Aus der MHH

Lungenmedizin mit Perspektive: „Reparieren statt ersetzen“

Prof. Dr. Marius Hoeper ist neuer Direktor der MHH-Klinik für Pneumologie und Infektiologie.

Prof. Dr. Marius Hoeper.

Prof. Dr. Marius Hoeper. Copyright: Tom Figiel

Seit Februar ist Prof. Dr. Marius Hoeper (63) Direktor der Klinik für Pneumologie und Infektiologie. Die Position ist ihm keineswegs unbekannt: Bereits während der COVID-Pandemie hatte er die Klinikleitung stellvertretend und in den vergangenen zwei Jahren – nach dem Tod von Prof. Dr. Tobias Welte – kommissarisch inne. Professor Hoepers berufliche Karriere ist eng mit der MHH verknüpft. Heute ist er ein international anerkannter Experte auf dem Gebiet der pulmonal-arteriellen Hypertonie (PAH), einer seltenen Form des Lungenhochdrucks. Dabei wollte er als junger Mann eigentlich gar nicht Arzt werden.

Zivildienst weckte Interesse

„Medizin zu studieren war nie mein Plan, ich wollte Journalist werden“, erinnert sich Professor Hoeper. Das änderte sich durch seinen Zivildienst im Rettungsdienst. Sein Interesse war geweckt. 1984 begann er an der MHH ein Medizinstudium, zunächst noch ohne wissenschaftliche Ambitionen. Doch die ließen nicht lange auf sich warten. Als Doktorand durfte er im Team von Prof. Dr. Axel Haverich Patientinnen und Patienten mit Lungentransplantation mitbetreuen. „Das hat mich sehr beeindruckt. Dort sah ich die ersten von Lungenhochdruck Betroffenen. Damals war die Erkrankung kaum erforscht und es gab keine Therapiemöglichkeiten. Da stand für mich fest: Darum will ich mich kümmern!“

So schlug Professor Hoeper doch eine wissenschaftliche Laufbahn ein. 1992 schloss er seine Promotion ab. Von 1993 bis 1995 absolvierte er ein Forschungsstipendium an der University of Colorado, Denver. Danach kehrte er an die MHH zurück, wo er 1999 habilitierte. Die pulmonal-arterielle Hypertonie ist bis heute sein Forschungsschwerpunkt geblieben. 2018, 2019 und 2023 gehörte Professor Hoeper zu den Clarivate Highly Cited Researchers, den weltweit am meisten zitierten Wissenschaftlern.

Klinik stark für die Zukunft machen

Als Direktor trat Professor Hoeper die Nachfolge von Prof. Dr. Tobias Welte an, der die Klinik zu einer wissenschaftlich und klinisch weltweit sichtbaren Institution gemacht hatte. „Seine Freundschaft und seinen Rat vermisse ich bis heute“, stellt Professor Hoeper fest. Umso mehr freue er sich darüber, dass der Zusammenhalt innerhalb der Klinik sehr eng und die Kooperation mit den anderen Bereichen ausgezeichnet sei. Gemeinsam mit seinem Team möchte er die Klinik weiterentwickeln und stark für die Zukunft machen. „Unsere Aufgabe als Uniklinik ist es, auch in Zeiten knapper Ressourcen die Erforschung und Behandlung seltener und schwerer Lungenerkrankungen weiter voranzubringen“, erklärt er. „Unser Ziel muss es sein, erkrankte Organe zu reparieren und zu regenerieren, anstatt sie ersetzen zu müssen.“

Bei der PAH ist dieses Ziel bereits teilweise erreicht. Zur Therapie gibt es mittlerweile zehn zugelassene Medikamente. An der klinischen Entwicklung der meisten war Professor Hoeper beteiligt, beispielsweise an Sotatercept, einer der wichtigsten jüngeren Weiterentwicklungen in der Behandlung der PAH. Solche Fortschritte wünscht sich der Klinikdirektor auch bei anderen Lungenerkrankungen wie beispielsweise der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), fibrosierenden Lungenerkrankungen, Lungentumoren, akutem Lungenversagen und infektiösen Lungenerkrankungen. Entscheidend sei dabei die enge Verzahnung von Forschung und klinischer Versorgung gemeinsam mit den Partnern innerhalb und außerhalb der MHH, so Hoeper. In dieser Hinsicht soll das Team demnächst durch eine Professur mit Schwerpunkt COPD verstärkt werden, die gemeinsam mit dem Fraunhofer ITEM ausgeschrieben wurde.

Seit er Klinikdirektor ist, hat sich sein Arbeitsalltag deutlich verändert. Leitungs- und administrative Aufgaben nehmen mehr Raum ein. Den unmittelbaren Kontakt zu seinen Patientinnen und Patienten lässt sich Professor Hoeper jedoch nicht nehmen – bis heute ist er täglich selbst in der Patientenversorgung tätig. Auch die Freizeit ist knapper geworden. Die verbringt er am liebsten mit seiner Familie – gerne draußen in der Natur und auf dem Fahrrad.

Text: Tina Götting