Aus der MHH

Herzstück der deutschen Wissenschaftspolitik

Der Wissenschaftsrat – ein Gespräch mit Prof. Dr. Christine Falk, Direktorin des MHH-Instituts für Transplantationsimmunologie

Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch und unterhält sich mit einer anderen Frau.

Prof. Dr. Christine Falk im Gespräch. Copyright: Karin Kaiser/MHH

Frau Professorin Falk, was macht den Wissenschaftsrat so besonders?

Der Wissenschaftsrat ist das zentrale Beratungsgremium für Hochschulen, Forschung und Wissenschaftsstruktur und somit das Herzstück der deutschen Wissenschaftspolitik. In ihm sind alle Bereiche der Wissenschaft sowie die Wissenschaftsministerien aller Bundesländer und des Bundes vertreten, wodurch ein breiter wissenschaftspolitischer Konsens gewährleistet wird. Seine Begutachtungen, Empfehlungen, Stellungnahmen und Positionspapiere sind wissenschaftlich fundiert und politisch tragfähig – soweit das in einem föderalen System möglich ist.

Wer ist im Wissenschaftsrat vertreten?

Der Bundespräsident beruft die Mitglieder in den Wissenschaftsrat. Dieser besteht aus 24 Professorinnen und Professoren, acht Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Vertretungen der Wissenschaftsministerien und des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Die Geschäftsstelle hat ihren Sitz in Köln. Das Gremium gestaltet die Entwicklung des deutschen Wissenschaftssystems als Teil der Allianz der Wissenschaftsorganisationen mit. Die Arbeit nutzen verschiedene Bundesministerien, die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz und die Länder.

Was genau macht der Wissenschaftsrat?

Er nimmt gutachterlich Stellung zu Fragen des gesamten Wissenschaftssystems. Durchschnittlich werden etwa 40 bis 45 Themen parallel bearbeitet, beispielsweise Akkreditierungen staatlicher und privater Universitäten, Strukturbegutachtungen der Universitätslandschaft in den Ländern und von Konsortien wie den Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Gemeinsam mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft ist er zuständig für die Entwicklung und Durchführung der Exzellenzstrategie. Aktuelle Themen sind Karriere in der Wissenschaft, systemrelevante Bedeutung von Prävention, Sicherheitsaspekte und KI in Forschung und Lehre sowie Beziehungen zwischen Wissenschaft und Demokratie. In meiner zweiten Amtszeit bin ich in den Ausschüssen für Medizin, Forschungsbauten und Evaluationen der Ressortforschungseinrichtungen aktiv.

Was wünschen Sie sich für die Universitätsmedizin?

Die Universitätsmedizin steht vor enormen Herausforderungen. Die Kombination aus Forschung, Lehre und Krankenversorgung macht sie einzigartig, bedeutet aber zugleich einen permanenten Balanceakt bezüglich der wissenschaftlichen, klinischen und ökonomischen Ausgestaltung. Ich wünsche mir, dass diese Herausforderungen gemeinsam mit den Universitäts- und Klinikleitungen, der Politik in Bund und Ländern und den Menschen, die in diesem komplexen System arbeiten, konstruktiv angegangen werden und generell mehr Verständnis für die besondere Rolle der Universitätsmedizin.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Bundesverdienstkreuz für Professorin Falk

Im Juli 2026 erhielt Professorin Falk das Bundesverdienstkreuz am Bande – die höchste Auszeichnung Deutschlands für besondere Verdienste um das Gemeinwohl. Der Bundespräsident verleiht es auf Vorschlag für herausragende Leistungen in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur oder Wissenschaft. Die feierliche Übergabe durch Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay fand im Neuen Rathaus statt. Die Auszeichnung würdigt Professorin Falks Forschungsleistungen in der Immunologie sowie ihr Engagement für den Wissenschaftsrat, die DFG, die Deutsche Gesellschaft für Immunologie, die Stiftung Deutsche Krebshilfe, die VolkswagenStiftung und in der humanitären Hilfe für die Ukraine, zum Beispiel das Kyiv Heart Institute und „Eco Mercy Sosnivka“.

Text und Fragen: Bettina Bandel