Arbeitsgruppe Kefalakes / Sandmann
In unserer Arbeitsgruppe beschäftigen wir uns mit translationalen Fragestellungen bei der chronischen Hepatitis-B- und Hepatitis-D-Virusinfektion (HBV/HDV). Ziel unserer Forschung ist es, die Pathogenese der HDV-Infektion besser zu verstehen und neue Ansätze für Diagnostik, Prognose und Therapie zu entwickeln. Hierfür verbinden wir moderne immunologische und virologische Methoden mit der Analyse großer, gut charakterisierter klinischer Kohorten.
Das Hepatitis-D-Virus ist das einzige bekannte Satellitenvirus, das Menschen infizieren kann. Es verursacht die schwerste Form der chronischen Virushepatitis und führt häufig zu einer raschen Progression der Lebererkrankung bis hin zur Leberzirrhose und zum hepatozellulärem Karzinom. Trotz erheblicher Fortschritte in den vergangenen Jahren bleiben die zugrunde liegenden Krankheitsmechanismen sowie die Faktoren, die die virale Kontrolle, die Lebererkrankung, den Therapieerfolg und den klinischen Verlauf bestimmen, nur unvollständig verstanden.
Ein Schwerpunkt unserer Arbeitsgruppe liegt auf der Charakterisierung der antiviralen Immunantwort bei chronischer HDV-Infektion. Wir untersuchen die Wechselwirkungen zwischen Virus und Wirt sowie deren Bedeutung für virale Kontrolle, Persistenz und Immunpathogenese.
Hierfür nutzen wir modernste Technologien und systemimmunologische Ansätze wie Einzelzell- und räumliche Transkriptomik, mehrfarbige Spektral-Durchflusszytometrie sowie ein breites Spektrum molekularer, immunologischer und virologischer Methoden. Die gewonnenen Datensätze werden durch bioinformatische Analysen integriert und mit detaillierten klinischen Parametern verknüpft.
Unsere Arbeiten haben wesentlich zum Verständnis der zellulären Immunantwort bei chronischer HDV-Infektion beigetragen. So konnten wir HDV-spezifische CD8+-T-Zell-Epitope identifizieren und die funktionellen Eigenschaften HDV-spezifischer CD8+-T-Zellen charakterisieren. Dabei zeigte sich, dass ein Großteil dieser Zellen nicht terminal erschöpft ist, sondern in Anwesenheit viraler Fluchtmutationen einen Gedächtnis-ähnlichen Phänotyp aufweist. Dagegen sind T-Zellen mit erhaltener antiviraler Funktion chronisch aktiviert und besonders anfällig für Apoptose.
Darüber hinaus konnten wir nachweisen, dass die Lokalisation innerhalb der Leber den Phänotyp von CD8+-T-Zellen maßgeblich beeinflusst. Intrahepatische CD8+-T-Zellen weisen einen gewebsresidenten Phänotyp mit hoher Expression angeborener Aktivierungsmarker wie NKG2D auf. Diese Befunde sprechen dafür, dass eine antigenunabhängige („Bystander“-) Aktivierung von CD8+-T-Zellen zur Immunpathogenese der chronischen HDV-Infektion beiträgt.
Unsere klinische Forschung konzentriert sich auf die Verbesserung der Diagnostik, Risikostratifizierung und Behandlung von Patientinnen und Patienten mit chronischer HDV-Infektion. Hierfür analysieren wir umfangreiche klinische Datensätze und Bioproben aus nationalen und internationalen Kohorten und verknüpfen diese mit virologischen und immunologischen Untersuchungen.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Identifizierung neuer prädiktiver klinischer Parameter und Biomarker für Krankheitsprogression und Therapieansprechen. Wir untersuchen virologische Marker, sowie nicht-invasive Verfahren zur Beurteilung der Lebererkrankung, darunter die transiente Elastographie, sowie hämodynamische Parameter der portalen Hypertension. Unsere Arbeiten konnten zeigen, dass neue virologische Biomarker das Therapieansprechen vorhersagen können und dass nicht-invasive Verfahren eine zuverlässige Risikostratifizierung bei chronischer HDV-Infektion ermöglichen. Darüber hinaus untersuchen wir die Auswirkungen antiviraler Therapien auf den Verlauf fortgeschrittener Lebererkrankungen und die portale Hypertension in enger Kooperation mit der AG Maasoumy.
Die enge Verzahnung von klinischer Forschung mit immunologischen und virologischen Analysen bildet das Fundament unserer Arbeitsgruppe. Durch die Integration molekularer Mechanismen mit klinischen Verläufen identifizieren wir Faktoren, die mit viraler Kontrolle, Persistenz, Krankheitsprogression und Therapieansprechen assoziiert sind. Dieses Wissen soll dazu beitragen, neue diagnostische und therapeutische Strategien zu entwickeln und das Management von Patientinnen und Patienten mit chronischer HDV-Infektion zu personalisieren und nachhaltig zu verbessern.
Unsere Forschung wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), das Exzellenzcluster RESIST, das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), das EU-Programm Horizon Europe, sowie durch interne Fördermechanismen der Medizinischen Hochschule Hannover gefördert.
Weitere Informationen
Unsere Arbeitsgruppe
Dr. med. Helenie Kefalakes
Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie und Endokrinologie
Medizinische Hochschule Hannover OE 6810
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
Telefon +49 511 532-83742
kefalakes.helenie@mh-hannover.de
PD Dr. med. Lisa Sandmann
Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie und Endokrinologie
Medizinische Hochschule Hannover OE 6810
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
Telefon +49 511 532-3850
sandmann.lisa@mh-hannover.de
- Rahaf Albarghash, MSc (PhD Studentin, HBRS Infection Biology)
- Shruti Chowdhury, MSc (PhD Studentin, HBRS Infection Biology)
- Ali Ehsani, MSc (PhD Student, BIOMEDAS)
- Reem Hoblos, MSc (PhD Studentin, HBRS Infection Biology)
- Vrinda S. Nair, MSc (PhD Studentin, HBRS Infection Biology)
- Estéban Schlimme, MSc (PhD Student, HBRS Infection Biology)
- Mara Lissek, TA
- Merle Greiß, cand. med.
- Anna Hahn, cand. med. (KlinStrucMed)
- Robin Iker, cand. med. (StrucMed)
- Manfred Anim, PhD
- Carina Jacobsen, PhD (aktuelle Position: Arbeitsgruppenleiterin, DSMZ Braunschweig)
- Katja Steppich, PhD (aktuelle Position: Projektmanagerin, HepNet Study House)