Neuartige Organersatzverfahren zur Behandlung schwerer Verbrennungsverletzungen

Brandverletzungen betreffen häufig nicht nur die Haut als größtes menschliches Organ. Das Einatmen von heißen Gasen oder auch giftigen Substanzen, die bei Bränden entstehen können, können ein sogenanntes Inhalationstrauma zur Folge haben, das Überlebenswahrscheinlichkeit einer Brandverletzung maßgeblich beeinflusst. Darüber hinaus kommt es bei zunehmender Größe der verbrannten Körperoberfläche auch zu einer starken generalisierten, teilweise immungesteuerten Reaktion des Organismus, der sogenannten Verbrennungskrankheit, die ein Versagen mehrerer Organe wie Lunge, Niere, Leber und Darm zur Folge haben kann.

Vor diesem Hintergrund werden in unserem Zentrum für Schwerbrandverletzte neue Therapieansätze zur Behandlung dieser intensivmedizinischen Herausforderungen eingesetzt.

Dazu zählt zum Beispiel der Einsatz neuartiger Beatmungsgeräte mit laminarem Fluss zur Behandlung eines Lungenversagens bei Inhalationstrauma. Hier wird über ein flusskontrolliertes System die Aus- und Einatmung der Patienten gesteuert, womit die ansonsten üblicherweise notwendigen hohen Beatmungsdrücke reduziert und damit ein zusätzlicher beatmungs-assoziierter Schaden des Lungengewebes limitiert werden soll.

Kommt es zu einer Einschränkung der Lungenfunktion, kann es neben Problemen bei der Aufnahme von Sauerstoff auch zu Problemen bei der Abgabe von Kohlendioxid kommen. In extremen Fällen müssen in solchen Fällen extrakorporale Lungenersatzverfahren angewendet werden. Aber auch bei isolierten Kohlendioxidabgabeproblemen können wir inzwischen innovative Therapieansätze verwenden, wie zum Beispiel mit dem Advanced Organ Support-System (ADVOS).

Die Ausschüttung sogenannter Zytokine als Reaktion des Körpers auf eine Verbrennung können Komplikationen im gesamten Körper verursachen, wenn es z.B. zu einem Zytokinsturm kommt. Ein möglicher Therapieansatz hierfür ist das Herausfiltern dieser Substanzen aus dem Blutkreislauf. Hierfür verwenden wir innovative Filtersystem wie z.B. Cytosorb-Filter bis hin zum gesamten Austausch des Blutplasmas mittels Plasmapherese.

Brandverletzungen haben nicht zuletzt eine schwere Schädigung des Hautorganes zur Folge, und gerade  tiefergehende Verletzungen haben oft den Verlust der gesamten Haut inklusive Unterhautfett- und -bindegewebe zur Folge. Eine funktionell adäquate Rekonstruktion dieser daraus entstehenden Defekte beinhaltet idealerweise auch eine Wiederherstellung der tieferen Haut- und Verschiebeschichten. Aus diesem Grund arbeiten wir mit innovativen Unternehmen wie auch internationalen Forschungseinrichtungen zusammen, um dermale Ersatzplastiken für unsere Patienten einsetzen zu können. Diese reichen von biologischen Strukturmatrizen bis hin zu individuell gezüchteten Lösungen, je nach Anforderungsprofil des Patienten.

Die Kombination dieser teils sehr aufwändigen und innovativen Verfahren erlaubt es uns, das Überleben schwerbrandverletzter Patienten zu verbessern bei gleichzeitiger Reduktion von Langzeitkomplikationen und rekonstruktiven Folgeeingriffen.