Hintergrund und Ziele
Die demografische Alterung führt zu einer stetig steigenden Prävalenz neurodegenerativer und neuropsychiatrischer Erkrankungen. Gleichzeitig eröffnen Biomarker und krankheitsmodifizierende Therapien – insbesondere Antikörpertherapien bei der Alzheimer-Erkrankung – neue Möglichkeiten für eine frühzeitige Diagnostik und personalisierte Behandlung. Dennoch bestehen weiterhin erhebliche Herausforderungen hinsichtlich des Verständnisses der zugrundeliegenden Krankheitsmechanismen sowie der optimalen Versorgung betroffener Patientinnen und Patienten.
Die Arbeitsgruppe „Translationale Neuropsychiatrie des Alterns“ untersucht neurodegenerative und neuropsychiatrische Erkrankungen des höheren Lebensalters wie z.B. Demenzerkrankungen oder Altersdepression mit einem translationalen Forschungsansatz. Im Mittelpunkt stehen die Identifikation neuer Biomarker, die Erforschung neuroimmunologischer und neurodegenerativer Mechanismen sowie die Verknüpfung klinischer, neuropsychologischer, bildgebender und molekularbiologischer Daten. Ergänzend werden experimentelle Modelle genutzt, um krankheitsrelevante Signalwege zu untersuchen und neue therapeutische Ansätze zu entwickeln.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der translationalen Versorgungsforschung. Durch die Analyse klinischer Kohorten, Register und Real-World-Daten untersucht die Arbeitsgruppe Versorgungsstrukturen, Krankheitsverläufe und Arzneimitteltherapiesicherheitsaspekte bei älteren Menschen. Ziel ist die Entwicklung evidenzbasierter Strategien für eine präzisere Diagnostik, personalisierte Therapie und eine nachhaltige Verbesserung der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit neurodegenerativen und neuropsychiatrischen Erkrankungen.
Auswahl aktueller Projekte
Im Rahmen einer prospektiven Registerstudie werden in unserer Gedächtnisambulanz Patient:innen mit subjektiven kognitiven Beschwerden (SCD), Mild Cognitive Impairment (MCI), Alzheimer-Erkrankung, frontotemporaler Demenz (FTD) und weiteren neurodegenerativen Erkrankungen standardisiert klinisch charakterisiert und longitudinal begleitet. Neben der neuropsychologischen Diagnostik erfolgen Blut- und – sofern klinisch indiziert – Liquoruntersuchungen sowie bildgebende Verfahren.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Identifikation und Validierung neuer Biomarker neurodegenerativer und neuroimmunologischer Prozesse. Hierzu werden klinische, neuropsychologische, bildgebende und molekulare Daten mit Proteom-, Metabolom- und weiteren Multi-Omics-Analysen verknüpft. Ziel ist es, Krankheitsmechanismen besser zu verstehen sowie neue diagnostische, prognostische und prädiktive Biomarker für eine personalisierte Diagnostik und Therapie zu identifizieren.
Das Verständnis neurodegenerativer Erkrankungen erfordert experimentelle Modelle, die krankheitsrelevante molekulare und zelluläre Prozesse realitätsnah abbilden. Unsere Arbeitsgruppe etabliert und nutzt humane Zellmodelle, um Mechanismen der Neurodegeneration und Neuroinflammation sowie deren Wechselwirkungen zu untersuchen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der funktionellen Charakterisierung von Signalwegen und Biomarkern, die in klinischen Kohorten identifiziert werden. Durch die enge Verknüpfung experimenteller Modelle mit klinischen, molekularen und Multi-Omics-Daten sollen neue diagnostische Biomarker und potenzielle therapeutische Zielstrukturen identifiziert werden.
Die zerebrale Amyloidangiopathie (CAA) ist eine häufige zerebrovaskuläre Erkrankung des höheren Lebensalters und eine wichtige Ursache kognitiver Einschränkungen sowie intrazerebraler Blutungen. Darüber hinaus rücken neuropsychiatrische Symptome zunehmend in den Fokus, deren klinische Bedeutung und pathophysiologische Grundlagen bislang jedoch nur unzureichend untersucht sind. Mit der Einführung krankheitsmodifizierender Antikörpertherapien bei der Alzheimer-Erkrankung gewinnt die CAA zudem an besonderer Bedeutung, da sie eng mit amyloidassoziierten bildgebenden Veränderungen (ARIA) und weiteren therapierelevanten Komplikationen verknüpft ist.
Unsere Arbeitsgruppe untersucht die klinische Relevanz der CAA für die Psychiatrie und analysiert neuropsychiatrische Symptome, neuropsychologische Profile, Bildgebungsbefunde und Biomarker von Patient:innen mit CAA. Ziel ist ein besseres Verständnis der klinischen Heterogenität und neuropsychiatrischen Manifestationen der Erkrankung sowie die Identifikation von Biomarkern und Prädiktoren für Krankheitsverlauf, funktionelles Outcome und therapeutisch relevante Komplikationen.
Die Arbeitsgruppe untersucht die Versorgung von Patient:innen mit neurodegenerativen Erkrankungen entlang des gesamten Behandlungspfades – von der Diagnostik über die Pharmakotherapie bis zur sektorenübergreifenden Versorgung. Ein Schwerpunkt liegt auf der Analyse von Arzneimitteltherapiesicherheitsaspekten, Polypharmazie sowie klinischen Outcomes im Versorgungsalltag.
Hierfür werden prospektive Registerstudien, retrospektive Kohorten sowie nationale und internationale Real-World-Daten genutzt. Dazu zählen unter anderem Kooperationen mit dem Netzwerk Arzneimittelsicherheit in der Psychiatrie e. V. (AMSP) sowie Analysen großer Gesundheitsdatenbanken.
Die Arbeitsgruppe untersucht die Versorgung von Patient:innen mit neurodegenerativen Erkrankungen entlang des gesamten Behandlungspfades – von der Diagnostik über die Pharmakotherapie bis zur sektorenübergreifenden Versorgung. Ein Schwerpunkt liegt auf der Analyse von Arzneimitteltherapiesicherheitsaspekten, Polypharmazie sowie klinischen Outcomes im Versorgungsalltag.
Hierfür werden prospektive Registerstudien, retrospektive Kohorten sowie nationale und internationale Real-World-Daten genutzt. Dazu zählen unter anderem Kooperationen mit dem Netzwerk Arzneimittelsicherheit in der Psychiatrie e. V. (AMSP) sowie Analysen großer Gesundheitsdatenbanken.
Ausgewählte Veröffentlichungen
- Freitag J…Schulze Westhoff M, Schröder S. Memory, Social Cognition and Beyond: Neuropsychological Markers Differentiating Alzheimer’s Disease and Frontotemporal Dementia. Journal of Alzheimer's Disease. 2026
- Kreye MA*, Schulze Westhoff M*, Grosse GM, et al. The Simplified Edinburgh Criteria in Clinical Practice: A CT-Neuropathology Accuracy Study for Diagnosis of Cerebral Amyloid Angiopathy. Neurology. 2025
- Schulze Westhoff M, Schröder S, Heck J, et al. Determinants of severe QTc prolongation in a real-world gerontopsychiatric setting. Front Psychiatry. 2023
- Schröder S, Schulze Westhoff M, Pfister T, et al. Drug safety in older patients with alcohol use disorder: a retrospective cohort study. Ther Adv Psychopharmacol. 2024
- Jahn K, Blumer N, Schulze Westhoff M, et al. Impact of cannabinoids on synapse markers in an SH-SY5Y cell culture model. Schizophrenia (Heidelb). 2024
- Konen FF, Gehring PS, Schröder S, et al. Pilot study of cerebrospinal fluid biomarkers reveals inflammatory changes in patients with paranoid schizophrenia. Sci Rep. 2025
Förderungen und Preise
- Hochschulinterne Leistungsförderung (HiLF) („Neuroinflammatorische Regulation im Kontext der Alzheimer-Demenz und komorbider zerebraler Amyloidangiopathie“, PD Dr. Martin Schulze Westhoff)
- PRACTIS – Clinician Scientist („Die Rolle inflammatorischer Prozesse als mögliche Treiber der Krankheitsprogression der Alzheimer-Demenz und Charakterisierung einer Subgruppe mit autoimmuner Komponente“, Dr. Sebastian Schröder)
- Norddeutscher Suchtforschungsverbund e.V. (NSF) (Forschungspreis 2025, Dr. Sebastian Schröder)
- European Stroke Organisation (2. Platz beim „Basic Science Award” im Zuge des Jahreskongress 2025 für die Arbeit „Neuroinflammatory regulation and cognition in Alzheimers Disease and Cerebral Amyloid Angiopathy“, PD Dr. Martin Schulze Westhoff)
Wissenschaftliche Kollaborationen
- Arbeitsgruppe Molekulare Neurowissenschaften (Prof. Dr. Peter Claus)
- Arzneimittelsicherheit in der Psychiatrie e. V. (AMSP)
- Klinik für Neurologie mit Klinischer Neurophysiologie (Prof. Dr. Thomas Skripuletz, Prof. Dr. Martin Klietz, Prof. Dr. Florian Wegner, PD Dr. Matthias Höllerhage, Dr. Maria Gabriel)
- LEBAO - Leibniz Forschungslaboratorium für Biotechnologie und künstliche Organe
- Institut für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin (PD Dr. Johannes Heck)
- Institut für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie (PD Dr. Julius Renne)
- Abteilung für Neuropathologie (Prof. Dr. Christian Hartmann)
- UK Dementia Research Institute, Cardiff University
- Institute of Neuroscience and Physiology, University of Gothenburg
- GHU Paris Psychiatrie & Neurosciences (Prof. Dr. Jean-Claude Baron, Prof. Dr. Guillaume Turc)
- LVR-Klinikum Düsseldorf (Dr. Franziska Kümpers)
Arbeitsgruppenleitung
PD Dr. med. Martin Schulze Westhoff, MHBA
Telefon: +49 511 532 7307
Mail: SchulzeWesthoff.Martin@mh-hannover.de
Dr. med. Sebastian Schröder, MHBA
Telefon: +49 511 532 7275
Mail: Schroeder.Sebastian@mh-hannover.de