Aus der MHH

Ehrungen für wegweisende Krebsforschung

Die Förderstiftung MHH plus zeichnet Dr. Janna Heide und Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt mit Zimmermann-Preis und -Medaille aus.

Das Gruppenbild zeigt (von links): Forschungspreisträgerin Dr. Janna Heide (UKE), ihren Laudator Prof. Dr. Ulf Panzer (UKE), Medaillenempfänger Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt, Kuratoriumsmitglied Prof. Dr. Hillemanns, MHH-Präsidentin Prof. Dr. Denise Hilfiker-Kleiner, Laudator Prof. Dr. Florian Heidel, Kuratoriumsvorsitzende Prof. Dr. Hildegard Büning und Prof. Dr. Siegfried Piepenbrock, stv. Stiftungsratsvorsitzender der Förderstiftung. Copyright: Annika Morchner/MHH

Der Johann-Georg-Zimmermann-Forschungspreis und die Johann-Georg-Zimmermann-Medaille zählen zu den renommiertesten Auszeichnungen im Bereich der Krebsforschung in Deutschland. Am vergangenen Mittwoch wurden die Preise an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) von der Präsidentin Prof. Dr. Denise Hilfiker-Kleiner übergeben: „Ich gratuliere der Preisträgerin und dem Preisträger herzlich zu dieser Auszeichnung. Ihre Arbeiten zeigen eindrucksvoll, wie exzellente Forschung den Weg in die klinische Anwendung findet und neue Behandlungsoptionen für Patientinnen und Patienten eröffnet“, betonte die Präsidentin bei der Preisverleihung.

Auszeichnung für Myelom-Experten

Mit der Johann-Georg-Zimmermann-Medaille wurde in diesem Jahr Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt geehrt. Der Hämatologe und Onkologe leitet die GMMG-Studiengruppe (German Speaking Myeloma Multicenter Group) in der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie des Universitätsklinikums Heidelberg und am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg (NCT). Er gilt international als ausgewiesener Experte auf dem Gebiet des Multiplen Myeloms.

„Das Multiple Myelom ist eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks und gehört zur Gruppe der Blutkrebserkrankungen. Dabei vermehren sich im Knochenmark krankhaft veränderte Plasmazellen. Diese Zellen des Immunsystems sind normalerweise für die Bildung von Antikörpern verantwortlich, entarten beim Multiplen Myelom jedoch“, erklärte Professor Goldschmidt.

Ein besonderer Schwerpunkt in der Arbeit von Professor Goldschmidt liegt in der engen Verzahnung von klinischer Forschung und Patientenversorgung. Seit vielen Jahren ist er maßgeblich an der Entwicklung und Durchführung zahlreicher klinischer Studien zum Multiplen Myelom beteiligt. Dabei stehen die systematische Prüfung neuer Therapiekonzepte sowie die Weiterentwicklung von Behandlungsstrategien im Mittelpunkt.

„Ich freue mich sehr über diese besondere Auszeichnung. Sie ist für mich auch eine Anerkennung der langjährigen und sehr guten Zusammenarbeit innerhalb der Myelomforschung und der gemeinsamen Anstrengungen, neue Behandlungsansätze für diese Erkrankung voranzubringen“, sagte Goldschmidt. Unter seiner Leitung hat sich die GMMG zu einem der bedeutendsten Netzwerke für klinische Myelomforschung im deutschsprachigen Raum entwickelt. Sie ist durch zahlreiche nationale und internationale Kooperationen sowie ein breites Studienportfolio in allen Krankheitsstadien geprägt.

Auszeichnung für Forscherin auf dem Weg zu gezielteren Krebstherapien

Den mit 10.000 Euro dotierten Johann-Georg-Zimmermann-Forschungspreis erhielt Dr. Janna Heide vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Die Medizinerin forscht an neuen Wirkstoffen, die gezielt in biologische Prozesse des Bindegewebes, das den Tumor umgibt, eingreifen und so neue Behandlungsmöglichkeiten für Krebserkrankungen eröffnen.

Ausgezeichnet wurde ihre Arbeit zur Entwicklung eines NNMT-Inhibitors als potenzieller neuer Therapieansatz bei Tumoren im Zusammenhang mit Eierstock-, Brust-, und Dickdarmkrebs. NNMT steht für Nicotinamid-N-Methyltransferase, ein Enzym, das am Zellstoffwechsel beteiligt ist und in den Bindegewebszellen der Tumore vermehrt aktiv sein kann. Ein Inhibitor ist ein Wirkstoff, der die Aktivität dieses Enzyms gezielt hemmt.

„Die Erforschung solcher Zielstrukturen ist ein wichtiger Schritt, um neue Behandlungsmöglichkeiten für verschiedene Krebserkrankungen zu erschließen. Besonders interessiert mich, wie sich grundlegende biologische Mechanismen in konkrete therapeutische Ansätze übersetzen lassen. Die Auszeichnung motiviert mich, die Forschung zu Mechanismen der Tumorentstehung weiter voranzutreiben, mit dem Ziel, langfristig gezieltere Behandlungsoptionen für Patientinnen und Patienten zu entwickeln“, sagte Dr. Heide.

Über den Johann-Georg-Zimmermann-Preis

Der Johann-Georg-Zimmermann-Preis wurde erstmals 1973 verliehen und zählt heute zu den wichtigsten Auszeichnungen Deutschlands im Bereich der Krebsforschung. Um wissenschaftlichen Nachwuchs und langjähriges Engagement gleichermaßen zu fördern und anzuerkennen, ist die Auszeichnung zweigeteilt: Der Forschungspreis würdigt aktuelle wissenschaftliche Arbeiten von Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforscher (bis 40 Jahre) und ist mit 10.000 Euro dotiert. Die mit 2.500 Euro dotierte Medaille erhält eine Persönlichkeit, die sich in besonderer Weise um die Bekämpfung von Krebserkrankungen verdient gemacht hat. Der Johann-Georg-Zimmermann-Preis wird von der Förderstiftung MHH plus finanziert und gemeinsam mit dem Comprehensive Cancer Center Niedersachsen (CCC-N) verliehen.

Seit diesem Jahr ist Prof. Dr. Hildegard Büning Vorsitzende des Kuratoriums des Johann-Georg-Zimmermann-Preises. „Der Johann-Georg-Zimmermann-Preis steht seit Jahrzehnten für wissenschaftliche Exzellenz und die Förderung innovativer Krebsforschung. Dies ist die Ausgangsbasis für die Entwicklung von innovativen therapeutischen Ansätzen zur Verbesserung der Versorgung von Patientinnen und Patienten. Es ist beeindruckend zu sehen, wie die Preisträgerinnen und Preisträger durch ihren wissenschaftlichen Beitrag und ihr außergewöhnliches Engagement hierzu beigetragen haben und weiterhin beitragen. Ich freue mich, diese wichtige Aufgabe im Kuratorium begleiten zu dürfen“, erklärte Professorin Büning.

Neu in diesem Jahr war der Johann-Georg-Zimmermann Exchange Hub: Vor der Preisverleihung tauschten sich sechs Promovierende der MHH bei einem Mittagessen mit Dr. Janna Heide über Karrierefragen aus – von Auslandsaufenthalten bis hin zu beruflichen Perspektiven an Universitätskliniken oder in der Pharmaindustrie sowie zum Umgang mit Rückschlägen oder vermeintlichen Umwegen im Lebenslauf. Das von Professorin Büning initiierte und moderierte Format fand großen Anklang und soll nach Möglichkeit bei der nächsten Preisverleihung wiederholt werden.

Text: Jana Illmer-Krüger