Dank einer Spende des Vereins Kinderherz Hannover stehen nun sechs Appartements für Internationals bereit
Halten die Schlüssel für die ersten Bewohner bereit: Tischlermeister und Raumplaner Ralf Helmrich, Hanns Werner Staude, Petra Heyde und PD Dr. Alexander Horke. Copyright: Anna Junge/medJUNGE
Als Arbeitskraft in ein fremdes Land gehen, eine neue Sprache erlernen, eine Berufsanerkennung durchlaufen – und keine Wohnung finden? Vielen Pflegefachpersonen aus dem Ausland ergeht es so. Dabei spielen sie angesichts des Pflegekräftemangels eine zentrale Rolle im Gesundheitssystem. Auch die Kinderherzmedizin ist vom Pflegekräftemangel stark betroffen. An der MHH gibt es in dem Punkt nun einen Fortschritt: Auf dem Campus wurden sechs ehemals stillgelegte 1-Zimmer-Appartements wieder hergerichtet. Sie sollen die Unterbringung von internationalem Pflegefachpersonal während der Berufsanerkennung sicherstellen.
Wohnungssuche immer wieder ein Problem
„Die Internationalisierung in Forschung, Lehre und Gesundheits- und Krankenversorgung ist ein zentrales Element der Zukunftsstrategie der MHH“, betont MHH-Vizepräsident Professor Dr. Frank Lammert. Aktuell starten in der MHH, flankiert durch internationale Programme, bis zu 100 Personen pro Jahr im Pflege- und OP-Bereiche. Die meisten von ihnen haben in ihrem Heimatland bereits eine Pflegeausbildung absolviert, müssen aber in Deutschland noch eine Berufsanerkennung durchlaufen und eine Sprachprüfung bestehen. Bis dahin arbeiten sie auf unterschiedlichen Stationen als Pflegehelferin oder -helfer. „Die Wohnungssuche für die neuen Kolleginnen und Kollegen ist immer wieder ein großes Problem, da wir nur auf ein kleines Kontingent des Studentenwerks und den freien Wohnungsmarkt zugreifen können“, erklärt Pflegedirektorin Claudia Bredthauer.
Die neuen Ein-Zimmer-Appartements konnten durch eine Kooperation des Vereins Kinderherz Hannover, der Kinderherzchirurgie und des Integrationsmanagement Pflege wieder bewohnbar gemacht werden. Nach einer Teilsanierung verfügen sie nun über einen Eingangsbereich mit Kitchenette, ein Badezimmer und einen kleinen Balkon. Eine Grundausstattung an Möbeln ist ebenfalls vorhanden. Finanziert wurde das Ganze durch eine Spende von 60.000 Euro vom Verein Kinderherz Hannover. „Es ist einfach wichtig, den Internationals ein Dach über dem Kopf zu geben“, sagt Hanns Werner Staude, erster Vorsitzender des Vereins. „Ich freue mich, dass wir das gemeinsam so gut hinbekommen haben.“ Dem kann Privatdozent Dr. Alexander Horke, Bereichsleiter der Chirurgie angeborener Herzfehler, nur zustimmen. Denn auch in der Kinderherzmedizin arbeiten internationale Pflegefachpersonen. „Wir sollten sie unbedingt dabei unterstützen, hier Fuß zu fassen. Die großzügige Spende hilft dabei sehr“, betont der Chirurg.
Drei Fragen an …
Petra Heyde, Integrationsbeauftragte Pflege
Aus welchen Ländern kommen die Internationals?
Heyde: Viele kommen aus den ehemaligen Balkanstaaten, Tunesien und Iran. Im vergangenen Jahr ist es uns erstmals gelungen, auch Pflegende aus Süd- und Mittelamerika sowie Indien und Ägypten zu gewinnen.
Die Rekrutierung der neuen Kolleginnen und Kollegen ist teilweise sehr schwierig. Warum?
Heyde: Deutschland ist für diese zum Teil sehr gut ausgebildeten Fachkräfte nicht das Auswanderungsziel Nummer eins. Andere Länder, beispielsweise Kanada, Großbritannien und die skandinavischen Länder sind für viele attraktiver. Wir stehen in globaler Konkurrenz, daher ist die Rekrutierung erfahrener Pflegefachpersonen herausfordernd.
Wie können Sie und ihre Kollegin die Neuen bei ihrem Start in Hannover unterstützen?
Heyde: Wir beraten und begleiten sie in allen Fragen rund ums „neue Leben“ in Deutschland, helfen bei der Berufsanerkennung und bei Visa-Verfahren, bieten eine spezielle Sprachförderung und eine intensive Praxisanleitung auf den Stationen. Und natürlich sind wir auch bei der Wohnungssuche behilflich.
Text und Interview: Tina Götting