Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO)
Dr. Reza Poyanmehr
Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) an der MHH
Die Medizinische Hochschule Hannover verfügt über ein etabliertes, überregional ausgerichtetes ECMO-Programm zur Versorgung von Patientinnen und Patienten mit schwerstem respiratorischem und/oder Kreislauf-Versagen. Mit jährlich etwa 270 bis 290 ECMO-Implantationen gehört die MHH zu den großen überregionalen ECMO-Zentren mit langjähriger klinischer, intensivmedizinischer und herzchirurgischer Expertise.
Unser Spektrum umfasst die veno-venöse ECMO (VV-ECMO) bei schwerem Lungenversagen, sowie die veno-arterielle ECMO (VA-ECMO) bei refraktärem kardiogenem Schock, Postkardiotomie-Syndrom, fulminanter Myokarditis, schwerem Rechts- oder Linksherzversagen. In ausgewählten Fällen sind Eskalationsstrategien auf VVA-ECMO, VAV-ECMO und V-PA-ECMO) möglich. Aktuell wird intensiv daran gearbeitet in Zukunft auch extrakorporale kardiopulmonale Reanimationen (ECPR) im Rahmen von OHCAs zu ermöglichen. Ergänzend werden komplexe mechanische Unterstützungsstrategien einschließlich kombinierter Verfahren wie ECMELLA (ECMO + Impella®) eingesetzt, insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit kardiogenem Schock und zusätzlichem Bedarf an linksventrikulärer Entlastung.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der mobilen ECMO-Versorgung. Zuweisende Kliniken können über die angegebene Notrufnummer eine strukturierte Fallbesprechung mit unserem ECMO-Team veranlassen. Bei entsprechender Indikation erfolgt die auswärtige Implantation durch ein erfahrenes Team aus Herzchirurgie, Intensivmedizin und Kardiotechnik, um kritisch kranke Patientinnen und Patienten vor Ort zu stabilisieren und transportfähig zu machen.
Die Verlegung unter laufender ECMO-Therapie erfolgt sowohl bodengebunden als auch luftgebunden per Hubschrauber oder Flugzeug. Die MHH verfügt hierbei über umfangreiche Erfahrung in nationalen und internationalen Transporten, einschließlich komplexer Langstreckenverlegungen von Schweden bis Moskau.
Gerade bei schwerem ARDS, refraktärem kardiogenem Schock oder kombinierter Herz-Lungen-Insuffizienz ist die frühzeitige Kontaktaufnahme mit einem ECMO-Zentrum entscheidend. Auch bei noch nicht vollständig abgeschlossener Diagnostik oder unsicherer Prognose sollte die Möglichkeit einer extrakorporalen Unterstützung frühzeitig geprüft werden. Ziel ist eine rasche Indikationsstellung, sichere Stabilisierung, strukturierte Verlegung und hochspezialisierte Weiterbehandlung an der MHH.
Mögliche Indikationen für den ECMO-Einsatz
Bereich | Indikationen / Einsatzbereiche |
Pulmonales Versagen / VV-ECMO | Schweres respiratorisches Versagen, insbesondere Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS), therapierefraktäre Hypoxämie oder Hyperkapnie, primäres Transplantatversagen nach Lungentransplantation sowie terminale Lungenerkrankungen als Bridge to Lung Transplantation |
Kardiales Versagen / VA-ECMO | Refraktärer kardiogener Schock, Postkardiotomie-Syndrom, fulminante Myokarditis, akuter Myokardinfarkt mit Schock, schweres Rechts- oder Linksherzversagen, massive Lungenembolie mit Kreislaufversagen, primäres Transplantatversagen nach Herztransplantation sowie ausgewählte Fälle extrakorporaler kardiopulmonaler Reanimation |
Kombiniertes Herz-Lungen-Versagen | Patientinnen und Patienten mit gleichzeitiger schwerer kardiorespiratorischer Insuffizienz, bei denen eine differenzierte ECMO-Konfiguration erforderlich ist, beispielsweise VA-, VAV- oder erweiterte ECMO-Verfahren |
Kombinierte mechanische Unterstützung | Einsatz kombinierter Verfahren wie ECMELLA, insbesondere bei kardiogenem Schock mit zusätzlichem Bedarf an linksventrikulärer Entlastung unter VA-ECMO |
Therapiestrategische Ziele | Bridge to Recovery Bridge to Decision Bridge to Transplantation Bridge to Candidacy Bridge to durable Mechanical Circulatory Support Bridge to Bridge |