Durch zusätzliche OP-Kapazitäten und mehr Personal wird die Versorgung der Brustkrebspatientinnen gesichert.
Mammographie: Viele Brustkrebserkrankungen werden durch diese Untersuchung festgestellt. Copyright: Karin Kaiser/MHH/KI generiert
Die Medizinische Hochschule Hannover bietet als zertifiziertes Brustzentrum seit vielen Jahren eine qualitätsgesicherte, hochmoderne universitäre Spitzenmedizin unter einem Dach an. Vor dem Hintergrund einer steigenden Anzahl von Patientinnen baut das Brustzentrum diese Kapazitäten jetzt weiter aus. Damit reagiert es auch auf die Umstrukturierung des Brustzentrums des KRH Klinikum Siloah und dessen Verlegung an den Standort Gehrden. „Die MHH hat als universitäre Maximalversorgerin einen besonderen Versorgungsauftrag und kann zusätzlichem Bedarf durch das flexible Angebot von Behandlungsmöglichkeiten gerecht werden“, betont Prof. Dr. Frank Lammert, der im MHH-Präsidium die Krankenversorgung verantwortet.
Brustkrebsdiagnosen nehmen zu
Die Zahl der Brustkrebsdiagnosen – und damit auch der Bedarf an operativen und medikamentösen Behandlungen – hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht. Nach Angaben des Robert Koch Instituts erkranken in Deutschland rund 75.000 Frauen pro Jahr neu an Brustkrebs. Der Anstieg ist einerseits auf die zunehmende Lebenserwartung der Bevölkerung, andererseits auf die verbesserte Früherkennung und die Erweiterung des Mammographie-Screening-Programms zurückzuführen.
Kapazitäten für mehr Operationen sind vorhanden
Durch die Verlegung des Brustzentrums des KRH Klinikum Siloah nach Gehrden sinkt die Zahl der zertifizierten Brustzentren im Stadtgebiet Hannover Ende dieses Jahres von vier auf drei. „Auf den dann steigenden Bedarf an Behandlungen in Hannover sind wir gut vorbereitet“, versichert Prof. Dr. Peter Hillemanns, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Die MHH-Frauenklinik verzeichnet bereits seit 2022 jedes Jahr eine 25-prozentige Steigerung bei Brustkrebsoperationen. So wurden bereits 2024 rund 400 solcher OP durchgeführt. „Erreicht werden konnte das durch die Erhöhung der monatlichen OP-Tage und dem hohen personellen Einsatz seitens der Gynäkologie und der Radiologie“ erklärt Dr. Elna Kühnle, Oberärztin des Brustzentrums. Zudem gebe es eine enge Kooperation mit der Klinik für Plastische Chirurgie, so dass das gesamte Spektrum der operativen Versorgung abgedeckt sei. Die vorhandenen Kapazitäten können zukünftig flexibel weiter ausgebaut werden – durch mehr Personal und erweiterte OP-Zeiten.
Alles unter einem Dach
An der MHH werden die Befunde jeder Patientin in der interdisziplinären Brustkrebskonferenz vor und nach der Operation besprochen. Spezialisten aus Gynäkologie, Radiologie, Pathologie, Humangenetik, Nuklearmedizin, Strahlentherapie und Psychoonkologie legen gemeinsam eine leitliniengerechte, individuell abgestimmte Behandlungsstrategie fest. „Die therapeutischen Möglichkeiten sind deutlich vielfältiger und komplexer geworden. Umso wichtiger ist es, alle relevanten Befunde und die Expertise der beteiligten Fachdisziplinen in der Tumorkonferenz zusammenzuführen und daraus die bestmögliche Behandlung für die einzelne Patientin abzuleiten“, sagt Prof. Dr. Tjoung-Won Park-Simon, stellvertretende Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Leiterin der interdisziplinären Brustkrebskonferenz. Gerade diese enge interdisziplinäre Verzahnung ermöglicht den Patientinnen eine durchgängige Versorgung ohne zusätzliche externe Wege. Als universitäre Einrichtung verfügt die MHH außerdem als einzige Klinik der Region über ein sogenanntes FBREK-Zentrum. Das ist ein spezialisiertes Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs. Die Patientinnen erhalten dort eine interdisziplinäre Beratung und Genanalyse und können bei Bedarf an einem intensivierten Früherkennungsprogramm teilnehmen.
Text: Tina Götting