Forschungsprojekte
Die Arbeitsgruppe unter der Leitung von PD Dr. rer. nat. Melanie Ricke-Hoch und PD Dr. Tobias Jonathan Pfeffer an der Klinik für Kardiologie und Angiologie der MHH untersucht molekulare Mechanismen und genetische Ursachen der Herzinsuffizienz. Ein besonderer Schwerpunkt ist die peripartale Kardiomyopathie (PPCM), eine schwangerschaftsassoziierte Herzschwäche, die gegen Ende der Schwangerschaft oder in den ersten Monaten nach der Geburt auftreten kann.
Die Forschungsarbeiten verbinden experimentelle Zell- und Tiermodelle mit klinischen Studien und Daten des deutschen PPCM-Registers. Untersucht werden unter anderem hormonelle Signalwege und Veränderungen des Fettstoffwechsels, die zur Schädigung des mütterlichen Herzens beitragen können. Ziel ist es, die Entstehung und den Verlauf der Erkrankung besser zu verstehen, Risikopatientinnen frühzeitig zu erkennen und neue Biomarker sowie gezielte Therapieansätze zu entwickeln. Damit leistet die Arbeitsgruppe einen Beitrag zur Erforschung frauenspezifischer Herzerkrankungen.
Wie erleben trans* Personen ihre medizinische Versorgung, und welche Veränderungen wünschen sie sich? Das Forschungsprojekt Trans*power untersucht Erfahrungen, Versorgungsbedarfe und Zugangsbarrieren in der Primärversorgung in Niedersachsen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Stephanie Stiel am Institut für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin der MHH verbindet das Projekt Interviews und Befragungen mit der Analyse von Krankenkassendaten und partizipativen Ansätzen. Dabei werden auch die Perspektiven von Angehörigen und behandelnden Ärzt sowie Lücken in medizinischen Lehrplänen berücksichtigt. Ziel ist es, gemeinsam Handlungsempfehlungen für eine bedarfsgerechte, diskriminierungsfreie Versorgung und die medizinische Aus- und Weiterbildung zu entwickeln.
Die Arbeitsgruppen von Prof. Dr. med. Dr. Anette Melk und Prof. Dr. med. Bernhard Schmidt untersuchen, wie Geschlecht die Nieren- und Herz-Kreislauf-Gesundheit sowie den Verlauf nach einer Organtransplantation beeinflusst. Ihre Forschung verbindet experimentelle Grundlagenarbeit mit klinischen Studien, internationalen Registeranalysen und Methoden der klinischen Epidemiologie.
Das Spektrum reicht von geschlechtsspezifischen Mechanismen der Gefäßzellalterung und zellulären Stressreaktionen bis zu Unterschieden in Krankheitsrisiken und Behandlungsergebnissen. Klinische Arbeiten befassen sich mit der kardiovaskulären Gesundheit bei Kindern mit Nierenerkrankungen und dem Einfluss von Spender- und Empfängermerkmalen auf das Transplantatüberleben. Weitere Schwerpunkte sind geschlechtsbezogene Unterschiede im Zusammenhang zwischen chronischen Nierenerkrankungen und kardiovaskulärem Risiko sowie geschlechts- und altersbezogene Muster des kardiovaskulär-renalen-metabolischen Syndroms. Hierfür werden Kohortenstudien, große Gesundheitsdatenbanken und Metaanalysen genutzt.
Ziel ist es, biologische Mechanismen und ihre klinische Bedeutung besser zu verstehen und Grundlagen für eine geschlechtersensible Prävention, Risikobewertung und Behandlung zu schaffen.
Die Arbeitsgruppe von Dr. med. Miriam Wiestler untersucht die Bedeutung von Geschlecht für chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Im Mittelpunkt stehen Unterschiede in Symptomen, Krankheitsverlauf, Lebensqualität und Therapieansprechen sowie die Rolle hormoneller, ernährungsbezogener und psychosozialer Faktoren. Die Forschungsarbeiten verbinden klinische Untersuchungen mit Analysen immunologischer Mechanismen und beziehen die Erfahrungen und Bedürfnisse von Patient ein. So untersucht beispielsweise die CARMEN-Studie den Einfluss des weiblichen Hormonzyklus auf den Erkrankungs- und Therapieverlauf. Ziel ist es, Grundlagen für eine personalisierte, geschlechtersensible Diagnostik und Behandlung zu schaffen.
Wie lässt sich Gesundheitsversorgung diskriminierungssensibel gestalten? Das Projekt „Diskriminierung in der Gesundheitsversorgung“ am Institut für Ethik, Geschichte und Philosophie der Medizin der MHH bringt wissenschaftliche Erkenntnisse und persönliche Erfahrungen miteinander ins Gespräch. Im Mittelpunkt stehen Rassismus, Behindertenfeindlichkeit und geschlechtsbezogene Diskriminierung sowie deren Zusammenwirken. In öffentlichen Veranstaltungen und Workshops tauschen sich Menschen mit Diskriminierungserfahrungen, Beschäftigte im Gesundheitswesen, Forschende und weitere Interessierte über Barrieren und Veränderungsmöglichkeiten aus. Ziel ist es, gemeinsam Ansätze zum Abbau von Diskriminierung zu entwickeln und gesellschaftliche Beteiligung an der Gestaltung einer gerechteren Gesundheitsversorgung zu stärken. Die Ergebnisse werden in einem Impulspapier zusammengeführt.
Das Versorgungsforschungsprojekt HeartGap untersuchte, wie Empfehlungen zur geschlechtersensiblen Versorgung aus medizinischen Leitlinien und pflegerischen Standards im kardiologischen Krankenhausalltag umgesetzt werden. Im Mittelpunkt standen mögliche Umsetzungslücken sowie Faktoren, die eine geschlechtersensible Behandlung und Pflege fördern oder erschweren.
Das Projekt verband eine Literaturauswertung mit qualitativen Interviews und bundesweiten Befragungen von Ärzt, Pflegekräften und Patient. Ziel war es, praxisnahe Handlungsempfehlungen zur Verringerung geschlechtsbezogener Versorgungslücken zu entwickeln, die auch auf andere Fachbereiche übertragbar sind. Die MHH war über das Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung mit Prof. Dr. Volker Amelung und Sophia Sgraja als Konsortialpartner beteiligt. Gefördert wurde das Projekt durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses.
Weitere Informationen zum Projekt HeartGap