Marc Vives Enrich nimmt als erster MHH-Doktorand an Lindauer Nobelpreisträgertagung teil.
Marc Vives Enrich hat schon Erfahrungen als Redner bei Fachtagungen sammeln können – hier bei der Euromedlab 2019 in Barcelona. Copyright: MOMO/Judit Contreras
Als Marc Vives Enrich die Einladung für die 75. Lindauer Nobelpreisträgertagung Ende Juni erhalten hat, konnte er sein Glück kaum fassen: Schließlich erhalten weltweit nur 600 Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler einmal im Jahr die Gelegenheit, mit 72 Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträgern über aktuelle Themen zu diskutieren. Forscherinnen und Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) nahmen bereits an dieser jährlich stattfindenden Tagung teil, doch ein Doktorand war bisher nicht dabei.
Vives Enrich studiert im Promotionsstudiengang „Regenerative Science“ an der MHH und forscht in der Forschungsgruppe „Endothelial Cell Function and Vascularization in the Kidney; Molecular mechanisms of Peritoneal Dialysis“ von Prof. Dr. Hermann Haller in der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen. „Mein erster Gedanke war, dass ich diese Gelegenheit unbedingt nutzen möchte, um mich mit diesen exzellenten Forscherinnen und Forschern über mein Projekt auszutauschen“, sagt Vives Enrich. Der 31-jährige Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) bewarb sich daher auch gleich um einen Vortrag und darf nun während der Tagung seine Forschungsarbeit vor den Nobelpreisträgern präsentieren. Die 75. Lindauer Nobelpreisträgertagung findet vom 28. Juni bis 3. Juli 2026 auf der Insel Lindau am Bodensee statt.
Makrophagen als Entwicklungshelfer
Vives Enrich untersucht, wie Stammzellen und Immunzellen zusammenarbeiten, um die Entwicklung von künstlichen Nieren zu fördern. „Inspiriert von Erkenntnissen über die Wechselwirkungen zwischen Makrophagen und dem Gefäßsystem in sich entwickelnden Mäusenieren wollen wir ähnliche Signalwegdynamiken in vitro nachbilden.“ Dabei untersucht der PhD-Student, wie die gemeinsame Kultivierung von menschlichen Stammzellen (iPS-Zellen) mit bestimmten Immunzellen, sogenannten Makrophagen, die aus Spenderblut stammen, dazu führen kann, dass sich die iPS-Zellen zu stark durchbluteten, nierenähnlichen Zellklumpen entwickeln. Insbesondere erforscht er, wie Makrophagen die Bildung von Blutgefäßen in diesen künstlich gezüchteten Nierengeweben beeinflussen.
Gemeinsam mit anderen Mitgliedern seines Labors entdeckte Marc Vives Enrich, dass die Zugabe von Makrophagen die Blutgefäßbildung verbessert, das Absterben von iPS-Zellen verringert, die mesodermale Musterbildung steuert und zu einem besser entwickelten, organisierten und durchbluteten Nierenorganoid führt. Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Makrophagen eine entscheidende Rolle dabei spielen, dass sich Nierenorganoide natürlicher (in-vivo-ähnlich) und damit ähnlich wie im menschlichen Körper entwickeln können. „Ich hoffe, bei der Nobelpreisträgertagung Ideen darüber austauschen zu können, wie verschiedene interdisziplinäre Ansätze die Lücke zwischen Entwicklungsbiologie, Immunologie und regenerativer Medizin überbrücken können.“
Text: Bettina Dunker