Uni Hildesheim und MHH wollen gemeinsam herausfinden, wie sich körperliche Aktivität auf Kinder mit Leukämie auswirkt.
Projekt mit starken Partnern (von links): Uwe Tegtbur, Anke Mayer, Mirko Buzdon, Nico Kurpiers, Thorben Sundermeier, Wolfgang Schröter, Edward-Philipp Pieper, Lia Bernewitz. Copyright: Projektteam/Universität Hildesheim
Wie wirkt sich Sport auf Kinder während und nach einer Krebsbehandlung aus? Dieser Frage geht ein neues gemeinsames Projekt der Universität Hildesheim und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) nach. Im Mittelpunkt steht eine sportwissenschaftliche Begleitstudie zur bundesweiten Leukämie-Studie, in der Daten von Kindern mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL) – einer der häufigsten Krebserkrankungen im Kindesalter – gesammelt und ausgewertet werden.
Geleitet wird das Projekt von Prof. Dr. Nicolas Kurpiers, Sportwissenschaftler an der Universität Hildesheim. „Dass Sport eine gute Sache ist, weiß man, aber was sind die konkreten Auswirkungen? Wir wollen schauen, welche Rolle körperliche Aktivität spielt und wie sie den Krankheitsverlauf beeinflussen kann, etwa im Hinblick auf Schmerzmittelverbrauch, Dauer des Krankenhausaufenthalts, Aktivitätslevel und psychisches Wohlbefinden,“ erklärt Kurpiers.
Mit-Initiatior Prof. Dr. Martin Stanulla, Kinderonkologe an der MHH und Koordinator der wissenschaftlichen Aktivitäten in der großen Leukämie-Studie ergänzt: „Wenn Bewegung das Leben von Kindern mit Leukämie nachweislich nachhaltig verbessern könnte, hätte dies enorme Bedeutung für unsere Behandlungsstrategien. Ziel unserer Forschung ist es daher herauszufinden, ob körperliche Aktivität einen messbaren Beitrag zu weniger Therapiefolgen, einer besseren Lebensqualität und einem langfristig besseren Behandlungserfolg leisten kann.“
Dazu geht das Projekt retrospektiv vor und nutzt die vielen Daten, die bereits vorliegen, jedoch nicht ausgewertet wurden: Bundesweite Daten bis zurück ins Jahr 2000 werden analysiert. Hinzu kommen die dokumentierte Verweildauer im Krankenhaus, Schmerzmittelverbrauch und ein Fragebogen, in dem die Teilnehmenden ihr Aktivitätslevel und ihre Lebensqualität vor, während und nach der Behandlung dokumentieren können. Professor Kurpiers sagt: „Dadurch können wir mit Daten von 2.000 bis 3.000 Kindern rechnen.“
Projekt mit starken Partnern
Finanziell unterstützt wird das Projekt durch die Robert Tonn Stiftung sowie den Verein für krebskranke Kinder Hannover e.V. „Wir freuen uns sehr, dieses Forschungsprojekt bereits zu Beginn als Partner maßgeblich unterstützen zu können. Aus unserer Sicht steckt dort ein großes Potential, das dazu beitragen kann, die Behandlung und Lebensqualität krebskranker Kinder nachhaltig zu verbessern“, sagt Wolfgang Schröter, Vorstandsvorsitzender der Robert Tonn Stiftung. Ebenfalls beteiligt sind Sportwissenschaftlerinnen und Sportwissenschaftler, die ihre praktische Erfahrung aus der Arbeit mit an Krebs erkrankten Kindern und Jugendlichen einbringen.
Internationale Forschung im Blick
Aufbauend auf die nun startende erste Phase des Projekts soll die Forschung langfristig ausgeweitet werden – auch international und prospektiv, also mit Blick in die Zukunft. „Mit einer größeren Datenmenge und Interventionsstudien lässt sich noch genauer untersuchen, welche Hauptbeanspruchungsformen wie Kraft oder Ausdauer, in welchem Umfang und mit welcher Intensität besonders wirksam sind,“ betont Professor Kurpiers. „Interessant ist zum Beispiel, ob Kraft- und Ausdauertraining unterschiedliche Wirkweisen auf das Immunsystem haben.“ Auf dieser Grundlage könnten anschließend Bewegungsempfehlungen abgeleitet werden, die in Prävention und Rehabilitation eingesetzt werden könnten – zur Verbesserung von Behandlung und Wohlbefinden der Kinder.
Text: Ineke Nithack/Universität Hildesheim
Weitere Informationen zum Projekt Winter- und Wassersport in der Rehabilitation krebskranker Kinder gibt es hier. Das Projekt kann über Spenden unterstützt werden, alle Details dazu hier.