Forschungsprojekt MAUA
Projekttitel: Geschlechterunterschiede in Arbeitsbedingungen und Gesundheit: Moderne Arbeit - Ungleiche Arbeit?
Allgemeine Informationen
Förderkennzeichen: 76ZN2216
Förderprogramm: Pro*Niedersachsen
Fördererer: Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur
Fördersumme: 173.076€
Projektlaufzeit: 2025-2027
Projektleitung: Prof. Dr. Johannes Beller, PD Dr. Stefanie Sperlich
Projektmitarbeiter*innen: Dr. Batoul Safieddine, Rieke Kell
Kurzbeschreibung
Geschlechterunterschiede in der Gesundheit werden in der Literatur als Paradoxon beschrieben: Frauen weisen zwar eine höhere Lebenserwartung auf als Männer, berichten aber oft über einen schlechteren Gesundheitsstatus. Aktuelle Studien zeigen, dass diese Gesundheitsunterschiede besonders ausgeprägt im Kernerwerbsalter sind und in bestimmten Berufsgruppen stärker auftreten. Eine mögliche Erklärung hierfür stellen ungleich verteilte Arbeitsbedingungen dar. Allerdings existiert derzeit kaum Evidenz darüber, inwiefern Arbeitsbedingungen tatsächlich Geschlechtsunterschiede in der Gesundheit erklären können.
Das geplante medizinsoziologische Forschungsprojekt setzt hier an und untersucht aus interdisziplinärer Perspektive, inwiefern Arbeitsbedingungen Geschlechterunterschiede in der physischen und psychischen Gesundheit erklären können. Die Datengrundlage bildet die BAuA-Arbeitszeitbefragung mit den Wellen 2015, 2017, 2019, 2021 und 2023. Als Arbeitsbedingungen werden sowohl physische Aspekte (z.B. schweres Heben, Zwangshaltungen), psychosoziale Aspekte (z.B. Arbeitsanforderungen, Kontrolle) als auch strukturbezogene Aspekte (z.B. Schichtarbeit) berücksichtigt.
Aufbauend auf einem intersektionalen Untersuchungsansatz, der neben dem Geschlecht weitere soziodemographische Faktoren wie Alter, Einkommen, Beruf und Bildungsniveau einbezieht, untersucht das Projekt die folgenden Forschungsfragen:
- Inwiefern bestehen generelle und intersektionale Geschlechterunterschiede in Arbeitsbedingungen in Deutschland?
- Inwiefern erklären Arbeitsbedingungen Geschlechtsunterschiede in der physischen und psychischen Gesundheit?
Durch die Anwendung fortgeschrittener statistischer Methoden wie der rekursiven Partitionierung und Strukturgleichungsanalysen können komplexe Interaktionen zwischen verschiedenen soziodemografischen Variablen aufgedeckt und spezifische vulnerable Subgruppen identifiziert werden. Die gewonnenen Erkenntnisse haben das Potenzial, zur Verbesserung der Bevölkerungsgesundheit beizutragen und Impulse für eine gendergerechte betriebliche Gesundheitsförderung zu geben.