Forschung

Die Zukunft der Hochschule aktiv mitgestalten

Professorin Meike Stiesch ist neue Forschungsdekanin an der MHH.

Professorin Meike Stiesch steht vor einer hellen Wand.

Neue Forschungsdekanin der MHH: Prof. Dr. Meike Stiesch. Copyright: Hans&Jung, Hannover

Die MHH ist eine der forschungsstärksten medizinischen Einrichtungen in Deutschland. Entsprechend wichtig ist die Position des Forschungsdekans der Hochschule, als Koordinator zwischen den Grundlagenwissenschaften und der klinischen Forschung. Seit einigen Wochen ist das die Aufgabe von Prof. Dr. Meike Stiesch. Die Direktorin der MHH-Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomedizinische Werkstoffkunde folgt auf Prof. Dr. Frank Bengel, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin, der diese Position seit 2020 innehatte. Der Austausch mit ihrem Vorgänger hat ihren Start erleichtert. „Professor Bengel hat die Forschungskommission hervorragend geleitet und mir den Staffelstab geordnet übergeben“, betont sie. Für zunächst einmal zwei Jahre übt Professorin Stiesch ihr neues Amt aus, berät die Präsidentin und den Senat in Forschungsfragen. Dabei bringt sie nicht nur ihre weitreichende Erfahrung als erfolgreiche Wissenschaftlerin in der Implantat- und Infektionsforschung ein. Auch die langjährige Mitarbeit in der Forschungskommission, die Beschlüsse und Empfehlungen zur Forschungsarbeit an der MHH vorbereitet, kommt ihr als neuer Leiterin dieses Gremiums zugute. Ihre Expertise konnte die Zahnmedizinerin gleich zu Beginn ihrer Amtszeit beisteuern: als Co-Autorin des Exzellenzuni-Antrags. „Das ist eine spannende Zeit für die MHH und ich freue mich, die Zukunft der Hochschule aktiv mitgestalten zu können.“

Fächerübergreifende Vernetzung

Als Forschungsdekanin ist Professorin Stiesch verantwortlich für Fördermittel, Ausschreibungen und strukturierte Forschung an der MHH. „Ich möchte neue Fördermöglichkeiten erschließen, neue Entwicklungen vorantreiben und die Forschenden noch besser vernetzen“, sagt sie. Hierbei setzt sie vor allem auf vier Themen: Innovation, Translation – die schnelle und effiziente Umsetzung präklinischer Forschung in die klinische Entwicklung –, Interdisziplinarität, also fächerübergreifendes Arbeiten sowie die Forschungsförderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Diese Schwerpunkte finden sich auch in ihren Forschungsprojekten wieder. In dem von ihr geleiteten interdisziplinären Sonderforschungsbereich (SFB) Transregio TRR 298 SIIRI etwa arbeiten Forschende aus Medizin, Ingenieurwesen, Natur- und Sozialwissenschaften gemeinsam an der Aufgabe intelligente Implantate für verschiedene Anwendungsbereiche zu entwickeln, um diese sicherer und weniger anfällig für Infektionen zu machen. „Innovationen entstehen immer an den Schnittstellen der verschiedenen Disziplinen“, stellt die Wissenschaftlerin fest.

Diese Zusammenarbeit hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) Ende 2025 mit einer Anschlussförderung von zwölf Millionen Euro für weitere dreieinhalb Jahre belohnt. Ebenfalls erfolgreich in die Förderverlängerung gegangen ist ihre DFG-Forschungsgruppe zu maßgeschneiderten Zahn- und Kieferimplantaten. Mit dem Aufbau eines integrierten Graduiertenprogramms für die Implantatforschung im SFB SIIRI und eigenen Projekten innerhalb von Graduiertenprogrammen wie der Graduiertenschule „RNApp“, engagiert sich die Zahnmedizinerin überdies ganz speziell für Nachwuchsforschende und untersucht das Zusammenspiel der Mikroorganismen in der Mundflora und entwickelt innovative Strategien, um Biofilme auf Implantaten zu reduzieren und das Einwachsen von Implantaten in den Knochen zu verbessern. „Gemeinsam mit dem Dekanat für akademische Karriereentwicklung möchte ich die bestehenden Förderprogramme an der MHH weiter ausbauen und damit die Förderung und interdisziplinäre Vernetzung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in allen Karrierestufen vorantreiben.“

Um kluge Köpfe und hochrangige Förderprogramme werben

Auch in der Gremienarbeit kann die Forschungsdekanin viel vorweisen, ist bestens mit zahlreichen Einrichtungen vernetzt –in der DFG als Mitglied der Senatskommission für Grundsatzfragen der klinischen Forschung oder als stellvertretende Vorstandsvorsitzende im Niedersächsischen Zentrum für Biomedizintechnik, Implantatforschung und Entwicklung (NIFE). Seit 2026 gehört sie zudem dem Medizinausschuss des Wissenschaftsrates an. Außerdem engagiert sie sich im Richtlinienausschuss „Biomaterialien in der Medizintechnik“ des Vereins Deutscher Ingenieure, ist Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. „Die Vernetzungen im Wissenschaftssystem möchte ich nutzen, um die MHH als anerkannte Forschungseinrichtung nach außen sichtbarer zu machen und dadurch weitere kluge Köpfe an unsere Hochschule zu holen und neue, hochrangige Förderprogramme und Forschungsverbünde einzuwerben“, erklärt die Forschungsdekanin.

Neue Akzente setzen, das möchte die Forschungsdekanin auch beim Thema Digitalisierung. „Diese eröffnet neue Möglichkeiten, ist entscheidend in der Medizintechnik und Robotik und für die Vorhersage von Krankheits- und Therapieverläufen“, stellt Professorin Stiesch fest. Digitalisierung helfe zudem bei der lückenlosen Nachverfolgung der Patientinnen und Patienten, etwa um Krankheiten früh zu erkennen oder zu verhindern, dass sie weiter fortschreiten oder wieder aufflammen. „Auch in der Aufbereitung großer Forschungsdatenmengen für die Entdeckung von Biomarkern in der personalisierten Medizin spielt sie eine entscheidende Rolle“, sagt die Zahnmedizinerin. Zwar sei in allen Bereichen an der MHH schon viel Herausragendes auf den Weg gebracht worden. „Aber es bleibt noch immer viel zu tun.“

Kasten: Die Aufgaben der Forschungsdekanin

Die Forschungsdekanin gestaltet in Zusammenarbeit mit der Präsidentin die Forschungslandschaft an der MHH. Sie leitet die Forschungskommission, die einmal pro Monat tagt, und berät den Senat in Forschungsangelegenheiten. Bei Neuberufungen, Initiativen für Sonderforschungsbereiche, Karrierefragen, Promotionen und Habilitationen steht die Forschungsdekanin beratend zur Verfügung. Sie kooperiert mit der Ombudsperson der MHH (seit Oktober 2025 Prof. Dr. Karin Weißenborn) für die Einhaltung der Guten Wissenschaftlichen Praxis, deren Richtlinien Fehlverhalten in der Forschung vermeiden sollen. Hinzu kommen repräsentative Aufgaben bei Preisverleihungen, etwa im Rahmen von Promotionsfeiern, Ehrungen und Antrittsvorlesungen.

Text: Kirsten Pötzke