Studium und Lehre

Jamila-Cate Tran gewinnt Bundeswettbewerb „Jugend forscht“

Mit Big Data zum Bundessieg: 20-jährige FWJlerin der MHH hat die Jury durch ihre systematische Herangehensweise überzeugt.

Jamila-Cate Tran hält ein Modell einer Niere in die Kamera.

Jamila-Cate Tran überzeugte die Jury im Bundeswettbewerb im Fachgebiet Biologie. Copyright: Stiftung Jugend forscht e.V.

Fünf junge Menschen stehen mit Urkunden vor einer Leinwand, auf der steht: Viel Erfolg auf dem Bundeswettbewerb in Herzogenaurach

Diese jungen Nachwuchsforschenden waren mit ihren MHH-Projekten beim Landeswettbewerb „Jugend forscht“ in Niedersachsen erfolgreich (von links): Jonas Knaup, Ben Schüler, Lukas Bucan (hintere Reihe) sowie Tara Mertins und Jamila-Cate Tran (vordere Reihe). Copyright: Bernhard Schmidt / MHH

Charlotte Christiansen steht hinter ihrem Stand zum Projekt „Mit Windeln gegen Weltraumstrahlung“.

Charlotte Christiansen beeindruckte im Regionalwettbewerb mit ihrem Stand zum Projekt „Mit Windeln gegen Weltraumstrahlung“. Copyright: Moritz Küstner

Die Bundessiegerinnen und Bundessieger des „Jugend forscht“-Wettbewerbs sind am Wochenende ausgezeichnet worden. Im Fach Biologie gewann Jamila-Cate Tran aus Hannover. Sie erhielt zusätzlich den Europa-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) – für ihre Forschung an sogenannten SGLT-2-Hemmern, die bei der Behandlung von Diabetes eingesetzt werden. Die 20-Jährige zeigte in einer Studie, dass sie auch Patientinnen und Patienten nach einer Nierentransplantation helfen können. „Es fühlt sich ganz großartig an, bei diesem Wettbewerb gewonnen zu haben“, so Tran. „Ich hätte eher erwartet, dass praktische Projekte gewinnen, bei denen man etwas sehen kann, und nicht eine reine Datenanalyse, wie ich sie bei meinem Forschungsprojekt gemacht habe.“

Jamila-Cate Tran absolviert ihr Freiwilliges Wissenschaftliches Jahr (FWJ) an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). In ihrem Projekt untersuchte sie, ob die ursprünglich zur Behandlung von Diabetes entwickelten Medikamente auch bei nierentransplantierten Patientinnen und Patienten ohne Diabetes das Risiko für Nieren- und Herz-Kreislauf-Komplikationen sowie die Sterblichkeit senken kann. Dazu wertete sie Behandlungsdaten von mehr als 160 Millionen Personen aus der internationalen TriNetX-Datenbank aus. Die junge Forscherin konnte zeigen, dass Patientinnen und Patienten, die mit SGLT2-Hemmern behandelt wurden, im Vergleich zu Kontrollgruppen ein besseres Transplantatüberleben und eine geringere Sterblichkeit aufweisen.

Das Forschungsprojekt überzeugte die Jury vor allem durch die systematische Herangehensweise, das umfangreiche statistische Methodenspektrum und das tiefe medizinische Verständnis der Jungforscherin. Jamila-Cate Tran nimmt nun zusammen mit zwei weiteren mit dem DFG-Europa-Preis ausgezeichneten jungen Forschern am European Union Contest for Young Scientists (EUCYS) teil, der im September in Kiel stattfindet.

FWJ als Brücke zwischen Schule und Studium

Ihr FWJ an der MHH macht Tran im Labor der Arbeitsgruppe „Klinische Epidemiologie“ in den MHH-Kliniken für Nieren- und Hochdruckerkrankungen und für Pädiatrische Nieren-, Leber- und Stoffwechselerkrankungen und Neuropädiatrie, betreut von Prof. Dr. Bernhard Schmidt und Prof. Dr. Dr. Anette Melk. „Jamilas Ergebnisse können Transplantationsmediziner ermutigen, SGLT2-Hemmer häufiger bei ihren Patientinnen und Patienten einzusetzen, die in bisherigen Studien nicht berücksichtigt wurden, aber sehr wahrscheinlich auch davon profitieren“, sagt Professor Schmidt. Professorin Melk hob in ihrer Funktion als Dekanin für Akademische Karriereentwicklung der MHH hervor, dass dem FWJ eine essenzielle Brückenfunktion zwischen der schulischen Ausbildung und der MHH zukomme: „Dieser herausragende Erfolg belegt eindrucksvoll, welch wertvolles Instrument das Programm für die MHH darstellt, um schon frühzeitig herausragende Nachwuchstalente für die Forschung zu gewinnen.“

Dritter Preis im Bundeswettbewerb für weiteres FWJ-Projekt

Für den „Jugend forscht“-Bundeswettbewerb hatten sich 159 junge Menschen qualifiziert. Wie Jamila-Cate Tran gingen auch die MHH-FWJler Ben Schüler (20) und Jonas Knaup (19) als Sieger des Landeswettbewerbs Niedersachsen im Fachgebiet Biologie in den Bundeswettbewerb. Die beiden Abiturienten erforschten einen selbst entwickelten Ansatz zur Herstellung künstlicher empfänger-unspezifischer Organe. Dabei befreiten sie bestehendes Gewebe zunächst von Zellen und besiedelten sie anschließend wieder mit neuen, gezielt genetisch veränderten Zellen. Mit diesem Projekt gewannen sie den dritten Preis.

Ben Schüler macht sein FWJ im MHH-Institut für Transfusionsmedizin und Transplantat Engineering bei Prof. Dr. Constanca Figueiredo, Jonas Knaup in der Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie bei Prof. Dr. Anna-Maria Dittrich. Die beiden lernten sich bei einem Seminar für FWJler kennen und beschlossen, gemeinsam an einem Forschungsprojekt von Schüler weiterzuarbeiten. „Ich hatte im Vorjahr bereits mit einem Projekt zur De- und Re-Zellularisierung von Lebergewebe teilgenommen und den zweiten Platz im Landeswettbewerb erreicht“, berichtet der junge Forscher.

Am Institut für Transfusionsmedizin sah Schüler die Chance, seine Experimente mit den dortigen labortechnischen Möglichkeiten fortzusetzen, zusammen mit Knaup. Das Ziel, dieses Mal den Landeswettbewerb zu gewinnen, haben sie erreicht. „Wir haben uns riesig gefreut, beim Bundesentscheid dabei sein zu dürfen, und unsere neuen Ergebnisse präsentieren zu können“, erklärt Ben Schüler. „Wir waren vor allem darauf gespannt, was für Projekte noch dabei sein würden, und haben uns auf den Austausch mit den anderen Landessiegern gefreut“, ergänzt Jonas Knaup.

Sonderpreis Medizin im Regionalwettbewerb Braunschweig

Neben den beiden FWJ-Projekten waren auch Schülerprojekte erfolgreich bei den Regional- und Landeswettbewerben von „Jugend forscht“. So untersuchten Tara Mertins (18) und Lukas Bucan (19) im Kerstin Reimers Labor für Regenerationsbiologie der MHH-Klinik für Plastische, Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie den Einfluss eines Extraktes aus Ackerschachtelhalm auf Brustkrebszellen. Dabei konnten sie zeigen, dass der Extrakt gezielt das Wachstum aggressiver triple-negativer Brustkrebszellen hemmte und bei den Tumorzellen den programmierten Zelltod auslöste, während gesunde Brustepithelzellen weitgehend unbeeinflusst blieben. Zudem fanden sie Hinweise darauf, dass bestimmte Bestandteile des Extrakts auch immunmodulatorische Effekte besitzen könnten.

„Besonders spannend war für mich, dass eine Pflanze, an der man im Alltag oft einfach vorbeigeht, im Labor tatsächlich messbare Effekte auf Krebszellen zeigen konnte. Das hat uns motiviert, noch genauer hinzuschauen“, erklärt Lukas Bucan. Sie erreichten damit im Regionalwettbewerb in Braunschweig den ersten Platz im Fach Biologie sowie einen Sonderpreis Medizin. Im Landeswettbewerb gewannen sie den zweiten Platz. Auch wenn dieser nicht für die Qualifikation zum Bundeswettbewerb reichte, können sie stolz auf ihr Ergebnis sein: „Tara und Lukas haben gezeigt, dass es sich lohnt zu untersuchen, was hinter altem Wissen über Heilpflanzen steckt“, sagt ihre Betreuerin Dr. Sarah Strauß.

Sonderpreis für den schönsten Stand

Beim Regionalwettbewerb Hannover im Bereich Physik beeindruckte zudem die 18-jährige Charlotte Christiansen die Jury mit ihrem Projekt „Mit Windeln gegen Weltraumstrahlung“. Die Schülerin der Sophienschule Hannover untersuchte, inwieweit Supraabsorber in Windeln gegen radioaktive Strahlung abschirmen können. Mit ihrem Stand und ihrer Präsentation erreichte Charlotte Christiansen neben dem zweiten Platz auch noch zwei Sonderpreise: einen für den „Schönsten Stand“ und einen für die „Qualitätssicherung durch zerstörungsfreie Prüfung“. Die Bestrahlungsexperimente für ihre Arbeit führte die Abiturientin in der MHH-Klinik für Strahlentherapie und Spezielle Onkologie durch. Dabei unterstützte sie der Medizinphysikexperte Mirko Fischer: „Neue Ideen erweitern das Lösungsspektrum aller Menschen, und dieses Projekt hat zusätzlich auch noch Spaß gemacht.“

Das Freiwillige Wissenschaftliche Jahr (FWJ)

Von Biomedizin über Chemie und Physik bis hin zu den Ingenieurswissenschaften: Im FWJ begleiten junge Menschen ein Jahr lang in Vollzeit ein Forschungsprojekt ihrer Wahl. Sie gehören einem Forschungsteam an und erforschen Stammzellen, Gentherapien und Impfstoffe oder gewinnen neue Erkenntnisse in der Quantenphysik, Laserforschung oder Werkstoffkunde. Die MHH koordiniert das FWJ, doch auch andere Hochschulen bieten Einsatzbereiche an, zum Beispiel die Leibniz Universität Hannover, das Laser Zentrum Hannover e.V., das Fraunhofer ITEM, die Hochschule für Musik, Theater und Medien, die Tierärztliche Hochschule Hannover sowie das Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig und die Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig.

Die nächste Bewerbungsphase startet Ende des Jahres 2026 für das Jahr 2027/2028, aber auch in der noch laufenden Auswahlphase für das Jahr 2026/2027 gibt es noch freie Plätze und Projekte. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage der MHH.

Text: Bettina Dunker