„Wir brauchen einen Neustart mit der Widerspruchslösung“

In der MHH wurden 2019 weniger Organe transplantiert. Transplantationszentrum der MHH appelliert an Bundestagsabgeordnete

Symbolbild aus einem Operationssaal; Copyright: Karin Kaiser/Kommunikation/MHH
Symbolbild aus einem Operationssaal; Copyright: Karin Kaiser/Kommunikation/MHH

14. Januar 2020, Organspende und Transplantation in Deutschland waren 2019 rückläufig. Auch an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) setzte sich dieser Trend durch. Insgesamt wurden 357 Organe transplantiert, rund zehn Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahr (2018: 404). 2019 konnten 147 Nieren, 77 Lebern, 103 Lungen und 7 Bauchspeicheldrüsen übertragen werden.

„Diese Zahlen zeigen, dass wir dringend einen Neustart bei der Organspende brauchen“, sagt Professor Dr. Axel Haverich, Leiter des Transplantationszentrums der MHH. „Den kann nur die Widerspruchslösung bringen.“ Derzeit warten im größten deutschen Transplantationszentrum rund 1.000 Erwachsene und 65 Kinder auf ein Spenderorgan. Bundesweit sind es rund 9.000 Patientinnen und Patienten.

Erweiterte Entscheidungslösung kann Organmangel wahrscheinlich nicht beseitigen

Am kommenden Donnerstag stimmt der Bundestag über zwei Gesetzesentwürfe zur Stärkung der Organspende in Deutschland ab: die Widerspruchslösung und die erweiterte Entscheidungslösung. „Wir appellieren an die Abgeordneten des Deutschen Bundestags, im Sinne der Patientinnen und Patienten, die auf ein Spenderorgan warten, für die Widerspruchslösung abzustimmen“, sagt Professor Haverich. Die erweiterte Entscheidungslösung, die keine verpflichtende Erklärung zur Organspende vorsehe, könne den Organmangel wahrscheinlich nicht beseitigen. Trotz intensiver Aufklärungsarbeit sei kaum zu erwarten, dass sich die große Mehrheit der Bevölkerung, die der Organspende nach dem Tod positiv gegenüber steht, registrieren wird.

Für die Widerspruchslösung gibt es gute Argumente:

  • Die Widerspruchslösung stellt sicher, dass der Wille des Verstorbenen umgesetzt wird. Derzeit entscheiden laut Deutscher Stiftung Organtransplantation bei etwa 40 Prozent der Organspenden in Deutschland die Angehörigen über eine Organspende.
  • Die Angehörigen sind nicht mehr gezwungen, in einer sehr belastenden Situation eine Entscheidung über eine Organspende zu treffen.
  • Eine verpflichtende Entscheidung zu Lebzeiten erhöht die Motivation, sich über Organspende zu informieren.
  • Deutschland ist Importland im Eurotransplant-Verbund. Es profitiert von der höheren Spendebereitschaft in den Partnerländern, die alle eine Widerspruchslösung haben.
  • Mit rund 80 Prozent ist die Zustimmung der Bevölkerung zur Organspende sehr hoch. Die Widerspruchslösung kann diese Zustimmung in der Praxis abbilden.

 

Weitere Informationen finden Sie bei unserem Transplantationszentrum und auf unserer Themenseite zur Organspende-Debatte.