Forschung

Neue Digitalplattform für besser vernetzte Forschungsinfrastruktur und Expertise

Mit ExTENd entsteht eine zentrale Plattform, die Forschende in Niedersachsen vernetzt und den Zugang zu Omics-Technologien, Biobanken und Expertise erleichtert.

Blut- und Urinproben in verschiedenen Laborröhrchen stehen in einem roten Probenhalter, während eine medizinische Fachkraft eine Probe in den Halter stellt.

Bioproben wie Blut und Urin sind wichtiges Material in der Forschung. Copyright: medJUNGE

Für Forschende in Niedersachsen entsteht derzeit die zentrale digitale Plattform „Expertise & Technology Exchange Niedersachsen“ (ExTENd). Sie soll es erleichtern, sich zu vernetzen, gemeinsam hochspezialisierte Technologien zu nutzen und interdisziplinär zusammenzuarbeiten. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) und die VolkswagenStiftung fördern dieses Vorhaben mit rund 800.000 Euro im Rahmen des Programms zukunft.niedersachsen.

ExTENd startet mit Omics-Technologien

Das Projekt fokussiert sich zunächst insbesondere auf Omics-Technologien, also auf Methoden, mit denen Gruppen biologischer Moleküle umfassend analysiert werden können. Dazu zählen die Genomik, Transkriptomik, Proteomik und Metabolomik, mit denen die DNA, RNA-Moleküle, Proteine und Stoffwechselmoleküle erforscht werden können. Darüber hinaus umfasst ExTENd auch Bioinformatik, Datenanalyse und Datenmanagement. Ein wesentlicher Bestandteil des Vorhabens ist die Einbettung in bestehende niedersächsische Wissenschafts- und Innovationsstrukturen. Die Projektlaufzeit ist von September 2026 bis August 2029 angelegt.  

„Die Plattform kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, vorhandene Ressourcen effizienter zu nutzen und translationale Forschung gezielt zu unterstützen. Indem ExTENd Expertise, Technologien und Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zusammenführt, entstehen neue Möglichkeiten für wissenschaftliche Kooperation und Innovation“, sagt Prof. Dr. Thomas Illig, Direktor der Hannover Unified Biobank (HUB) an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). „Mit ExTENd schaffen wir eine gemeinsame, institutionenübergreifende Struktur, die Forschungsinfrastruktur und wissenschaftliche Expertise in Niedersachsen besser sichtbar und zugänglich macht. Das erleichtert nicht nur den Zugang zu Technologien, sondern stärkt auch die Zusammenarbeit über Standorte und Disziplinen hinweg“, führt Projektleiterin Dr. Sara Haag, Translationsallianz in Niedersachsen (TRAIN), aus. Die MHH und TRAIN haben den Antrag für ExTENd federführend gestellt. Am Projekt nehmen außerdem die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und die Leibniz-Institut DSMZ – Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH (DSMZ) teil. Niedersachsens Netzwerk für die Lebenswissenschaften „Niedersachsen.next BioRegioN“ unterstützt das Vorhaben.

So vernetzt ExTENd Forschende in Niedersachsen

Die neue Plattform soll Forschenden zukünftig über eine Homepage einen übersichtlichen Einstiegspunkt bieten, um passende Technologien und Ansprechpersonen zu finden und standortübergreifende Kooperationen anzubahnen. Dabei geht es nicht nur um Geräte, Software und Dienstleistungen, sondern auch um das damit verbundene methodische und wissenschaftliche Know-how. Nach dem Start im Omics-Bereich soll die Plattform schrittweise auf weitere Technologiefelder ausgeweitet werden. Langfristiges Ziel ist ein zukunftsfähiges, modulares Ökosystem für Forschungsinfrastrukturen, das Wissenschaft und Anwendung in Niedersachsen nachhaltig miteinander verbindet.

Omics-Technologien

Omics-Technologien sind Methoden, mit denen Gruppen biologischer Moleküle umfassend analysiert werden können. Das Ziel ist es, deren Funktion, Interaktion und Einfluss auf den Organismus zu verstehen. Hauptbereiche der Omics-Technologien sind Genomics – die gesamte DNA, einschließlich der Gene – , Transkriptomics – alle RNA-Moleküle, um die Genaktivität zu verstehen –, Proteomics – die Gesamtheit der Proteine – und Metabolomics – alle Stoffwechselprodukte, um biochemische Aktivitäten und Stoffwechselwege zu versehen. Das übergeordnete Ziel ist, biologische Prozesse im Detail erforschen zu können, um komplexe Krankheiten wie Krebs besser zu verstehen, Diagnosen zu verbessern, Prognosen zuverlässiger einzuschätzen und Therapien gezielter auszuwählen zu können.

Text: Bettina Bandel