Patienten, Angehörige, Ärzte und Pflegekräfte tauschen sich beim ersten Treffen der Langzeit-Lebertransplantierten über gewonnene Lebenszeit aus.
Am DankeMal im MHH-Patientengarten: Langzeit-Lebertransplantierte, Angehörige und medizinisches Personal danken den Organspendern. Copyright: Cornelius van Beekum/MHH
Dank einer Organspende führen sie seit mehr als 35 Jahren ein aktives Leben: Rund 20 Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige treffen sich erstmals an der Medizinische Hochschule Hannover (MHH) – und begegnen Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften, die sie über viele Jahre begleitet haben. Viele erhielten in den 1980er- und 1990er-Jahren eine neue Leber. Damit gehören sie weltweit zu den Menschen mit den längsten Überlebenszeiten nach einer Lebertransplantation.
„Diese Patientinnen und Patienten zeigen eindrucksvoll, was Transplantationsmedizin leisten kann“, sagt Prof. Dr. Moritz Schmelzle, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie und Leiter des Transplantationszentrums der MHH. „Viele von ihnen haben dank einer Organspende Jahrzehnte an Lebenszeit gewonnen, Familien gegründet, Karrieren verfolgt und wichtige Lebensereignisse erlebt.“
Ein gewonnenes Leben
Ein Beispiel ist Ilse K., die 1985 mit 36 Jahren eine Lebertransplantation erhielt, nachdem Ärzte ihre Krebserkrankung als inoperabel und unheilbar eingestuft hatten. 41 Jahre später blickt sie auf ein erfülltes Familienleben mit zwei Kindern, drei Enkeln und zwei Urenkeln. Bei der Veranstaltung sagt sie: „Dank der Transplantation konnte ich nicht nur meine Kinder und deren Kinder aufwachsen sehen, sondern erlebe auch, wie einer meiner Enkel studiert.“
Neben Vorträgen und Gesprächsrunden steht bei der Veranstaltung vor allem der persönliche Austausch im Mittelpunkt. Viele Teilnehmende wussten nicht, dass es noch so viele andere mit solch langer Überlebenszeit gibt. Gemeinsam können sie nun auf ihre Lebenswege zurückblicken – und auf mehr als 35 Jahre mit einem Spenderorgan, das ihnen ein neues Leben geschenkt hat.
Fortschritte in Transplantation und Nachsorge
„In den vergangenen Jahrzehnten haben wir in der Transplantationsmedizin große Fortschritte gemacht. Die Therapie mit Immunsuppressiva wirkt gezielter. Hygiene- und Ernährungsregeln sind einfacher“, erklärt Prof. Dr. Burckhardt Ringe, ehemaliger Oberarzt der MHH-Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie. „Die Anfänge waren schwierig, weil wir alles erst lernen mussten: die Operationstechniken und das gesamte Management der Transplantierten.“
Pionierarbeit der MHH in der Lebertransplantation
Prof. Dr. Rudolf Pichlmayr begründete 1972 das Lebertransplantationsprogramm an der MHH. Seitdem wurden mehr als 4.000 Spenderlebern an der MHH transplantiert. Der international renommierte Chirurg machte Hannover zu einem der führenden Transplantationszentren in der Welt und prägte die Entwicklung der Organtransplantation in Deutschland über Jahrzehnte. Die heute erreichten Langzeitergebnisse stehen auch für die medizinische Pionierarbeit seines Teams.
Transplantationsmedizin für alle Altersgruppen
Die MHH zählt zu den größten Transplantationszentren Deutschlands und verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Transplantationsmedizin und -forschung. Das Wissen kommt den Patientinnen und Patienten zugute. Jährlich transplantiert die MHH 300 bis 400 Organe. Im Jahr 2025 waren es 24 Herzen, 110 Lungen, 80 Lebern, 148 Nieren und drei Bauchspeicheldrüsen. Die Empfängerinnen und Empfänger kommen aus allen Altersgruppen – vom Säugling bis zum Senior.
Text: Camilla Mosel