sodass die Zuordnung zu einer Risikogruppe in der Regel bestehen bleibt. Einzelne Messungen können dennoch schwanken, etwa bei Infekten oder nach einem Wechsel des Labors. Ob eine erneute Bestimmung sinnvoll ist, entscheiden wir daher im Einzelfall.
Die Einteilung orientiert sich am kardiovaskulären Risiko im späteren Leben.
Etwa jeder fünfte Mensch liegt über der Grenze von 75 nmol/l. Ein erhöhtes Lp(a) ist damit häufig und für sich genommen keine Krankheit.
Viele Eltern kommen mit einer konkreten Zahl zu uns und möchten wissen, wie schlimm gerade dieser Wert ist. Die Höhe allein beantwortet das nicht. Ein Wert von 200 nmol/l bei einem Kind mit normalem LDL-Cholesterin, ohne familiäre Häufung früher Herzinfarkte und ohne weitere Risikofaktoren bedeutet etwas anderes als derselbe Wert bei einem Kind mit familiärer Hypercholesterinämie. Wir beurteilen den Wert deshalb immer im Zusammenhang mit dem übrigen Lipidprofil, der Familiengeschichte und den weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren.
Bei Kindern aus Familien mit früher Herz-Kreislauf-Erkrankung oder bekannter Fettstoffwechselstörung ist eine Bestimmung ab XXXXXXXXXX sinnvoll, meist gemeinsam mit dem übrigen Fettprofil. Ob eine erneute Bestimmung sinnvoll ist, hängt vom Verlauf und von der familiären Situation ab und wird individuell entschieden.
mg/dl steht für Milligramm pro Deziliter, nmol/l steht für Nanomol pro Liter. Beide Maßangaben beschreiben die Konzentration von Lipoprotein(a) im Blut. Milligramm pro Deziliter beschreibt eine Massenkonzentration, Nanomol pro Liter eine Partikelkonzentration.
Die beiden Angaben lassen sich nicht über einen festen Faktor ineinander umrechnen, weil das Apolipoprotein(a) je nach Erbanlage unterschiedlich groß ist und ein Partikel deshalb unterschiedlich viel wiegt. Umrechnungsformeln aus dem Internet führen daher regelmäßig in die Irre.
Aus demselben Grund sind Werte aus verschiedenen Laboren nur eingeschränkt vergleichbar. Bringen Sie den Original-Befund zum Termin in unserer Lipidambulanz mit, damit wir Einheit und Messverfahren erkennen können.
Am häufigsten im Rahmen einer Familienuntersuchung. Wenn ein Elternteil oder Großelternteil früh einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hat, wird bei den Kindern nach erblichen Ursachen gesucht. Ebenso wird Lp(a) mitbestimmt, wenn eine Fettstoffwechselstörung wie die familiäre Hypercholesterinämie abgeklärt wird, oder wenn bei einem Elternteil bereits ein hoher Lp(a)-Wert bekannt ist.
Die Bestimmung erfordert eine einfache Blutentnahme. Ihr Kind muss dafür nicht nüchtern sein, da der Wert von der letzten Mahlzeit praktisch nicht beeinflusst wird.
Im Kindes- und Jugendalter entstehen aus einem erhöhten Lp(a) keine Beschwerden und keine messbaren Gefäßschäden. Ihr Kind ist nicht krank, und im Alltag ändert sich nichts. Das Risiko betrifft das spätere Erwachsenenalter: Herzinfarkt, Schlaganfall und Verengungen der Aortenklappe treten bei lebenslang hohen Werten häufiger und früher auf.
Wie stark dieses Risiko im Einzelfall ausfällt, hängt vom Zusammenspiel mit den übrigen Risikofaktoren ab. Ein hoher Lp(a)-Wert bei einem Kind, das nicht raucht, sich bewegt und ein normales LDL-Cholesterin hat, wiegt deutlich weniger schwer als derselbe Wert in Kombination mit Rauchen, Übergewicht und einer familiären Hypercholesterinämie. Genau diese Einordnung nehmen wir in der Sprechstunde vor.
Durch Ernährung, Sport oder Gewichtsabnahme lässt sich Lp(a) nicht wesentlich beeinflussen. Auch Nahrungsergänzungsmittel senken den Wert nicht. Wer im Internet auf entsprechende Versprechen stößt, sollte skeptisch bleiben.
Das bedeutet nicht, dass sich nichts tun lässt. Beeinflussbar ist das Gesamtrisiko, und dafür zählt jeder andere Faktor umso mehr: ein LDL-Cholesterin im Zielbereich, normaler Blutdruck, Normalgewicht, regelmäßige Bewegung und vor allem ein Aufwachsen ohne Zigaretten. Bei einem Kind mit hohem Lp(a) ist Nichtrauchen keine allgemeine Empfehlung, sondern die wirksamste einzelne Maßnahme überhaupt.
Nein, Lp(a) reagiert kaum auf Ernährung, Sport oder Gewichtsabnahme. Beeinflussbar sind die übrigen Risikofaktoren, und die zählen bei erhöhtem Lp(a) besonders.
Ein Medikament, das Lp(a) gezielt senkt, ist für Kinder und Jugendliche nicht zugelassen. Statine senken Lp(a) nicht; sie kommen im Kindesalter nur dann infrage, wenn zusätzlich eine behandlungsbedürftige LDL-Erhöhung vorliegt, etwa bei familiärer Hypercholesterinämie.
Die Lipoproteinapherese, eine der Dialyse ähnliche Blutwäsche, kann Lp(a) vorübergehend deutlich senken. Sie bleibt sehr seltenen Einzelfällen mit fortgeschrittener Gefäßerkrankung vorbehalten und spielt im Kindesalter praktisch keine Rolle.
Mehrere neue Wirkstoffe, die Lp(a) um bis zu neunzig Prozent senken, werden derzeit bei Erwachsenen in großen Studien geprüft. Ob und wann sie für Kinder verfügbar sein werden, ist offen. Für Ihr Kind heißt das: Der Wert ist bekannt, das Risiko ist eingeordnet, und die Behandlung richtet sich auf alles, was sich heute beeinflussen lässt.
Ja, uneingeschränkt. Schulsport, Vereinssport und Wettkampf sind erlaubt und ausdrücklich erwünscht. Ein erhöhter Lp(a)-Wert begründet weder eine Sportbefreiung noch besondere Vorsichtsmaßnahmen. Bewegung gehört zu den wenigen Faktoren, die das Gesamtrisiko nachweislich senken.
Lp(a) wird autosomal-dominant vererbt. Hat ein Elternteil einen stark erhöhten Wert, liegt die Wahrscheinlichkeit für jedes leibliche Kind bei etwa fünfzig Prozent, ebenfalls betroffen zu sein. Wenn bei Ihrem Kind ein hoher Wert gefunden wurde, ist meist ein Elternteil ebenfalls betroffen, häufig ohne davon zu wissen.
Wir empfehlen deshalb, den Wert bei Geschwistern und bei beiden Elternteilen bestimmen zu lassen. Für Erwachsene genügt dafür in der Regel eine einmalige Messung beim Hausarzt.
In der MHH-Lipidambulanz für Kinder und Jugendliche beraten wir Familien mit erhöhtem Lipoprotein(a)-Wert und ordnen den Befund ein. Familien, die bei uns betreut werden, können zusätzlich an einer klinischen Studie zur Verbesserung der Behandlungsoptionen teilnehmen.
Beim ersten Termin erheben wir die Familiengeschichte über mindestens drei Generationen, bestimmen das vollständige Fettprofil einschließlich LDL-Cholesterin und Apolipoprotein B und erfassen die weiteren Risikofaktoren. Aus diesen Angaben ordnen wir den Lp(a)-Wert in ein Gesamtbild ein und besprechen mit Ihnen und Ihrem Kind, was daraus folgt.
Sie erhalten eine schriftliche Einschätzung für Ihre Unterlagen und für die weiterbetreuende Praxis, dazu Empfehlungen zur Untersuchung von Geschwistern und Eltern. Nach etwa einem Jahr sehen wir uns zur Verlaufskontrolle wieder. Für den Termin benötigen Sie eine Überweisung.
In unserer Lipidambulanz an der MHH betreuen wir Kinder und Jugendliche mit Fettstoffwechselstörungen, familiärer Hypercholesterinämie und erhöhtem Lipoprotein(a). Wir sind die einzige speziell für Kinder eingerichtete Lipidambulanz mit Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen (DGFL). Familien kommen aus Hannover, aus dem gesamten Umland und aus angrenzenden Bundesländern zu uns.
Nein. Lp(a) wird von der letzten Mahlzeit praktisch nicht beeinflusst. Für die gleichzeitige Bestimmung der übrigen Blutfette bitten wir dennoch um [Angabe zur Nüchternheit].
Die Antwort zu dieser Frage wird gerade überarbeitet. Bitte schauen Sie zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal vorbei!
Sie ereichen uns zu folgenden Kontakt- und Sprechzeiten. Wir bitten Sie herzlich, Ihre Terminanfrage per E-Mail an uns zu richten.
In dringenden Fällen sind wir während der Sprechzeiten auch telefonisch für Sie erreichbar:
Standort unserer Ambulanz
Ein erhöhter Lp(a)-Wert wirft Fragen auf, die weit über das Labor hinausgehen. Wir möchten wissen, wie Sie und Ihr Kind mit dem Befund umgehen, was belastet und welche Unterstützung fehlt. Unsere Studie begleitet die Betreuung in der Lipidambulanz über ein Jahr.
Nein. Die Studie ist an die Betreuung in unserer Ambulanz gebunden, weil die ausführliche Risikoevaluation zum Ablauf gehört. Der Weg führt daher über einen Vorstellungstermin.
Nein. Beratung, Blutentnahme und Verlaufskontrolle gehören zur regulären Betreuung. Hinzu kommen ausschließlich die Fragebögen.
Die Daten werden pseudonymisiert ausgewertet und getrennt von der Krankenakte gespeichert. Eltern sehen die Antworten ihres Kindes nicht, und das Kind sieht die der Eltern nicht.
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Nein. Die medizinische Betreuung läuft unabhängig von der Studie unverändert weiter.
Diese Studieninformationen wurden von Dr. med. Christian Menke verfasst. Dr. Menke ist Autor dieser Studie. Er arbeitet als Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin an der MHH, ist DGFL-zertifizierter Lipidologe, und leitet die Lipidambulanz für Kinder und Jugendliche.
Ethikvotum Nr. [Nummer] · DRKS-Registrierung [Nummer]