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Logopädisches Eigeninterventionsprogramm in der Stimmtherapie

Kooperationsprojekt: Experimentelle Phoniatrie der HNO-Klinik, Institut für Allgemein- und Palliativmedizin, Institut für Biometrie

Copyright: MHH/Digitale Medien

Hintergrund 

Aufgrund des wachsenden Fachkräftemangels müssen Patient*innen mit Sprach-, Sprech-, Schluck oder Stimmstörungen immer länger auf einen Therapieplatz warten. Gleichzeitig haben Stimmstörungen in den letzten Jahren zugenommen. Um dem Versorgungsengpass bei der Behandlung von Stimmstörungen entgegenzuwirken, könnten gezielte stimmtherapeutische Eigenlernformate zum Einsatz kommen. Bislang gibt es jedoch keine gesicherten Daten darüber, ob eine Stimmtherapie mit einem erhöhten Eigenlernanteil genauso wirksam ist, wie die bisherige sehr personal-, zeit- und kostenintensive Stimmtherapie.

 

Ziel

Es soll geprüft werden, ob der Einsatz von Eigenlernprogrammen in der Stimmtherapie in Bezug auf die Verbesserung der Stimmfunktion bei funktionellen Stimmstörungen der bisherigen Therapie nicht unterlegen ist. Das Ziel besteht darin, herauszufinden, ob eine Stimmtherapie mit Eigenlernanteil nicht nur die Stimmfunktion verbessern kann, sondern auch, ob dieses Setting Einfluss auf die Motivation sowie die persönliche Zufriedenheit der Patient*innen nimmt. Zudem sollen die Faktoren erfasst werden, die eine gelingende Anwendung des Eigenlernens (EL) in der Stimmtherapie beeinflussen. Die Patient*innen sollen dabei befähigt werden, ein stimmtherapeutisches EL-Programm selbstständig und eigenverantwortlich umzusetzen.

 

Methoden

Die experimentelle Phoniatrie der HNO-Klinik wird gemeinsam mit dem Institut für Allgemein- und Palliativmedizin ein videogestütztes logopädisches Eigeninterventionsprogramm entwickeln. In einer randomisierten kontrollierten Interventionsstudie mit ergänzender qualitativer Prozessevaluation (Mixed-Method Design) soll untersucht werden, ob der stärkere Einsatz von innovativen therapeutischen EL-Programmen in der Stimmtherapie der Standardtherapie unterlegen ist. Die Prozessevaluation erfolgt mehrperspektivisch über alle Studienarme in einem Mixed-Method-Design.

Die Therapie mit oder ohne verstärktem EL erfolgt in vier Vergleichsgruppen über 10 Wochen. Es werden Patient*innen, die entweder Stimmtherapie in Einzelsitzungen mit einem Eigenübungsprogramm (Gruppe B.1, 5 Einzelsitzungen, 5 EL-Sitzungen), Gruppentherapie mit einem Eigenübungsprogramm (Gruppe B.2, 5 Gruppensitzungen, 5 EL-Sitzungen) oder ausschließlich ein Eigenübungsprogramm (Gruppe C, 10 EL-Sitzungen) erhalten, mit Patient*innen verglichen, die wie bisher ohne EL-Programm, dem derzeitigen Regelfall entsprechend, in der logopädischen Praxis (Gruppe A) behandelt werden.

Für die Evaluation werden der primäre sowie sekundäre Endpunkt mittels standardisierter Verfahren erhoben. Als primärer Endpunkt wird der Voice Handicap Index 30 ermittelt. Der VHI-30 ist ein Selbstbeurteilungsbogen und erfasst funktionelle, physische und emotionale Aspekte einer Stimmstörung. Neben soziodemografischen Grunddaten der teilnehmenden Patient*innen, werden als sekundäre Endpunkte weitere messbare objektive und subjektive Stimmparameter erhoben. Ergänzend erfolgt eine Prozessevaluation der Intervention u.a. mittels Übungsfrequenz, Trainingstagebüchern und der persönlichen Perspektive der Patient*innen. Die Perspektive der behandelnden Logopäd*innen wird mittels qualitativer Interviews erhoben.


Förderung

Das Projekt wird vom Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesauschuss für den Bereich Versorgungsforschung (Themenfeld 5: Effektivere und effizientere Heilmittelversorgung durch gezielten Einsatz von Eigenübungsprogrammen) gefördert (Förderkennzeichen 01VSF25033). Der Förderzeitraum läuft vom 01.01.2026 bis zum 31.12.2028. Das Projekt wird mit insgesamt ca. 1 Million Euro gefördert.


Projektteam

Dr. Simone Miller (Projektleitung)

Experimentelle Phoniatrie der HNO-Klinik

Institut für Allgemein- und Palliativmedizin

Logopädieschule

Dr. Wenke Walther (Leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin)

Institut für Allgemein- und Palliativmedizin

Logopädieschule

Isabell Fesser M.Sc. SLT (wissenschaftliche Mitarbeiterin, Logopädin)

Experimentelle Phoniatrie der HNO-Klinik

Institut für Allgemein- und Palliativmedizin

Katharina Peters M.Sc. SLT (wissenschaftliche Mitarbeiterin, Logopädin)

Experimentelle Phoniatrie der HNO-Klinik

Franziska Lodziewski B.Sc. SLT (Logopädin)

Experimentelle Phoniatrie der HNO-Klinik

Logopädieschule

Dr. Yvonne Ziert (Biometrikerin)

Institut für Biometrie


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Kontakt

 

Anschrift

Medizinische Hochschule Hannover

Carl-Neuberg-Straße 1

30625 Hannover