Hintergrund
Sprachliche Fähigkeiten, darunter die Wortfindung und die Wortabruffähigkeit, können durch alterssensitive Prozesse oder eine Vielzahl neurologischer Erkrankungen, wie Schlaganfall oder neurodegenerative Krankheiten, beeinträchtigt sein. Betroffene benötigen im Gespräch häufig Unterstützung bei der Wortfindung. Dies führt zu einer Beeinträchtigung der autonomen Teilhabe an sozialen Interaktionen und der Förderung einer unerwünschten Abhängigkeit von anderen Personen. Die daraus resultierende Isolation kann zu einer sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale führen, in der die angstbedingte Abnahme der sprachlichen Interaktionen den kognitiven Verfall weiter verschlimmert.
Bei der CLARA-App handelt es sich um eine mobile, KI-gestützte Assistentin, mit der Möglichkeit Menschen im Alltag bei der Wortfindung zu unterstützen. Durch den Einsatz großer Sprachmodelle (LLMs) ermöglicht CLARA chatbasierte Interaktionen, Bildbeschriftungen und sprachbasierte Spiele. Die App speichert und erweitert den sprachlichen Kontext der NutzerInnen kontinuierlich in deren Profil und optimiert diesen durch fortlaufende Interaktionen. Dadurch agiert CLARA personalisiert, kontextbezogen und flexibel auf sprachliche Elemente.
Ziel
In einer ersten Testphase soll mittels einer Machbarkeitsstudie, geprüft werden, inwiefern die CLARA-App eine intuitive Handhabe und eine zufriedenstellende Nutzung für die User*innen ermöglicht.
Die gewonnen Erkenntnisse aus der Machbarkeitsstudie fließen direkt in die Weiterentwicklung und Verbesserung der CLARA-App ein.
Methoden
Die Entwicklung und Evaluation der CLARA-App basieren auf einem mehrstufigen, evidenzbasierten Ansatz. Vor Beginn der Machbarkeitsstudie erfolgt eine umfassende fachliche Bewertung der App durch ein interdisziplinäres Expertenteam, bestehend aus Ärzt*innen, Logopäd*innen, Ergo- und Physiotherapeut*innen sowie Wissenschaftler*innen. Dieses Team prüft die Funktionalität, Benutzerfreundlichkeit und klinische Relevanz der App und gibt konstruktives Feedback, das vor der eigentlichen Studie in die Weiterentwicklung der Anwendung integriert wird.
Für die Machbarkeitsstudie werden 40 ältere, sprachlich und kognitiv gesunde Personen (Alter >60 Jahre) rekrutiert. Vor Studienbeginn erfolgt eine umfassende Vortestung, um die Teilnehmer*innen entsprechend den Einschlusskriterien auszuwählen: Dazu gehörten die Beurteilung der Wortfindungsfähigkeit mittels des Bielefelder Wortfindungsscreening für Aphasien (BIWOS), die Messung der Wortflüssigkeit mit dem Regensburger Wortflüssigkeitstest (RWT), die kognitive Leistungsfähigkeit durch das Montreal Cognitive Assessment (MOCA), die Überprüfung des Hörvermögens mit dem Freiburger Sprachverständlichkeitstest und des Sehvermögens mittels Nahvisus-Tafel. Diese standardisierten Tests stellen sicher, dass die Teilnehmerinnen die App in einem kontrollierten, gesunden kognitiven und sensorischen Rahmen nutzen können.
Während einer dreiwöchigen Nutzungsphase integrieren die Teilnehmer*innen die CLARA-App in ihren Alltag. Sie nutzen die Funktionen wie chatbasierte Unterstützung, Bildbeschriftung und sprachbasierte Spiele, um ihre tägliche Kommunikation zu erleichtern. Die Nutzung wird durch eine standardisierte Nutzer*innenbefragung und die Analyse von anonymisierten Nutzungsdaten (z. B. Interaktionshäufigkeit, Funktionen, Nutzungsdauer) evaluiert. Diese Daten ermöglichen es, die Durchführbarkeit, Akzeptanz und praktische Relevanz der App für die Zielgruppe zu bewerten. Abschließend findet ein abschließendes Expertengespräch statt, in dem die Ergebnisse diskutiert, die Erkenntnisse zusammengefasst und die zukünftige Entwicklung der App strategisch geplant werden.
Förderung
Das Projekt wird durch das Else Kröner-Graduiertenkolleg, einem strukturierten Ausbildungsprogramm für Promovierende und Masterstudierende, das in Kooperation zwischen der Medizinischen Hochschule Hannover und dem Peter L. Reichertz Institut (PLRI) der TU Braunschweig, dem Forschungsinstitut L3S der Leibniz Universität Hannover sowie der Hochschule Hannover durchgeführt wird, gefördert.
Der Förderzeitraum läuft vom 01.08.2025 bis zum 31.07.2026.
Projektteam