zur Interdisziplinären Tumorkonferenz
des Comprehensive Cancer Center der MHH
Online-Studie für Sarkompatient*innenzur "Evaluation der Rehabilitation von Sarkomerkrankten und ihrer Versorgung mit Hilfs- und Heilmitteln - REHSa"
Das frühzeitige Erkennen und die stadiengerechte chirurgische Behandlung von Gelenk- und Skelettalen Tumoren hat als Schwerpunkt in der Klinik für Unfallchirurgie eine lange Tradition. Patienten mit unklaren Prozessen bzw. Tumoren am Bewegungs-und Stützapparat erhalten in der Spezialsprechstunde für Gelenk- und Skelettale Tumoren eine zielführende Diagnostik und ausführliche Beratung. Wir haben Verständnis für die emotional aufwühlende Situation in der Phase diagnostischer Unsicherheit und wissen mit geeigneter Bildgebung und der Einleitung nachfolgender medizinischer Maßnahmen wie z.B. Gewinnung von Gewebeproben zur raschen Diagnosefindung beizutragen.
Die interdisziplinäre Tumorkonferenz für Knochen- und Weichgewebstumoren wurde bereits 1979 als eine der ersten Tumorkonferenzen an der MHH gegründet.
Sollte bei Ihnen ein abklärungsbedürftiger Befund am Bewegungs- und Halteapparat vorliegen, sind Sie herzlich eingeladen, sich in der Sprechstunde für Gelenk- und Skelettale Tumoren vorzustellen.
Basierend auf die in der Spezialsprechstunde zusammengeführten Befunde wird Ihr Fall bei interdisziplinärem Beratungsbedarf in der Tumorkonferenz für Knochen- und Weichgewebstumoren diskutiert und das für Sie individuell passende Behandlungskonzept festgelegt.
Untersuchung, Behandlung & Nachsorge
Lokale Tumorausbreitung
- Röntgenbild in 2 Ebenen
- Ultraschalldiagnostik (Sonographie)
- Kernspin-/Magnetresonanztomographie (MRT mit Kontrastmittel)
- Computertomographie (CT mit Kontrastmittel)
Körperweite Tumorausbreitung (sog. Staging)
- Computertomographie Brust- und Bauchraum (CT Thorax & Abdomen)
- 3-Phasen-Skelettszintigraphie (Knochenszinti)
- Positronen Emissions Tomographie (PET CT)
Die definitive Tumordiagnose lässt sich häufig erst nach feingeweblicher Aufarbeitung einer Gewebeentnahme stellen. Bei in der durchgeführten Bildgebung fortbestehenden Verdacht auf einen bösartigen Tumor ist eine Biopsie zwingend notwendig. Bei Weichgewebstumoren kann in der Regel nach Interpretation der MRT Bildgebung minimalinvasiv mittels einer Stanzbiopsie (Hohlkammernadel) eine Gewebeprobe gewonnen werden. Bei primären Knochentumoren mit harter Grundsubstanz des Tumors führen wir in der Regel eine Inzisionsbiopsie (offene Biopsie) in Vollnarkose unter stationären Bedingungen durch. Es wird also eine kleine „Voroperation“ notwendig, welche bereits in einem Zentrum mit Erfahrung in der Behandlung von Tumoren des Bewegungs- & Stützapparates erfolgen sollte. Erfahrungsgemäß kann durch eine falsche Biopsietechnik die definitive Tumorentfernung deutlich erschwert werden bzw. das Lokalrezidivrisiko erhöht sein. Wir achten auf eine akribische Blutstillung und vermeiden unnötige Kontaminationen von gesundem Gewebe.
Die Tumorentfernung folgt in Abhängigkeit von der Tumorart grundsätzlichen chirurgischen Prinzipien (Enneking Kriterien). Wichtig für die chirurgische Therapie ist die Definition der Grenzzone von Tumorgewebe zu umgebendem gesundem Gewebe.
- Intraläsionale Resektion bedeutet eine portionsweise Entfernung des Tumors von innen heraus, also das der Tumor eröffnet wird und mehrteilig entfernt wird.
- Marginale Resektion bedeutet eine chirurgische Entfernung des Tumors als ganzes (enbloc) ohne Eröffnung desselben aber nahe zur Tumorpseudokapsel
- Weite Resektion bedeutet eine vollständige chirurgische Entfernung des Tumors und der Pseudokapsel mit ausreichendem Sicherheitsabstand (gesunde Gewebemanschette) unter Mitnahme des Biopsieareals.
- Radikale Resektion bedeutet eine komplette chirurgische Entfernung inklusive der tumortragenden Gewebe/Muskelloge unter Inkaufnahme von starken Funktionsdefiziten.
Während benigne Tumoren in der Regel durch marginale Resektion adäquat entfernt werden können, sollte bei bösartigen Knochen- und Weichteilsarkomen eine weite oder gar radikale Resektion angestrebt werden. Die ungünstigste Grenze zum Tumor, sei sie auch noch so klein in ihrem Anteil, ist entscheidend für die prognostische Einschätzung. Somit hat die lokale Eliminierung des Tumors die höchste Priorität, der Funktionserhalt einer Gliedmaße bleibt dem Primärziel nachgeordnet.
Verbleidende knöcherne Defekte nach Tumorentfernung erfordern eine Rekonstruktion des betroffenen Skelettabschnittes.
Biologische Rekonstruktion
Eigenknochentransplantation (Autograft)
- Spongiosa
- Knochenspan
- Gefäßgestieltes Wadenbein (Fibula)
Fremdknochentransplantation (Allograft)
- Hüftköpfe
- Knochengranulat
Knochentransport
- Kallusdistraktion
- Segmentransport
Nicht biologische (alloplastische) Rekonstruktion
Tumorendoprothetik (Megaprothesen, z.B. MUTARS)
- Alloplastischer Gelenkersatz (Hüfte, Knie, Schulter und Ellenbogen)
- Alloplastischer Skelettersatz (Becken, Oberschenkel, Schienbein, Oberarm)
Die Endoprothetik mit modularen Megaprothesensystemen hat einen festen Stellenwert in der Behandlung von knöchernen Defekten nach Tumorentfernung. Nahezu jeder Skelettabschnitt kann durch die Variabilität der Prothesensysteme ersetzt werden.
wichtige Informationen
Interdisziplinäre Tumorkonferenz für Knochen- und Weichgewebstumore
Montags 16:00 – 17:30 Uhr
im Hörsaal der Radiologie (S Ebene, Knoten E)
Anmeldung
bis jeweils donnerstags der Vorwoche 12.00 Uhr
Zusendung mit Bildgebung auf CD und Überweisung
z.Hd. Frau Maren Herten
Tel.: +49 511 532-5818
Fax: +49 511 532-5877
uch-team-tumor@mh-hannover.de
Leitung
N.N.
Als Grundlage für eine differenzierte Beratung bitten wir zum Vorstellungstermin nachfolgende Unterlagen mitzubringen:
- Überweisung vom Facharzt für Chirurgie, Unfallchirurgie oder Orthopädie
- Bisherige Bildgebung (Röntgen/CT/MRT) auf einer CD ROM im DICOM Format
- Berichte von vorangegangen Behandlungen (z.B. OP-Berichte)
- Berichte von Gewebeproben (sog. Pathologiebefunde)