Seit 20 Jahren unterstützt der Verein Kleine Herzen Hannover e.V. herzkranke Kinder und ihre Familien. Ein Interview mit der Vereinsvorsitzenden Ira Thorsting.
Machte aus einer Idee einen großen Verein: Ira Thorsting. Copyright: Karin Kaiser / MHH
Die Geburtsstunde Ihres Vereins war der Landespresseball 2006. Wie kam das?
Thorsting: Ich hatte zwei VIP-Karten im Wert von 5.000 Euro für die Fußball-WM gewonnen und diese spontan zur Versteigerung gestellt. So wurden an dem Abend aus diesen 5.000 Euro ganz schnell 40.000 Euro und im Nachgang der Veranstaltung kamen noch mal 60.000 Euro von verschiedenen Spendern dazu. Dieses Geld floss dann gleich in unser erstes Projekt. Gemeinsam mit dem Verein Herzkind und der MHH finanzierten wir den Umbau von Eltern-Kind-Zimmern. Es entstanden 15 Einzel- und Doppelzimmer mit jeweils einem behindertengerechten Duschbad auf den beiden Kinderherzstationen in der MHH.
Hätten Sie gedacht, dass aus der spontanen Idee mal eine so große Initiative werden würde?
Thorsting: Nein, absolut nicht. Das war auch gar nicht meine Absicht. Doch dann entwickelten sich mit der Zeit viele weitere Projekte. Heute ist der Verein fast so etwas wie ein kleines Unternehmen. Er hat mittlerweile neun Honorarkräfte. Die Kleinen Herzen können dank zahlreicher kleiner und großer Spenden arbeiten. Manche Förderinnen und Förderer unterstützen uns seit vielen Jahren.
Welche Spenden beeindrucken Sie am meisten?
Thorsting: Da gibt es viele Beispiele und die sind nicht nur von der Höhe des Betrags abhängig. Ich nenne hier nur mal ein Benefiz-Konzert von Fury in the Slaughterhouse. An einem solchen Abend kommt nicht nur viel Geld für die Kleinen Herzen zusammen. Die Musik berührt zudem auch sehr viele Menschen und verschafft ihnen ein unvergessliches Erlebnis, mich eingeschlossen.
In welche Projekte fließt das Geld?
Thorsting: Wir unterstützen Dinge, die von öffentlichen Geldern nicht finanziert werden können. Das sind Projekte im menschlichen und sozialen Bereich der Krankenversorgung. Dabei haben wir einerseits die jungen Patientinnen und Patienten mit ihren Familien im Blick. Andererseits unterstützen wir die Ärzte- und Pflegeteams, die täglich Hervorragendes leisten. In der MHH-Kinderklinik wird Weltklassemedizin gemacht, und wir wollen dazu beitragen, dass das auch in Zukunft so bleibt.
Was motiviert Sie?
Thorsting: Meine persönliche Betroffenheit. Mein Sohn Yan-Frederic kam vor 40 Jahren mit einem schweren Herzfehler zur Welt und wurde in der MHH-Kinderklinik durch eine Operation gerettet. Daher weiß ich, wie Eltern sich in so einer Situation fühlen und was außer einer guten medizinischen Versorgung gebraucht wird.
Haben Sie ein Lieblingsprojekt?
Thorsting: Mein Herzensprojekt sind die Weiterbildungen zur Krisenbegleitung. Dabei lernen die Fachleute aus Pflege und Medizin besondere Belastungssituationen besser zu bewältigen und Angehörige schwerkranker oder verstorbener Kinder wertschätzend und stabilisierend zu begleiten. Diese wichtigen Kurse waren zunächst für Mitarbeiter an der MHH gestartet und inzwischen sind es Teilnehmer aus allen Kliniken bundesweit.
Der Verein hat für seine Projekte schon zahlreiche Auszeichnungen erhalten …
Thorsting: Ja, da bin ich auf die Auszeichnung für unseren Dolmetscher-Service besonders stolz. Das Übersetzen hilft ausländischen Patienten und ihren Eltern zu verstehen, was die Ärztinnen und Ärzte ihnen sagen wollen, beispielsweise zu Diagnosen und bevorstehenden Therapien. Wir bieten in mehr als 50 Sprachen Gesundheits-Dolmetscher an. Dieses Projekt wurde deutschlandweit etabliert.
Wie viel Geld konnten Sie in den vergangenen 20 Jahren in die Kinderklinik fließen lassen?
Thorsting: Insgesamt weit mehr als sechs Millionen Euro.
Wie blicken Sie auf die vergangenen 20 Jahre?
Thorsting: Mit dem Gefühl großer Dankbarkeit gegenüber den Ärzten und Ärztinnen, Pflegefachkräften und Therapeuten, die auf den Kinderherzstationen und in der gesamten Kinderklinik rund um die Uhr einen tollen engagierten Job machen.
Interview: Tina Götting
Weitere Informationen über den Verein Kleine Herzen e.V. und seine Projekte unter: www.kleineherzen.de