Projekt Lebensarbeitszeit
Projekt Lebensarbeitszeit
Laufzeit: 12/20-11/23
Förderprogramm: DFG
Projektleistung: Dr. Juliane Tetzlaff
“Wie lange können wir arbeiten? Die Entwicklung der Lebensarbeitszeit aus gesundheitlicher Perspektive" (TE 1395/1-1)
In diesem Projekt widmeten wir uns der Frage, ob eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit aus gesundheitlicher Perspektive möglich ist und welche Unterschiede nach Bildung, Einkommen und zwischen Berufsgruppen bestehen. Insgesamt entstanden 14 Publikationen, die in renommierten internationalen und nationalen Fachzeitschriften veröffentlicht wurden (Liste s.u.).
Zusammenfassung
In Anbetracht der steigenden Lebenserwartung stellt die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen einer weiteren Ausweitung der Lebensarbeitszeit eines der kontroversesten sozialpolitischen Themen in Deutschland dar. Eine hinreichende Evidenz, ob eine weitere Veränderung der Lebensarbeitszeit aus gesundheitlicher Perspektive möglich ist, existiert für Deutschland bisher nicht.
Mit dem geplanten Projekt soll aus gesundheitlicher Sicht ein Beitrag zur Evidenzbasierung dieser Diskussion geleistet werden. Dabei wird insbesondere die Entwicklung sozialer und gesundheitlicher Ungleichheiten berücksichtigt. Hierzu wird die Veränderung der Lebensarbeitszeit über die Zeit analysiert. Zudem wird untersucht, ob eine Ausweitung der Lebensarbeitszeit aus gesundheitlicher Perspektive gerechtfertigt ist und inwieweit sich die Ergebnisse auf verschiedene soziale Gruppen übertragen lassen. Das Projekt entstand aus einem Langzeitvorhaben zur Morbiditätskompression sowie Studien zu gesundheitlichen Ungleichheiten und wird durch ein interdisziplinäres Team bearbeitet.
Zur Bewertung der gesundheitlichen Potentiale wird die Entwicklung der mittleren Lebensspanne bei guter Gesundheit parallel zur Entwicklung der Lebensarbeitszeit analysiert. Ziel ist es, ein möglichst breites Spektrum an Gesundheitsindikatoren und spezifischen Erkrankungen einzuschließen, die zu einem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Erwerbsleben führen.
Die Fragestellungen lassen sich in drei Hauptstränge einteilen:
· Wie entwickelt sich die durchschnittliche Lebensarbeitszeit im Zeitverlauf?
· Wie entwickelt sich die durchschnittliche Lebenszeit, die frei von Morbidität verbracht wird?
· Welchen Einfluss haben psychische und körperliche Belastungen auf die Gesundheit? Unterscheidet sich die Entwicklung der Gesundheit über die Zeit zwischen Berufsgruppen mit hohen und niedrigen Belastungen?
Um ein umfassendes Bild der gesundheitlichen Entwicklung in der Bevölkerung zu erhalten, stützt sich das Projekt sowohl auf Befragungsdaten (Sozio-Ökonomischen Panel (SOEP), Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE)) als auch auf Daten der gesetzlichen Krankenversicherung (AOK Niedersachsen). Subjektiv erfasste Gesundheitsindikatoren (z.B. subjektive Gesundheit und Behinderungen) werden anhand des SOEP- und des SHARE-Survey untersucht. Die Entwicklung spezifischer Erkrankungen wird mittels der Daten der AOK Niedersachen (> 3 Mio. Versicherte, 2005 bis 2017) untersucht. Sie bilden die komplette Sozialstruktur Deutschlands (ohne Privatversicherte) ab und sind daher über Niedersachsen hinaus aussagekräftig. Einbezogen werden Erkrankungen, die häufig zum vorzeitigen Ausscheiden aus dem Erwerbsleben führen (Herz-Kreislauferkrankungen, Muskel- und Skeletterkrankungen, Krebserkrankungen). Die Daten enthalten zudem alle notwendigen Informationen zur Berechnung der mittleren Lebensarbeitszeit und ihrer Veränderungen im Zeitverlauf.