Europaweit spitze: 2025 wurden an der MHH 365 Organe und 229-mal Stammzellen transplantiert.
Erfolgreiche Leber-Lebendspende dank interdisziplinärer und multiprofessioneller Zusammenarbeit (von links): Kinderkrankenpflegerin Carola Friedrich, PD Dr. Imeke Goldschmidt, PD Dr. Philipp Felgendreff, Prof. Dr. Tung Yu Tsui (vorne), Dr. Nicolas Richter, Spender Timo und Prof. Dr. Ulrich Baumann. Copyright: Karin Kaiser/MHH
Timo hat seinem dreijährigen Sohn im Januar 2026 einen Teil seiner Leber gespendet. „Meinem Kind zu helfen, war selbstverständlich“, sagt der Vater. „Zu wissen, dass ich ihm mit meiner Spende eine echte Zukunft ermöglichen kann, ist das Wichtigste.“ Bei der Leber-Lebendspende wird das an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) entwickelte Split-Leber-Verfahren eingesetzt, das die Teilbarkeit und Regenerationsfähigkeit der Leber nutzt. „Ohne die Bereitschaft von Angehörigen zur Lebendspende hätten viele Kinder mit schweren Lebererkrankungen heute keine ausreichende Therapieoption“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Baumann, Leiter der Kindergastroenterologie und -hepatologie in der MHH-Klinik für Pädiatrische Nieren-, Leber- und Stoffwechselerkrankungen und Neuropädiatrie. 2025 haben fünf Angehörige einen Teil ihrer Leber gespendet.
„Hunderte gerettete oder deutlich verbesserte Leben“
Insgesamt wurden an der MHH im vergangenen Jahr 365 solide Organe transplantiert: 24 Herzen, 110 Lungen, 80 Lebern, 148 Nieren und drei Bauchspeicheldrüsen. Das sind erneut knapp zehn Prozent mehr als im Vorjahr. 2024 waren es 333 Transplantationen: 24 Herzen, 104 Lungen, 76 Lebern, 125 Nieren und vier Bauchspeicheldrüsen. Bundesweit ist laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation die Zahl der nach dem Tod gespendeten Organe von 2.854 im Jahr 2024 auf 3.020 Spenderorgane im Jahr 2025 gestiegen. „Hinter diesen Zahlen stehen Hunderte gerettete oder deutlich verbesserte Leben“, sagt Prof. Dr. Moritz Schmelzle, Leiter des interdisziplinären Transplantationszentrums an der MHH und Direktor der MHH-Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie. „Diese Entwicklung verdanken wir dem engagierten interdisziplinären und multiprofessionellen Team an der MHH – und vor allem den Spenderinnen und Spendern sowie ihren Familien, die sich für eine Organspende entschieden haben.“
3000. Lunge und 4000. Leber transplantiert
2025 wurde die 3000. Lunge und die 4000. Leber in der MHH-Geschichte transplantiert. Insgesamt wurden seit 1968 damit 16.528 solide Organe an der MHH transplantiert. Das Transplantationszentrum verzeichnete im vergangenen Jahr neben dem Anstieg bei Lungen-, Leber- und Nierentransplantationen auch ein Plus bei den Leber- und Nieren-Lebendspenden. 40 der 148 transplantierten Nieren und fünf der 80 verpflanzten Lebern stammten aus einer Lebendspende – im Vorjahr waren es 34 Nieren- und acht Leber-Lebendspenden. Die Transplantationenzahlen bei Kindern und Jugendlichen blieben stabil: 52 der insgesamt 365 Organe gingen an Kinder und Jugendliche, darunter zwei Herzen, zwölf Lungen, 21 Lebern und 17 Nieren. Im Vorjahr waren es 53 der 333 transplantierten Organe.
Europaweit führend bei Lungentransplantationen
Zwölf der 110 im vergangenen Jahr transplantierten Lungen erhielten Kinder und Jugendliche. „Mit dieser bemerkenswerten Leistung, insbesondere im Kontext allgemein angespannter personeller Ressourcen, führt die MHH die Liste der größten Lungentransplantationszentren für Kinder und Erwachsene in Deutschland und im Eurotransplant-Verbund an", so Prof. Dr. Arjang Ruhparwar, Direktor der MHH-Klinik für Herz-, Thorax-. Transplantations-, und Gefäßchirurgie. Der Eurotransplant-Verbund vermittelt Organe zwischen Spenderkrankenhäusern und Transplantationszentren in den acht europäischen Ländern Deutschland, Österreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Ungarn, Kroatien und Slowenien.
Mehr Stammzelltransplantation und CAR-T-Zell-Behandlungen
2025 erhielten 120 Erwachsene eine allogene Stammzelltransplantation durch eine Fremdspende, 24 erhielten eine autologe Transplantation mit eigenen Stammzellen. Außerdem wurden 45 Behandlungen mit sogenannten CAR-T-Zellen durchgeführt – zelluläre Therapieansätze, bei denen Abwehrzellen des eigenen Körpers erkrankungsspezifisch verändert werden. 2024 waren es 104 allogene und 24 autologe Transplantationen sowie 31 CAR-T-Zell-Behandlungen.
Auch Kinder und Jugendliche wurden behandelt: 36 erhielten eine Transplantation mit fremden Stammzellen, zwei mit eigenen Stammzellen, zwei bekamen eine CAR-T-Zell-Therapie. Im Jahr zuvor waren es 29 allogene und zwei autologe Transplantationen sowie ebenfalls zwei CAR-T-Zell-Behandlungen.
Stammzelltransplantationen werden vor allem der Behandlung von Blut- und Lymphkrebserkrankungen eingesetzt, kommen aber auch bei bestimmten genetischen Bluterkrankungen, Immundefekten, Autoimmunerkrankungen sowie in spezialisierten zelltherapeutischen Verfahren zum Einsatz.
Text: Camilla Mosel