Prof. Dr. Matthias Hardtke-Wolenski Medizinische Hochschule Hannover Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie und Endokrinologie Arbeitsgruppe Hardtke-Wolenski

Gezielte Immuntoleranz durch regulatorisches T-Zell-Engineering

Autoimmune und chronisch-entzündliche Erkrankungen sind weiterhin schwer zu behandeln, weil aktuelle Therapien Immunantworten häufig breit unterdrücken, anstatt das spezifische immunologische Ungleichgewicht zu korrigieren, das die Erkrankung antreibt. Unsere Arbeit konzentriert sich auf dieses Gleichgewicht zwischen schützender Immunität und krankhafter Autoimmunität, insbesondere in Leber und Darm.

Ein zentrales Thema unserer Forschung ist die Biologie regulatorischer T-Zellen, kurz Tregs. Diese Zellen sind entscheidend für die Aufrechterhaltung der Immuntoleranz. Ihre Anzahl, Stabilität, Überlebensfähigkeit und Antigenspezifität können jedoch bei Autoimmunhepatitis, chronischer Entzündung und Fibrose verändert sein. Das Verständnis dieser Mechanismen bildet die Grundlage für die Entwicklung präziserer immunmodulatorischer Therapien.

Der Aspekt der Gen- und Zelltherapie, der uns besonders interessiert, ist die Möglichkeit, Immunregulation gezielt zu entwickeln, statt Immunzerstörung zu verstärken. Im Gegensatz zu konventionellen CAR-T-Zellen, die in der Onkologie eingesetzt werden, sollen CAR-Tregs regulatorische T-Zellen gezielt zu definierten Geweben oder Antigenen lenken. Dort könnten sie lokal krankhafte Immunantworten dämpfen und die Wiederherstellung von Toleranz unterstützen. Unser translationales Ziel ist es, antigen-spezifische zelluläre Strategien zu entwickeln, die schädliche Immunität zu kontrollieren, ohne schützende Immunfunktionen unnötig zu schwächen.

Dieser Ansatz ist relevant für autoimmune Lebererkrankungen, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, immunvermittelte Nebenwirkungen unter Checkpoint-Inhibition und die Transplantationsmedizin. Eine zentrale Herausforderung besteht darin, Treg-basierte Zelltherapien ausreichend spezifisch, stabil, sicher und klinisch übertragbar zu machen. Deshalb verbindet unsere Arbeit mechanistische Immunologie, Krankheitsmodelle, patientennahe Fragestellungen und Konzepte des Zell-Engineerings.