Forschung und Leidenschaft im Rampenlicht: Promovenden feiern ihren Abschluss – die Gesellschaft der Freunde verleiht zwei Promotionspreise.
Ab sofort mit Doktortitel: Gruppenfoto der frisch Promovierten zusammen mit MHH-Präsidentin Prof. Dr. Denise Hilfiker-Kleiner (vorne rechts in der Mitte) und Forschungsdekanin Prof. Dr. Meike Stiesch. Copyright: Inka Burow/MHH
Promotionspreis der Gesellschaft der Freunde der MHH: Dr. rer. nat. Christine Ehlers (mit Urkunde) mit Forschungsdekanin Prof. Dr. Meike Stiesch, Dr. med. Dr. rer. nat. Theresa Graalmann und Prof. Dr. Siegfried Piepenbrock. Copyright: Inka Burow/MHH
Promotionspreis der Gesellschaft der Freunde der MHH: Dr. rer. nat. Fiona Engelke (mit Urkunde) mit Forschungsdekanin Prof. Dr. Meike Stiesch, Prof. Dr. Torsten Witte und Prof. Dr. Siegfried Piepenbrock. Copyright: Inka Burow/MHH
Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) hat bei der Promotionsfeier im Frühjahr 119 Doktortitel verliehen. Dabei waren alle Studienfächer der Hochschule vertreten: Unter den 73 Doktorandinnen und 46 Doktoranden waren 40 Medizinerinnen und 31 Mediziner, acht Zahnmedizinerinnen und zehn Zahnmediziner, 19 Naturwissenschaftlerinnen und vier Naturwissenschaftler, vier Humanbiologinnen und ein Humanbiologe sowie zwei Public-Health-Doktorandinnen. Insgesamt 14 Doktorandinnen und zwölf Doktoranden schlossen mit Auszeichnung ab.
MHH-Präsidentin Prof. Dr. Denise Hilfiker-Kleiner attestierte den Promovenden „wissenschaftliches Können, Durchhaltevermögen und Leidenschaft“ und ergänzte: „Sie haben gezeigt, wie viel möglich ist, wenn man an ein Ziel glaubt und konsequent daran arbeitet.“ Sie gratulierte mit dem Zitat der weltbekannten Verhaltensforscherin Jane Goodall: „Was du tust, macht einen Unterschied. Und du musst entscheiden, welche Art von Unterschied du machen willst.“ Anschließend rief die MHH-Präsidentin alle Promovenden auf die Bühne und überreichte die Promotionsurkunden.
Zwei Forscherinnen mit Preisen geehrt
Zwei Promovierte erhielten die mit je 2.500 Euro dotierten Promotionspreise der Gesellschaft der Freunde der MHH e.V. Die Preise für herausragende Doktorarbeiten überreichte Prof. Dr. Siegfried Piepenbrock, Vorstand der Gesellschaft der Freunde der MHH e.V., gemeinsam mit Forschungsdekanin Prof. Dr. Meike Stiesch. Die Preisträgerinnen sind Dr. rer. nat. Fiona Engelke, Klinik für Rheumatologie und Immunologie, und Dr. rer. nat. Christine Ehlers, TWINCORE, Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung.
Die Band Moonlight Trio – Adriana Soares de Almeida am Gesang, Joel Marschner am Klavier und Marla Stier am Kontrabass – verlieh der Feier mit einem abwechslungsreichen musikalischen Programm einen ganz besonderen Rahmen.
Neue Ansätze zur Diagnose der Sjögren-Erkrankung
Dr. rer. nat. Fiona Engelke (30), studierte im Masterstudiengang Biochemie an der MHH und promovierte bei Prof. Dr. Torsten Witte, Direktor der Klinik für Rheumatologie und Immunologie, unter dem Titel „Novel autoantibodies and their function in subgroups of Sjögren’s disease defined by omics approaches“ zur Rolle neuer Autoantikörper bei der Sjögren-Erkrankung. Mittlerweile ist sie Postdoktorandin im Bereich Angewandte Genetik am Institut für Humangenetik der MHH.
Die Sjögren-Erkrankung ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, die trockene Augen und einen trockenen Mund verursachen kann. In schweren Fällen können auch Organe, wie beispielsweise die Lunge, betroffen sein. Die Diagnose ist herausfordernd, da sie primär auf den Trockenheitssymptomen und den Nachweis von Ro/SSA-Antikörpern im Blut basiert. Wenn diese Antikörper fehlen, ist oft eine Gewebeprobe aus der Lippe nötig, die invasiv ist und nicht immer eindeutige Ergebnisse liefert. Zudem verläuft die Krankheit bei den Betroffenen sehr unterschiedlich, was die Wahl der passenden Behandlung und die Vorhersage des Verlaufs erschwert.
Fiona Engelke untersuchte in ihrer Dissertation neue Ansätze zur Verbesserung von Diagnose, Therapie und Prognose bei Patientinnen und Patienten mit Sjögren. Dabei identifizierte sie neuartige Antikörper als serologische Marker, die eine potenzielle Alternative zur invasiven Lippenbiopsie darstellen. Ein Teil dieser identifizierten Autoantikörper richtet sich gegen Zielstrukturen, die unter anderem auf den Speichel- und Tränendrüsen vorzufinden sind. Mithilfe funktioneller, zellkulturbasierter Analysen konnte der Wirkmechanismus dieser Autoantikörper aufgeklärt werden. Dies liefert eine mögliche Erklärung für die charakteristische Trockenheitssymptomatik und eröffnet gleichzeitig neue Ansatzpunkte für gezielte therapeutische Strategien.
Darüber hinaus konnten typische Krankheitsmuster erkannt werden, zum Beispiel Hinweise auf bestimmte Abwehrreaktionen des Immunsystems wie Entzündungen und die Beteiligung bestimmter Immunzellen. Auf dieser Grundlage konnten Patientengruppen mit ähnlichen Krankheitsmechanismen identifiziert werden, was ein besseres Verständnis der Erkrankung ermöglicht und eine Basis für individuell angepasste Therapien sowie eine genauere Prognose schafft.
Fiona Engelke hat Teile der Ergebnisse bereits in acht Original-Arbeiten publiziert, davon eine als Erstautorin.
Schonendere Behandlungen entzündlicher Hauterkrankungen
Dr. rer. nat. Christine Ehlers (31), Pharmazeutin, verfasste ihre Dissertation mit dem Titel “The role of innate immunity in inflammatory skin diseases” zur Rolle myeloider Zellen bei entzündlichen Hauterkrankungen in der Nachwuchs-Arbeitsgruppe „Translationale Immunologie“ am TWINCORE, dem Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung. Hier betreute sie Dr. med. Dr. rer. nat. Theresa Graalmann.
Seltene Erkrankungen wie Systemische Sklerose (SSc), Skleromyxödem (SMX) und Toxische epidermale Nekrolyse (TEN) gehen mit schweren Symptomen einher, sind jedoch bislang unzureichend verstanden und schwer behandelbar. Mithilfe moderner Methoden wie der spektralen Durchflusszytometrie untersuchte Christine Ehlers gezielt Immunzellen des angeborenen Immunsystems in Blut, Haut und Lunge von Betroffenen. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass sowohl zirkulierende als auch im Gewebe ansässige Immunzellen krankheitsspezifisch an Entzündungsprozessen beteiligt sind – ein bislang unbekannter Zusammenhang. Dieses verbesserte Verständnis ist wichtig, da aktuelle Therapien das Immunsystem unspezifisch unterdrücken und dadurch Infektionsrisiken erhöhen. Die gewonnenen Erkenntnisse eröffnen neue Ansätze für gezieltere, schonendere Behandlungen, welche die Versorgung von Patientinnen und Patienten verbessern könnten.
Die Forschungsarbeiten von Christine Ehlers resultierten in mehreren hochqualitativen Publikationen, unter anderem mit als Erstautorin in den international renommierten rheumatologischen Fachzeitschriften Arthritis & Rheumatology (Ehlers et al. 2025) und Rheumatology (Ehlers et al. 2025).
Die Originalpublikation von Dr. Fiona Engelke finden Sie hier.
Originalpublikationen von Dr. Christine Ehlers finden Sie hier und hier.
Text: Bettina Dunker