Gesundheit

MHH baut Angebot zur Früherkennung von Lungenkrebs aus

Bei kontroll- und abklärungsbedürftigen Befunden im Lungenkrebsscreening können radiologische Praxen eine Zweitbefundung anfordern.

PD Dr. Julian Glandorf und Prof. Dr. Sabine Dettmer aus der MHH-Radiologie beurteilen eine CT-Aufnahme der Lunge an einem Computerbildschirm

PD Dr. Julian Glandorf und Prof. Dr. Sabine Dettmer aus der MHH-Radiologie beurteilen eine CT-Aufnahme der Lunge. Die radiologische Zweitbefundung unterstützt niedergelassene Praxen dabei, auffällige oder unklare Befunde im Rahmen des Lungenkrebsscreenings fachärztlich einzuordnen. Copyright: Karin Kaiser/MHH

Seit April 2026 ist das Lungenkrebs-Screening für starke Raucherinnen und Raucher eine neue Früherkennungsleistung der gesetzlichen Krankenkassen. Ziel ist es, Lungenkrebs möglichst früh zu erkennen und die Behandlungschancen zu verbessern. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) bietet dafür jetzt eine radiologische Zweitbefundung an. Niedergelassene radiologische Praxen können Bilddaten aus Computertomografie-Untersuchungen (CT) an die MHH übermitteln. Die Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen.

Eine unabhängige zweite spezialisierte Einschätzung wird für kontroll- und abklärungsbedürftige Rundherde vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Sie hilft, unklare Befunde besser einzuordnen. „Unser Ziel ist es, den Patientinnen und Patienten gemeinsam mit den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen sowohl zusätzliche Sicherheit zu geben als auch unnötige Untersuchungen und Eingriffe zu vermeiden“, sagt Privatdozent Dr. Julian Glandorf, Sektionsleiter für pulmonale Bildgebung und Oberarzt im Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der MHH.

Kleine Auffälligkeiten, große diagnostische Herausforderung

Niedrigdosis-CT-Untersuchungen können bereits kleinste Veränderungen in der Lunge sichtbar machen. Diese sind nicht zwangsläufig bösartig. Manche müssen lediglich beobachtet, andere weiter abgeklärt werden. Bei auffälligen Befunden können die Patientinnen und Patienten unmittelbar an die Pneumologie der MHH angebunden werden. Das durch die Deutsche Krebsgesellschaft zertifizierte Lungenkrebszentrum der MHH bietet eine umfassende Diagnostik und Behandlung an. In interdisziplinären Tumorkonferenzen beraten die Spezialistinnen und Spezialisten gemeinsam über die individuellen weiteren Diagnostiken und erforderlichen Therapien. Den Patientinnen und Patienten steht dabei das gesamte Spektrum moderner Behandlungsmöglichkeiten inklusive der Teilnahme an Studien zur Verfügung.

Ziel der Früherkennung ist es, Lungenkrebs in einem frühen Stadium zu entdecken und ihn durch eine Operation zu heilen. Seit März 2025 steht der MHH hierfür ein neues robotisches System zur Verfügung, mit dem es möglich ist, auch komplexere Operationen besonders schonend mit nur einem einzigen Schnitt durchzuführen.

Kooperation mit radiologischen Praxen

Die MHH hat Kooperationsverträge mit radiologischen Praxen im Großraum Hannover geschlossen. Erste Praxen haben bereits Fälle zur Zweitbefundung übermittelt. „Wir arbeiten bereits seit vielen Jahren vertrauensvoll mit der MHH zusammen. Dass wir diese Zusammenarbeit nun auch im Rahmen des Lungenkrebsscreenings weiter ausbauen können, ist für uns eine schöne Entwicklung. Besonders wichtig ist uns der direkte Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen der MHH. So können wir Fragen zu einem Befund unkompliziert besprechen und die Expertise aus Klinik und Praxis miteinander verbinden“, sagt Dr. Lotte Thöne, Fachärztin für Radiologie, Röntgenpraxis Am Marstall GbR in Hannover.

Wer kommt für das Screening infrage?

Das Angebot richtet sich an gesetzlich Versicherte zwischen 50 und 75 Jahren, die mindestens 25 Jahre geraucht haben und entweder noch rauchen oder vor weniger als zehn Jahren aufgehört haben. Weitere Informationen unter https://lungencheck-niedersachsen.mhh.de/ sowie https://www.mhh.de/institut-fuer-diagnostische-und-interventionelle-radiologie/lungen-check

Text: Jana Illmer