Forschung

Maschinenperfusion für Spendernieren erfolgreich etabliert

Dank der Technologie können mehr Spendernieren transplantiert werden.

Männer und Fraun stehen in Kitel neben einer Maschine

Erfolgreiche Nierentransplantation (von links): Susann Zeropa, OP-Pflege, und Dr. Cornelius van Beekum, Chirurg, und Luisa Schmiemann, Assistenzärztin, mit der geschlossenen Perfusionsmaschine, stellvertretend für das Transplantationsteam der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationsmedizin. Copyright: MHH/VCH

Menschen in Kiteln.

Erfolgreiche Nierentransplantation (von links): Dr. Cornelius van Beekum, Chirurg, und Vanessa Muth, Assistenzärztin, mit der geöffneten Maschine, stellvertretend für das Transplantationsteam der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationsmedizin. Copyright: MHH/VCH

An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) kam erstmals die Maschinenperfusion für Spendernieren zum Einsatz. Zwei Menschen konnten dank dieser Technologie eine neue Niere erhalten. Einer der beiden Patientinnen und Patienten erhielt zusätzlich im Rahmen eines kombinierten Eingriffs eine neue Leber. „Beiden Patienten geht es gut, die transplantierten Nieren produzieren Urin – ein klares Zeichen für den Erfolg der Transplantationen“, sagt Dr. Nicolas Richter, verantwortlicher Bereichsleiter in der MHH-Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie.

DSO führt kalte Maschinenperfusion für Spendernieren ein

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) führte am 19. Januar 2026 bundesweit die Maschinenperfusion bei Nieren von Spenderinnen und Spendern mit erweiterten Spenderkriterien ein, zu den vor allem Spenderorgane von älteren Menschen gehören. Das Verfahren dient dem schonenden Transport von Spendernieren vom Entnahmeort in das jeweilige Transplantationszentrum, sodass mehr Organe genutzt und erfolgreich transplantiert werden können. Denn: In Deutschland entfällt fast die Hälfte aller Organtransplantationen auf die Niere. Gleichzeitig warten mehr als 6.200 Menschen auf eine Spenderniere.

Konservierung entscheidet über den Transplantationserfolg

Im Unterschied zur Kaltlagerung auf Eis wird das Organ bei der Maschinenperfusion kontinuierlich mit einer Konservierungslösung durchspült und unter kontrollierten Bedingungen versorgt. „Die Organe erreichen so unser Zentrum in sehr gutem Zustand“, sagt Privatdozent Dr. Philipp Felgendreff, Oberarzt in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der MHH. „Bei komplexen Eingriffen wie der kombinierten Leber-Nieren-Transplantation oder bei Organen mit erweiterten Spenderkriterien gewinnen wir durch diese neuartige Konservierung wertvolle Zeit und erhalten die Funktion der Organe besser. Davon profitieren vor allem die Patientinnen und Patienten.“

Personal wurde geschult

Im Vorfeld wurde das medizinische und pflegerische Personal intensiv im Umgang mit der Maschine geschult, zudem mussten interne Abläufe angepasst werden. „Das Gerät wiegt 23 Kilogramm und muss innerhalb der Klinik zuverlässig transportiert und im Operationssaal sicher gehandhabt werden“, erläutert Dr. Ulrike Bode, Geschäftsführerin des Transplantationszentrums. „Dies gelingt nur dank der engen und erfolgreichen Zusammenarbeit aller beteiligten Abteilungen – vom Eurotransplant-Verbindungsbüro über den MHH-Transportdienst bis hin zum OP-Pflegepersonal.“

Bessere Versorgung der Patientinnen und Patienten

„Die erfolgreiche Transplantation maschinenperfundierter Nieren – sowohl als alleinige Transplantation als auch in Kombination mit einer Lebertransplantation – stellt einen wichtigen klinischen Meilenstein in der Transplantationsmedizin dar“, betont Prof. Dr. Moriz Schmelzle, Direktor der MHH-Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie und Leiter des MHH-Transplantationszentrums der MHH. „Darüber hinaus verbessern wir die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit endgültigem Nierenversagen deutlich.“ Stellvertretend für die Mitarbeitenden und im Namen der Patientinnen und Patienten dankt er den Organspenderinnen und -spendern und ihren Angehörigen.

Text: Camilla Mosel