Aus der MHH

Nachhaltigkeitsstrategie für das deutsche Gesundheitswesen

Neue Initiative fordert eine Nachhaltigkeitsstrategie, um Klimaschutz, Ressourceneffizienz und zukunftsfähige Versorgung zu stärken.

Nachhaltige Medizinprodukte und recycelbare Verpackungen neben medizinischen Einwegmaterialien, ergänzt durch ein Pflänzchen und ein Recycling-Symbol als Zeichen für Ressourcenschonung und Umweltschutz im Gesundheitswesen.

Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen ist mehr als Ressourcenschonung. Sie ist eine zentrale Voraussetzung für eine zukunftsfähige und resiliente Versorgung. Copyright: Karin Kaiser/MHH/KI-generiert

Das deutsche Gesundheitssystem steht vor einer doppelten Herausforderung: Die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels nehmen zu – etwa durch Hitzebelastungen, Extremwetterereignisse und die Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Gleichzeitig trägt das Gesundheitswesen mit seinem eigenen Ressourcenverbrauch und Treibhausgasemissionen selbst erheblich zur Umweltbelastung bei.

Um diesen Herausforderungen wirksam zu begegnen, braucht es eine übergreifende Strategie. Zwar gibt es bereits zahlreiche Initiativen für mehr Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen, doch fehlt bislang ein gemeinsamer strategischer Rahmen, der die Ansätze bündelt und weiterentwickelt, um die Wirkung zu sichern. Hier setzt die Initiative „Eckpunktepapier zur Nachhaltigkeitsstrategie für das deutsche Gesundheitswesen“ an.

Zu den Erstunterzeichnern der Initiative zählen neben der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) 64 weitere Organisationen aus nachhaltiger Wirtschaft und Industrie, dem Krankenkassenbereich sowie Forschung und Wissenschaft. Der BKK Dachverband, die Bundesärztekammer, der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie und das Centre for Planetary Health Policy stellten das Eckpunktepapier im Juni 2026 erstmals der Öffentlichkeit vor.

Nachhaltigkeit als Grundlage für zukunftsfähige Versorgung

Das Eckpunktepapier ist das Ergebnis eines langfristig angelegten Dialogprozesses, in dem MHH-Vizepräsident Prof. Dr. Frank Lammert mitgewirkt hat: „Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen ist eine zentrale Voraussetzung für eine zukunftsfähige und resiliente Versorgung. Das Ziel unserer Initiative ist es, Gesundheit, Chancengleichheit und Lebensqualität zu stärken und gleichzeitig die Umwelt zu schonen und Kosten zu senken.“

Das Eckpunktepapier schafft einen strategischen Rahmen und benennt konkrete Handlungsfelder und Maßnahmen. Dazu gehören gezielte Prävention, wohnortnahe Versorgung, Telehealth-Netzwerke, die nachhaltige bauliche Gestaltung und Digitalisierung der Kliniken, emissionsarmer Transport sowie die Reduzierung der Umweltbelastung durch Arzneimittel und Medizinprodukte. Beispiele hierfür sind der Ersatz umweltschädlicher Blutdrucksenker, Inhalativa, Salben und Gele sowie das Jod-Recycling in der Zentralapotheke der MHH.

Als nächster Schritt wird das Eckpunktepapier dem Bundesministerium für Gesundheit und den Mitgliedern des Deutschen Bundestags übergeben werden. Die Initiatoren fordern, die darin formulierten Empfehlungen in eine verbindliche und gesetzlich verankerte Nachhaltigkeitsstrategie für das deutsche Gesundheitswesen zu überführen.

Das Eckpunktepapier können Sie hier herunterladen.

Text: Bettina Bandel